Am Pa­zi­fik herrscht wie­de

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - PE­TER ROH­NER

Die Roh­stoff­baisse hat auch Ko­lum­bi­en, Pe­ru und Chi­le hart ge­troff

Wenn von Latein­ame­ri­ka die Re­de ist, dann den­ken die meis­ten In­ves­to­ren an Bra­si­li­en oder viel­leicht noch an Me­xi­ko. Schliess­lich do­mi­nie­ren die öko­no­mi­schen Schwer­ge­wich­te Latein­ame­ri­kas auch den Ka­pi­tal­markt. Al­lein bra­si­lia­ni­sche Ak­ti­en ma­chen fast die Hälf­te der ge­sam­ten Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung Latein­ame­ri­kas aus. Da ge­hen klei­ne­re Märk­te wie Chi­le, Ko­lum­bi­en oder Pe­ru oft ver­ges­sen. «Zu Un­recht», fin­det Raoul Bach­mann, Grün­der und Ge­schäfts­füh­rer von La­tAm Ca­pi­tal, «denn das sind al­les Län­der mit ei­nem li­be­ra­len Wirt­schafts­ver­ständ­nis.» Die drei süd­ame­ri­ka­ni­schen Pa­zi­fi­klän­der, auch Pu­ma­staa­ten ge­nannt, ha­ben sich 2011 zu­sam­men mit Me­xi­ko zur Pa­zi­fik-Al­li­anz zu­sam­men­ge­schlos­sen und bil­den den Ge­gen­pol zu den po­pu­lis­tisch und so­zia­lis­tisch re­gier­ten Län­dern wie Ve­ne­zue­la oder Bo­li­vi­en.

«Ih­nen ist ge­mein­sam, dass die re­le­van­ten po­li­ti­schen Kräf­te mo­de­rat sind», sagt Bach­mann. Grund­sätz­lich stim­me die Mehr­heit of­fe­nen Gren­zen und markt­wirt­schaft­li­chen Prin­zi­pi­en zu und leh­ne ei­ne so­zia­lis­ti­sche Po­li­tik à la Hu­go Chá­vez ab. Ent­spre­chend freund­lich ist das Wirt­schafts­kli­ma: Im Ea­se-of-Do­ing-Bu­si­ness-In­dex der Welt­bank lie­gen die Pa­zi­fik­staa­ten weit vor Bra­si­li­en und den Län­dern der Frei­han­dels­zo­ne Mer­co­sur.

Spar­sa­me Re­gie­run­gen

Ei­ne wei­te­re Ge­mein­sam­keit ist die tie­fe Staats­ver­schul­dung. Statt die Be­völ­ke­rung durch Sub­ven­tio­nen zu­frie­den­zu­stel­len, hät­ten sie die Roh­stof­f­e­in­nah­men ge­nutzt, um Re­ser­ven auf­zu­bau­en, sagt Bach­mann. Vor drei Jah­ren hat er ei­nen Ak­ti­en­fonds auf­ge­setzt, der aus- schliess­lich in Latein­ame­ri­ka oh­ne Bra­si­li­en in­ves­tiert. Das Fonds­ma­nage­ment sitzt in San­tia­go de Chi­le. Ein Grund­satz lau­tet: Das po­li­ti­sche Ri­si­ko muss ver­stan­den wer­den. In Ar­gen­ti­ni­en zum Bei­spiel in­ves­tiert der Fonds erst seit ei­nem Jahr, als ab­seh­bar wur­de, dass bei­de Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten nach Chris­ti­na Fer­nan­dez de Kirch­ner ei­ne markt­freund­li­che­re Po­li­tik an­streb­ten. Bach­manns Fonds hält Ak­ti­en des Agrar­kon­zerns Ade­co­agro, der da­von pro­fi­tiert, dass die Han­dels­hin­der­nis­se un­ter dem neu­en Prä­si­den­ten Mau­ricio Ma­cri ab­ge­baut wer­den.

In der stra­te­gi­schen Ide­al­al­lo­ka­ti­on des Fonds ha­ben Chi­le und Me­xi­ko das höchs­te Ge­wicht. Da me­xi­ka­ni­sche Ak­ti­en lan­ge gut ge­lau­fen sei­en und die Be­wer­tung un­ter­des­sen hoch sei, ver­su­che das Fonds­ma­nage­ment, das Ge­wicht zu re­du­zie­ren. Den An­teil chi­le­ni­scher Ak­ti­en möch­te Bach­mann ten­den­zi­ell wie­der er­hö­hen. Chi­les Fi­nanz­markt ist in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren un­ter Druck ge­ra­ten. Die fal­len­den Me­tall­prei­se tra­fen den gröss­ten Kup­fer­ex­por­teur hart. Gleich­zei­tig schwand das Ver­trau­en in Prä­si­den­tin Mi­chel­le Ba­che­let.

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