Ein Spie­ler mit Wasser und Zeit

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - PAS­CAL MEISSER

Er ist der­zeit ei­ner der aus­ge­fal­lens­ten und ge­frag­tes­ten Uh­ren­ma­na­ger in der Schweiz. Die Agen­da von Vin­cent Per­ri­ard ist für die kom­men­den Mo­na­te prop­pen­voll: Auf dem Plan ste­hen die Ent­wick­lung von neu­en Mo­del­len, aber auch der wei­te­re Auf­bau des welt­wei­ten Ver­triebs­net­zes. Zu den drei ei­ge­nen Bou­ti­quen in Sin­ga­pur, Kua­la Lum­pur und Mia­mi sol­len wei­te­re hin­zu­kom­men. Der fünf­fa­che Fa­mi­li­en­va­ter wird so schnell nicht zur Ru­he kom­men.

Der 46-jäh­ri­ge Ro­mand ist Mit­grün­der und Chef der Neu­en­bur­ger Uh­ren­schmie­de HYT. Die­se gilt als ei­nes der in­no­va­tivs­ten Un­ter­neh­men in der Uh­ren­sze­ne, auch wenn in der Öf­fent­lich­keit kaum je­mand No­tiz von den fu­tu­ris­tisch an­mu­ten­den Zeit­mes­sern ge­nom­men hat, de­ren Prei­se sich zwi­schen 25 000 und 250 000 Fr. be­we­gen.

Ganz an­ders ist die Wahr­neh­mung in­ner­halb der Bran­che. 2012 hat Per­ri­ard den viel be­ach­te­ten Grand Prix de l’Hor­lo­ge­rie in Genf ge­won­nen. Heute, vier Jah­re nach der Grün­dung von HYT, wird er re­gel­mäs­sig von Ri­che­mont zum Gen­fer Uh­ren­sa­lon ein­ge­la­den, auch an der Ba­sel­world hat er in­zwi­schen sei­nen fes­ten Platz. Und 2017 könn­te er erst­mals an die Hong­kon­ger Uh­ren­mes­se Wat­ches & Won­ders ge­hen. «C’est la fo­lie», sagt Per­ri­ard, es sei ver­rückt, in wel­chem Tem­po sich sein Un­ter­neh­men ent­wick­le. Erst kürz­lich hat sich auch Nest­lé-VR-Prä­si­dent Pe­ter Brabeck-Let­ma­the be­geis­tern las­sen. En­de Fe­bru­ar hat er 23 Mio. Fr. aus sei­nem Pri­vat­ver­mö­gen in die­se Wachs­tums­sto­ry in­ves­tiert. 2015 stei­ger­te HYT die Ver­kaufs­zah­len um ein Drit­tel, die­ses Jahr liegt der Um­satz be­reits 20% über den ei­ge­nen Pro­gno­sen. Der ge­lern­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­spe­zia­list be­zeich­net sich als un­kon­ven­tio­nel­len Quer­ein­stei­ger. Vor zwan­zig Jah­ren wur­de Per­ri­ard vom Gen­fer Uh­ren­her­stel­ler Au­de­mars Pi­guet en­ga­giert, um das welt­wei­te Mar­ke­ting auf Vor­der­mann zu brin­gen. Der an­schlies­sen­de Weg führ­te ihn erst zur Swatch-GroupMar­ke Ha­mil­ton und spä­ter zur Lu­xus­uh­ren­mar­ke Con­cord, die zur Mo­va­doG­rup­pe ge­hört. Be­reits da­mals hat­te ihn die Idee fas­zi­niert, das Ele­ment Wasser im Uhr­werk zu in­te­grie­ren. «Mach den gröss­ten Feind der Uhr zu ih­rem Freund», nennt Per­ri­ard sei­ne De­vi­se. Tat­säch­lich zei­gen nicht mehr Zei­ger die Zeit an, son­dern ei­ne neon­grü­ne Flüs­sig­keit. Ein deut­lich sicht­ba­rer Zy­lin­der treibt die­se durch ei­ne dün­ne Röh­re, die in ver­schie­de­nen For­men auf dem Zif­fer­blatt po­si­tio­niert ist. Per­ri­ard will mit sei­ner Mar­ke et­was kom­plett Neu­es kre­ieren. «Seit Jahr­hun­der­ten wird die Uhr kaum noch wei­ter­ent­wi­ckelt. Hier wird das Design et­was um­ge­stal­tet, dort wird das Uhr­werk et­was mo­di­fi­ziert. Aber wir müs­sen ei­nen an­de­ren An­spruch ha­ben», sagt Per­ri­ard. Er ge­sellt sich da­mit in ei­ne Rei­he jun­ger Uhr­ma­cher wie MB&F, Vou­ti­lai­nen oder Ar­min Strom, die mit ih­ren teils un­kon­ven­tio­nel­len Funk­tio­nen und De­signs auf­fal­len. Im Ge­gen­satz zu sei­nen Kol­le­gen ver­liert Per­ri­ard je­doch das Seg­ment der un­ter 1000-frän­ki­gen Uh­ren nicht aus den Au­gen. «Wir möch­ten un­se­re Hydro­tech­no­lo­gie so weit ent­wi­ckeln, dass sie taug­lich für den Mas­sen­markt wird und ei­nes Ta­ges auch in güns­ti­gen Mo­del­len ein­ge­setzt wer­den kann», sagt Per­ri­ard. An Ide­en fehlt es dem West­schwei­zer nicht.

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