Schwa­cher Rü­cken­wind

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - STE­PHA­NIE LIN­DECK,

Das Fed ru­dert zu­rück und stärkt so ris­kan­te An­la­ge­klas­sen.

Das schritt­wei­se Zu­rück­ru­dern der US-No­ten­bank (Fed) von der Ab­sicht, die Zin­sen wei­ter zu er­hö­hen hat ris­kan­ten An­la­gen­klas­sen in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ei­ne gu­te Per­for­mance be­schert. Das in die­ser Wo­che ver­öf­fent­lich­te Fed-Sit­zungs­pro­to­koll be­kräf­tig­te ein­mal mehr, dass das Fed bei wei­te­ren Zins­an­he­bun­gen äus­sers­te Vor­sicht wal­ten lässt. Die­se gu­ten Nach­rich­ten schei­nen weit­ge­hend ein­ge­preist. Wei­te­re Mel­dun­gen die­ser Art wer­den kaum mehr zu­sätz­li­che Markt­im­pul­se ge­ne­rie­ren. Um das op­ti­mis­ti­sche Stim­mungs­bild zu hal­ten, be­darf es neu­er po­si­ti­ver Mel­dun­gen. Der Eu­ro-Dol­lar-Wech­sel­kurs hat sich ein­ge­pen­delt und wird in den kom­men­den Mo­na­ten um das ak­tu­el­le Ni­veau schwan­ken.

Die Aus­sicht auf Zins­er­hö­hun­gen in den USA hat im ver­gan­ge­nen Jahr zu ei­ner deut­li­chen Auf­wer­tung – und in­zwi­schen auch zu ei­ner deut­li­chen Über­be­wer­tung – des Dol­lars ge­führt, und noch trotzt er der Schwer­kraft. Der Zins­vor­teil von mehr als 100 Bp zu Eu­ro­an­lei­hen macht’s mög­lich.

Ge­misch­te Stim­mung

Die Di­ver­genz der US- und der Eu­ro­zen­tral­bank­po­li­tik lie­fert ent­schei­den­de Un­ter­stüt­zung. Al­ler­dings hat mit dem neu­en Kurs des Fed die­se Di­ver­genz ih­ren Hö­he­punkt hin­ter sich. Die Zins­dif­fe­ren­zen zwi­schen USA und Eu­ro­zo­ne ha­ben sich sta­bi­li­siert und wer­den sich auf ab­seh­ba­re Zeit nicht mehr aus­wei­ten.

Die deut­li­che Stim­mungs­auf­hel­lung bei den Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes (PMI) des ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­bes im März kün­den vom En­de der glo­ba­len In­dus­trie­schwä­che. Die USA über­rasch­ten mit ei­nem PMI-Er­geb­nis von 51,8 be­son­ders po­si­tiv. Fünf Mo­na­te in Fol­ge lag der In­di­ka­tor un­ter 50, si­gna­li­sier­te al­so Ab­schwä­chung. Der un­ab­hän­gig er­mit­tel­te Cai­xinEin­kaufs­ma­na­ger­index für Chi­na ver­blieb zwar knapp un­ter der kri­ti­schen Fünf­zi­ger­mar­ke, hat sich aber eben­falls deut­lich ver­bes­sert. Gleich­zei­tig nimmt die Wachs­tums­dy­na­mik in der Eu­ro­zo­ne wie­der an Fahrt auf.

Es bleibt aber noch zu klä­ren, auf wel­cher Ba­sis die Ver­bes­se­rung in die­sem Mo­nat steht. Ein Auf­fül­len des stark ge­schrumpf­ten La­ger­be­stands zeich­net sich ab, was die Nach­hal­tig­keit der Er­ho­lung in Fra­ge stellt. Den op­ti­mis­ti­schen Si­gna­len aus der In­dus­trie steht zu­dem ei­ne ver­schlech­ter­te Stim­mung im Di­enst­leis­tungs­sek­tor ent­ge­gen. Die die­se Wo­che er­schie­ne­nen PMI deu­ten ei­nen spür­ba­ren Ab­schwung des Wachs­tums an.

Ge­misch­te Si­gna­le von der Kon­junk­tur­front zu­sam­men mit ei­ner Zu­rück­hal­tung in Be­zug auf die Zins­an­he­bung durch das Fed er­klä­ren denn auch die eher schwa­che Markt­ent­wick­lung. Die Ak­ti­en­in­di­zes der ent­wi­ckel­ten Volks­wirt­schaf­ten lie­gen im Wo­chen­rück­blick zu­meist leicht im Mi­nus, wenn­gleich eu­ro­päi­sche Ak­ti­en­in­di­zes leicht zu­leg­ten.

Reich­lich Roh­stof­fe

Ers­te Ge­winn­mit­nah­me­ef­fek­te und ei­ne er­höh­te An­le­ger­ver­un­si­che­rung zeig­ten sich vor al­lem bei Schwel­len­län­der­ak­ti­en. So­wohl in Asi­en als auch in Bra­si­li­en, Me­xi­ko, Po­len und der Tür­kei gab es Kurs­ver­lus­te. In Bra­si­li­en und Po­len ha­ben die An­lei­hen­seg­men­te zu­dem schlech­ter ab­ge­schnit­ten. Auch die ste­ti­ge Auf­wer­tung des Yens zeugt von ei­ner fort­be­ste­hen­den Ri­si­ko­aver­si­on. Ne­ben der ex­tre­men Un­ter­be­wer­tung und der Glatt­stel­lung von Short-Po­si­tio­nen aus den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten pro­fi­tiert der Yen als si­che­rer Ha­fen von je­der Zu­nah­me an Ve­r­un­si­che­rung.

Die jüngs­te Er­ho­lung der Roh­stoff­prei­se hat an Fahrt ver­lo­ren, wur­de sie doch pri­mär durch ei­ne ver­bes­ser­te Markt­stim­mung be­stimmt – bei un­ver­än­der­ten Fun­da­men­tal­da­ten. Die meis­ten Märk­te blei­ben über­ver­sorgt. Ein Bei­spiel ist der Öl­markt, wo die US-Schie­fe­röl­pro­du­zen­ten zu­letzt wie­der Preis­si­che­rungs­ge­schäf­te ab­ge­schlos­sen ha­ben, die ei­nen lang­sa­men Pro­duk­ti­ons­rück­gang zur Fol­ge ha­ben soll­ten. Seit Mitt­woch hat Roh­öl noch­mals 9% zu­ge­legt, wo­von auch der Ru­bel und rus­si­sche Ak­ti­en pro­fi­tier­ten. Die Be­reit­schaft der Schie­fe­röl­in­dus­trie, Prei­se um 40 $/Fass zu ak­zep­tie­ren, spricht aber für län­ger­fris­tig tie­fe­re Öl­prei­se.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.