Fed-Vor­sicht stützt Gold

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - NÉVINE POLLINI

Die US-No­ten­bank miss­traut gu­ten Wachs­tums- und In­fla­ti­ons­da­ten.

Nach­dem Gold im ers­ten Quar­tal ei­ne Stei­ge­rung von na­he­zu 16% und da­mit den gröss­ten An­stieg seit 1986 ver­zeich­net hat­te, gab er zu­nächst mal et­was nach, schweb­te aber wei­ter über der psy­cho­lo­gisch wich­ti­gen Mar­ke der 1200 $ je Un­ze. Zum Wo­chen­schluss kos­te­te die Un­ze 1235 $ und da­mit 1% hö­her im Ver­gleich zur Vor­wo­che.

Aus dem Sit­zungs­pro­to­koll der US-No­ten­bank vom 6. April ging her­vor, dass sich die Fed-Gou­ver­neu­re über den Zeit­punkt des nächs­ten Zins­schritts un­eins sind. Ei­ni­ge gin­gen von ei­ner An­he­bung der Ziel­band­brei­te bei der nächs­ten Sit­zung am 26. bis 27. April aus, soll­ten die Wirt­schafts­zah­len ent­spre­chend güns­tig aus­fal­len. Der über­wie­gend vor­sich­ti­ge Ton ist dar­auf zu­rück­zu­füh­ren, dass sich ei­ni­ge Gou­ver­neu­re of­fen­sicht­lich über die Ver­lang­sa­mung der Welt­wirt­schaft sorg­ten, denn noch trü­ben be­deu­ten­de Ri­si­ken die Wirt­schafts­aus­sich­ten der USA.

Ob­wohl die In­fla­ti­on in den USA zu­letzt et­was an­stieg, äus­ser­ten meh­re­re Mit­glie­der des Of­fen­markt­aus­schus­ses ih­re Sor­gen, dass die dis­in­fla­tio­nä­ren Kräf­te und nied­ri­ge­re In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen den wei­te­ren Ver­lauf für die Teue­rung be­las­ten wird. Die Vor­sicht in­ner­halb der US-No­ten- bank ist als po­si­ti­ves Si­gnal für das gel­be Me­tall zu wer­ten, da die USWäh­rungs­hü­ter dem­nach we­ni­ger Zins­an­he­bun­gen durch­füh­ren wer­den als bis­her ge­plant. Nied­ri­ge Zin­sen las­sen ei­ne In­ves­ti­ti­on in das ren­di­te­lo­se Gold at­trak­ti­ver er­schei­nen.

Soll­ten sich die ma­kro­öko­no­mi­schen Wirt­schafts­zah­len wei­ter fes­ti­gen – be­son­ders wenn der Ar­beits­markt sehr ro­bust bleibt –, könn­te die US-No­ten­bank meh­re­re Zins­schrit­te hin­ter­ein­an­der vor­neh­men. Das könn­te den Gold­kurs mass­geb­lich be­las­ten.

Ge­gen­wär­tig wei­chen die Stra­te­gi­en der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank und des Fed stark von­ein­an­der ab. Wäh­rend die eu­ro­päi­schen Wäh­rungs­hü­ter ei­nen vor­sich­ti­gen Kurs fah­ren, geht die USNo­ten­bank in Rich­tung Zins­er­hö­hungs­kurs.

Das stützt die Pro­gno­se, dass sich der Gold­preis in den kom­men­den Mo­na­ten in­ner­halb ei­ner fes­ten Band­brei­te be­we­gen wird. Denn die un­ter­schied­li­che Aus­rich­tung der No­ten­ban­ken wird jeg­li­che jä­he Dol­lar­baisse aus­glei­chen. Ein schwa­cher Dol­lar wür­de Gold stüt­zen, das in der US-Va­lu­ta ge­han­delt wird. Mit­tel­fris­tig sind kaum Ka­ta­ly­sa­to­ren für grosse Ve­rän­de­run­gen beim Gold­preis sicht­bar. Zu­min­dest nicht vor 2017, wenn die Gold­pro­duk­ti­on vor­aus­sicht­lich zu sin­ken be­ginnt.

Auf kur­ze Sicht aber könn­ten an­de­re Fak­to­ren den Gold­preis be­hin­dern. Im Fe­bru­ar und März bra­chen in In­di­en die Gold­im­por­te ein. Wie ver­schie­de­ne Me­di­en be­rich­te­ten, ist die Nach­fra­ge im Be­griff, auf den tiefs­ten Stand in sie­ben Jah­ren zu fal­len. Der Grund da­für ist, dass die in­di­schen Ju­we­lie­re mit ei­nem Streik re­agier­ten, als die Re­gie­rung die An­he­bung der Ver­brauchs­steu­er um 1% durch­setz­te.

Ei­nen wei­te­ren Grund zur Be­sorg­nis ge­ben die sehr ho­hen spe­ku­la­ti­ven Net­to-Long-Po­si­tio­nen am Ter­min­markt – sie si­gna­li­sie­ren, dass In­ves­to­ren bei ih­rem En­ga­ge­ment in Gold zu weit ge­gan­gen sind. Da­mit droht ei­ne Li­qui­da­ti­ons­wel­le.

Bör­sen­ge­han­del­te Fonds (Ex­ch­an­ge-tra­ded Funds, ETF) be­fan­den sich da­ge­gen an­ge­sichts ei­nes Be­stands von durch­ge­hend 56,5 Mil­lio­nen Un­zen auf ei­nem Zwei­jah­res­hoch. Dem World Gold Coun­cil zu­fol­ge be­fin­den sich die Zuflüs­se im ers­ten Vier­tel­jahr auf dem höchs­ten Stand seit der Fi­nanz­kri­se. Die­se sta­bi­le Nach­fra­ge soll­te den Gold­preis stüt­zen.

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