EZB be­feu­ert Emis­si­ons­tä­tig­keit

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - MAR­TIN BETSCHART,

Di­ver­se Mit­glie­der der US-No­ten­bank Fed ha­ben sich jüngst zur Geld­po­li­tik ge­äus­sert. Der Te­nor die­ser Stim­men wur­de vom Markt als eher «haw­kish» in­ter­pre­tiert. Fed-Che­fin Ja­net Yel­len hat hin­ge­gen letz­ten Mitt­woch in ih­rer Re­de in New York sanf­te­re Tö­ne an­ge­schla­gen. Sie be­ton­te ein­mal mehr, dass das Fed die Zin­sen vor­sich­tig an­he­ben wer­de und dass die glo­ba­len Wachs­tums­ri­si­ken zu­ge­nom­men hät­ten. Ei­ne Zins­er­hö­hung im April scheint nun sehr un­wahr­schein­lich. Der An­lei­hen­markt re­agier­te po­si­tiv, UST­re­a­su­ries und auch an­de­re Staats­an­lei­hen pro­fi­tier­ten. Der leicht po­si­ti­ve US-Ar­beits­markt­be­richt und der ver­bes­ser­te ISM-In­dex der In­dus­trie sorg­ten für Vo­la­ti­li­tät, be­weg­ten den Bond­markt ins­ge­samt aber nur we­nig.

In der Eu­ro­zo­ne stan­den Un­ter­neh­mens­an­lei­hen mit gu­ter Bo­ni­tät im Fo­kus. Die EZB-An­kün­di­gung, nun Un­ter­neh­mens­an­lei­hen (oh­ne Ban­ken) zu kau­fen, hat die­ses Seg­ment zu­letzt ge­stützt. So fie­len die Ren­di­ten kurz­lau­fen­der An­lei­hen be­kann­ter Emit­ten­ten wie Sie­mens, Sa­no­fi oder Roy­al Dutch Shell un­ter null. Die Sie­mens-An­lei­he, die Ju­ni 2018 ver­fällt, wirft nun ei­ne Ren­di­te auf Ver­fall von –0,08% ab. Auch die Emis­si­ons­tä­tig­keit wird von der EZB be­feu­ert. Im März ha­ben Nich­tFi­nanz-Un­ter­neh­men im Eu­ro­raum für 49,4 Mrd. € Bonds aus­ge­ge­ben. Dies ist der dritt­höchs­te je er­ziel­te Wert und ei­ne kla­re Zu­nah­me ge­gen­über Ja­nu­ar und Fe­bru­ar.

Bra­si­lia­ni­sche Staats­an­lei­hen wur­den in den letz­ten Wo­chen noch stär­ker nach­ge­fragt. Ne­ben der hö­he­ren Ri­si­ko­be­reit­schaft der An­le­ger stütz­te die Hoff­nung auf ei­nen Re­gie­rungs­wech­sel. Doch auch ei­ne neue Re­gie­rung wird mit den al­ten Pro­ble­men wie Re­zes­si­on, ho­he In­fla­ti­on und schwa­che Wäh­rung zu kämp­fen ha­ben. Ei­ne Trend­wen­de zeich­net sich noch nicht ab. So wur­de am Mitt­woch das höchs­te Pri­mär­de­fi­zit al­ler Zei­ten aus­ge­wie­sen. Ge­mäss ei­nem Re­se­arch-Be­richt der No­ten­bank sind die Staats­ein­nah­men aus kon­junk­tu­rel­len Grün­den deut­lich ge­fal­len, wäh­rend die Aus­ga­ben im­mer noch stei­gen. Auch 2016 wer­den die Ein­nah­men wei­ter sin­ken, denn die Wirt­schaft dürf­te um mehr als 3% schrump­fen. Mit­tel- und län­ger­fris­tig dürf­te die öko­no­mi­sche Rea­li­tät wie­der kurs­be­stim­mend wer­den.

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