Wor­auf es sich zu ach­ten lohnt

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE -

Die Ge­fahr ei­ner Di­vi­den­den­kür­zung ab­zu­schät­zen, stellt kei­ne ein­fa­che Auf­ga­be dar. Wer ge­wis­se In­di­ka­to­ren im Au­ge be­hält, kann aber zu­min­dest das Ri­si­ko ver­rin­gern. Ver­gleichs­wei­se sim­pel ist der Blick in die Aus­schüt­tungs­his­to­rie: Hat es ein Kon­zern ge­schafft, die Di­vi­den­de über Ge­schäfts- und Kon­junk­tur­zy­klen bei­zu­be­hal­ten oder gar zu stei­gern? Die­se Be­trach­tung stellt un­ter an­de­rem die Ra­ting­agen­tur Stan­dard & Poor’s an: In ih­re Lis­te der «Di­vi­den­de­na­ris­to­kra­ten» schaf­fen es nur Ge­sell­schaf­ten, die über die ver­gan­ge­nen 25 Jah­re die Aus­schüt­tun­gen ste­tig er­höht ha­ben.

Et­was schwie­ri­ger her­zu­lei­ten – da­für aber von hö­he­rer Aus­sa­ge­kraft – sind Kenn­zah­len, die auf die Qua­li­tät der Bi­lanz und der Cash­flows schlies­sen las­sen. Hin­wei­se lie­fert et­wa die Aus­schüt­tungs­quo­te (Pay­out Ra­tio). Sie quan­ti­fi­ziert, wie viel Pro­zent des Ge­winns als Di­vi­den­de aus­ge­zahlt wird. Grund­sätz­lich gilt: Je tie­fer die Aus­schüt­tungs­quo­te ist, des­to mehr Fle­xi­bi­li­tät hat ein Kon­zern, tem­po­rä­re Schwä­che­pha­sen ab­zu­fe­dern. Al­ter­na­tiv kann auch der De­ckungs­grad (Di­vi­dend Co­ver) be­trach­tet wer­den, der Kehr­wert der Aus­schüt­tungs- quo­te. Qu­er­ver­glei­che zwi­schen ein­zel­nen Ge­sell­schaf­ten sind aber nur be­grenzt aus­sa­ge­kräf­tig. Denn wel­che Quo­te an­ge­mes­sen ist, hängt sehr von der Bran­che und der Rei­fe des Un­ter­neh­mens ab.

Wich­tig ist die Pro­fi­ta­bi­li­tät: So weist die Lon­do­ner Ana­ly­se­bou­tique Ab­so­lu­te Stra­te­gy Re­se­arch nach, dass das durch­schnitt­li­che Ge­winn­wachs­tum über die letz­ten drei Jah­re so­wie die Vo­la­ti­li­tät (Schwan­kungs­brei­te) der Ge­win­ne gu­te Rück­schlüs­se auf spä­te­re Di­vi­den­den­kür­zun­gen zu­lässt.

Nütz­lich ist auch das Ver­hält­nis der Net­to­schul­den zum Ei­gen­ka­pi­tal und zum Ebit­da (Ge­winn vor Zin­sen, Steu­ern, Ab­schrei­bun­gen und Amor­ti­sa­ti­on). Ein zu ho­her Wert kann auf ein zu dün­nes Ei­gen­ka­pi­tal­pols­ter und kom­men­de Sol­venz­pro­ble­me hin­deu­ten. Be­son­ders in den USA ge­winnt die­se The­ma­tik an Bri­sanz: Statt sich auf die lau­fen­den Ein­nah­men oder be­ste­hen­den Ka­pi­tal­pols­ter zu be­schrän­ken, ha­ben vie­le Kon­zer­ne die tie­fen Zin­sen für die Auf­nah­me neu­en Fremd­ka­pi­tals ge­nutzt – ge­ra­de um Di­vi­den­den aus­zu­schüt­ten. Die Net­to­ver­schul­dung hat sich so im­mer stär­ker vom Ge­schäfts­gang ent­kop­pelt (vgl. Grafik 7).

Von Be­deu­tung ist eben­falls der freie Cash­flow. Die­se Mit­tel kön­nen an die Ak­tio­nä­re aus­ge­schüt­tet wer­den, nach­dem die für ei­ne fort­ge­setz­te Ge­schäfts­tä­tig­keit nö­ti­gen In­ves­ti­tio­nen ge­macht wor­den sind. Um den frei­en Cash­flow bes­ser ein­ord­nen zu kön­nen, soll­te man ihn al­ler­dings mit an­de­ren Grös­sen wie dem Ei­gen­ka­pi­tal in Be­zug set­zen.

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