Der Zug ist längst ab­ge­fah­ren

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Es hat et­was Ver­zwei­fel­tes: Der Ge­wer­be­ver­band und der Ver­band Schwei­ze­ri­scher Ver­mö­gens­ver­wal­ter for­der­ten am Don­ners­tag von der Po­li­tik, das neue Fi­nanz­dienst­leis­tungs­ge­setz (Fid­leg) und das Fi­nanz­in­sti­tuts­ge­setz (Fi­nig) zu be­er­di­gen.

Das An­sin­nen mag aus Sicht der Ak­teu­re so sinn­voll sein, wie es will – doch in der po­li­ti­schen Schluss­pha­se, nur we­ni­ge Ta­ge vor der De­tail­be­ra­tung durch die zu­stän­di­ge Stän­de­rats­kom­mis­si­on ei­nen Not­stopp zu for­dern, weckt fast schon Mit­leid. Ganz si­cher aber pro­vo­ziert es die Fra­ge: Was habt ihr bis­her ei­gent­lich ge­tan?

Dass Fid­leg und Fi­nig neue Bü­ro­kra­tie schaf­fen wer­den, ist ei­ne Bin­sen­weis­heit. Dass man ei­ne sol­che Vor­la­ge aber auch auf dem da­für vor­ge­se­he­nen po­li­ti­schen Weg ent­schär­fen und ab­spe­cken kann, ha­ben an­de­re In­ter­es­sen­grup­pen vor­ge­macht. Grund­sätz­lich geht es in der neu­en Ge­setz­ge­bung sch­licht um die Zu­kunft des Schwei­zer Fi­nanz­plat­zes in ei­ner im­mer en­ger zu­sam­men­rü­cken­den Welt. Glo­ba­le Di­enst­leis­tun­gen – und das ist die Ver­mö­gens­ver­wal­tung – be­din­gen über kurz oder lang glo­ba­le Stan­dards. Wenn die Schweiz die­se Stan­dards nicht über­nimmt, ist sie wie die Per­son, die auf dem Per­ron steht und ver­dutzt dem ab­fah­ren­den Zug hin­ter­her­blickt: Sie kann sich im Recht füh­len, am En­de steht sie den­noch al­lein da.

Die Über­nah­me in­ter­na­tio­na­ler Stan­dards, in die­sem Fall der­je­ni­gen der EU, soll nicht nur den Markt­zu­gang für Ver­mö­gens­ver­wal­ter aus der Schweiz in die Eu­ro­päi­sche Uni­on er­mög­li­chen (auch wenn da­für erst der Streit­punkt Per­so­nen­frei­zü­gig­keit ge­klärt wer­den muss). Die Über­nah­me der EU-Re­geln wird auch die An­er­ken­nung im Rest der Welt ver­ein­fa­chen. Und da­mit das Ge­schäft in der Schweiz hal­ten.

Re­dak­tor zum The­ma Fid­leg/ Fi­nig

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