Ri­che­mont und Swatch un­ter der Lu­pe

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AL­FONS COR­TES

Lang­fris­ti­ges In­ves­tie­ren kann sehr er­gie­big sein – oder auch nicht. Um Ers­te­res zu er­rei­chen und Letz­te­res zu ver­mei­den, ist die re­la­ti­ve Stär­ke zen­tra­les Ele­ment mei­nes An­sat­zes. Für Schwei­zer Ak­ti­en wird meis­tens der SMI als Mess­lat­te her­an­ge­zo­gen. Trotz der ho­hen Ge­wich­tung we­ni­ger Ti­tel gleicht sei­ne Ent­wick­lung seit April 1996 ge­nau der­je­ni­gen des Sto­xx 600. Schwei­zer Ak­ti­en müs­sen ge­gen den SMI an­tre­ten und ge­gen den Sto­xx 600, um im Ver­gleich zu ei­ner wei­te­ren, die meis­ten Wirt­schafts­sek­to­ren um­fas­sen­den Mess­grös­se zu be­ste­hen.

Über zwan­zig Jah­re ha­ben Ri­che­mont und Swatch Group gut ab­ge­schnit­ten. Ri­che­mont über­tra­fen den SMI und den Sto­xx 600 um das 3,5-Fa­che, Swatch In­ha­ber er­ziel­ten den dop­pel­ten An­stieg der bei­den In­di­zes. Da zeigt sich aber der Nach­teil, wenn lang­fris­ti­ges In­ves­tie­ren dog­ma­tisch be­trie­ben wird: Seit Ok­to­ber 2013 sind bei­de Ti­tel re­la­ti­ve und ab­so­lu­te Ver­lie­rer.

To­le­ranz über­schrit­ten

Seit Ok­to­ber 2013 hat der SMI 5% ver­lo­ren, der Sto­xx 600 2,9% ge­won­nen. Swatch fal­len mit –45,3%, Ri­che­mont mit –35,3% auf. Das muss nicht weh­tun, wenn re­la­tiv schwa­che Ti­tel kon­se­quent aus dem De­pot ent­fernt wer­den.

Ok­to­ber 2013 bis heute oder dreis­sig Mo­na­te – zu lang, um Ver­lie­rer­ti­tel durch­zu­hal­ten. Mehr als drei Mo­na­te re­la­ti­ver Schwä­che sind in der Re­gel nicht to­le­rier­bar. Die re­la­ti­ve Stär­ke ist das Ein­zel­kri­te­ri­um, das über die Hal­te­dau­er ei­ner Ak­tie ent­schei­det. Schau­en wir uns kurz Cre­dit Suis­se an: Von April 1996 bis Au­gust 2000 wa­ren CS so gut wie der Sto­xx 600 und Ri­che­mont, bes­ser als der SMI und leicht schlech­ter als Swatch, dann bis März 2003 ein Ver­lie­rer zu al­len vier. Von März 2003 bis März 2007 schlos­sen CS deut­lich bes­ser ab als die bei­den In­di­zes und die bei­den Ak­ti­en. Wer vor zwan­zig Jah­ren CS kauf­te und hielt, hat mitt­ler­wei­le rund drei Vier­tel des Ein­sat­zes ver­lo­ren, in­des oh­ne Di­vi­den­den, die auch bei Swatch, die in der ge­nann­ten Zeit ei­nen Kurs­ge­winn von 296% ver­bucht ha­ben, und Ri­che­mont mit +652% nicht be­rück­sich­tigt wur­den.

Um­gang mit Un­ge­wiss­heit

Es geht hier um et­was an­de­res: An den Bör­sen herrscht ra­di­ka­le Un­ge­wiss­heit. Nie­mand kann im Vor­aus sa­gen, wie lan­ge ei­ne Ak­tie ein gu­tes In­vest­ment ist, nie­mand weiss, wie lan­ge ei­ne Hausse oder ei­ne Bais­se dau­ern wird. Die ein­zi­ge Mög­lich­keit, die uns zur Ver­fü­gung steht, ist die Na­vi­ga­ti­on im Fluss des Ge­sche­hens. Die Er­folgs­chan­cen stei­gen ganz enorm, wenn wir da­von aus­ge­hen dass un­ser Wis­sen ex­trem be­schränkt ist, dass die Kon­klu­sio­nen, die wir dar­aus zie­hen, wo­mög­lich von nie­man­dem ge­teilt wer­den und dass Din­ge pas­sie­ren kön­nen, die auch die schlau­es­ten Köp­fe nicht er­war­tet ha­ben. Die­se Selbst­be­schrän­kung führt zum Ein­satz der re­la­ti­ven Stär­ke. Ich hal­te Ak­ti­en, so­lan­ge sie die Kri­te­ri­en der re­la­ti­ven Stär­ke er­fül­len – man­che ein paar Wo­chen, man­che über Jahr­zehn­te, durch Hausse und Bais­se.

Swatch und Ri­che­mont sind seit Ok­to­ber 2013 re­la­tiv schwach, wo­bei die ent­spre­chen­den Si­gna­le bei Swatch erst im Ja­nu­ar 2014 und bei Ri­che­mont im De­zem­ber 2013 den be­gon­ne­nen Trend der re­la­ti­ven Schwä­che ver­deut­li­chen. Ihr re­la­ti­ver Trend weist im­mer noch nach un­ten. So­lan­ge dem so ist, in­ter­es­sie­ren mich an­de­re Va­ria­blen nicht. Die Be­deu­tung der re­la­ti­ven Prei­se ist nicht mei­ne Ent­de­ckung. Fried­rich Au­gust von Hay­ek hat sie er­kannt und in «Die Ver­wer­tung des Wis­sens in der Ge­sell­schaft» ver­ewigt. Dar­auf ha­be ich mei­ne gan­ze Lauf­bahn auf­ge­baut. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit der der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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