Zwei­fel an Do­ha-Ei­ni­gung

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - LASALLE BROKERAGE,

Ein Ab­bau der glo­ba­len Öl­för­de­rung wird kaum zu er­rei­chen sein.

An den in­ter­na­tio­na­len Roh­stoff­märk­ten do­mi­nier­ten die Öl­märk­te das Han­dels­ge­sche­hen. Ver­gan­ge­ne Wo­che stürz­te der Preis für eu­ro­päi­sches Brent zu­nächst auf Vier­wo­chen­tief. Da­nach klet­ter­te er aber und er­reich­te ein Wo­chen­plus von 12% bei 41.89 $ je Fass. Al­lein am Frei­tag lag der Ta­ges­ge­winn bei 6%.

Un­ter­stüt­zung fand der Öl­preis durch ei­nen schwä­chen Dol­lar. Vie­le Händ­ler wa­ren über die mas­si­ve Auf­wärts­be­we­gung den­noch er­staunt und such­ten den «ei­nen» Grund für die Be­we­gung. Den gibt es aber nicht. Viel­mehr war es ei­ne Kom­bi­na­ti­on von ver­schie­de­nen Mel­dun­gen, in ei­nem so­wie­so schon stei­gen­den Markt.

Ver­gan­ge­ne Wo­che ha­ben ge­mäss dem US-Ener­gie­mi­nis­te­ri­um die Öl­be­stän­de in USA zur Vor­wo­che ab­ge­nom­men. Auch an­de­re Nach­rich­ten aus Ame­ri­ka stüt­zen den Preis: Ein Pi­pe­line­pro­blem und der Rück­gang der Zahl der ak­ti­ven Bohr­lö­cher auf das tiefs­te Ni­veau seit No­vem­ber 2009 wur­den als wei­te­re Grün­de für die stei­gen­den Prei­se ge­nannt. Der Haupt­grund scheint aber bei Händ­lern zu fin­den sein, die im ner­vö­sen Markt kei­ne Short-Po­si­tio­nen ein­ge­hen woll­ten. Dies hat wahr­schein­lich zur Preis­ex­plo­si­on ge­führt.

Der Markt war­tet nun ge­spannt auf das wich­ti­ge Tref­fen von För­der­län­dern in Do­ha am kom­men­den Sonn­tag. Dann be­ra­ten Ope­cund Nicht-Opec-Staa­ten über ein Ein­frie­ren der För­der­men­gen. In den letz­ten Wo­chen ha­ben sich vie­le Markt­teil­neh­mer skep­tisch ge­zeigt, dass ei­ne Ei­ni­gung die Öl­prei­se sta­bi­li­sie­ren könn­te, so­lan­ge ei­ne Über­ver­sor­gung mit Öl be­ste­hen bleibt. Mo­men­tan steht nur ei­ne Sta­bi­li­sie­rung, kein Ab­bau der För­de­rung im Raum.

Zum Wo­chen­start stie­gen die Öl­prei­se wei­ter. Nach ei­nem ner­vö­sen Auf und Ab no­tier­te Brent am Mon­tag­abend auf ei­nem Vier­mo­nats­hoch bei 42.81 $. Am Di­ens­tag er­reich­te der Brent-Preis mit 43.43 $ den höchs­ten Stand seit dem 4. De­zem­ber.

Die grossen Spe­ku­lan­ten ha­ben nun die re­kord­ho­he Zahl von et­wa 350 000 Kon­trak­ten Net­toLong-Po­si­tio­nen in ih­ren Bü­chern ste­hen. Da­durch scheint sich im Fal­le ei­ner Ent­täu­schung am kom­men­den Wo­che­n­en­de ein gros­ses Ver­lust­po­ten­zi­al auf­ge­baut zu ha­ben. Die Vo­la­ti­li­tät am Öl­markt dürf­te die­se Wo­che noch wei­ter an­hal­ten. Wei­ter­hin schei­nen Markt­ak­teu­re nicht be­reit zu sein, Short-Po­si­tio­nen auf­zu­bau­en.

Die Hoff­nun­gen, die in das Do­ha-Tref­fen ge­setzt wur­den, könn- ten so zur Be­las­tung für den Öl­markt wer­den. So­lan­ge die Über­ka­pa­zi­tät an Roh­öl nicht bald durch ei­ne grös­se­re Nach­fra­ge dank hö­he­rem Wirt­schafts­wachs­tum ab­ge­baut wer­den kann, führt nur die Ver­knap­pung des An­ge­bots zu ei­ner Sta­bi­li­sie­rung der Öl­prei­se. Da­ge­gen spre­chen die Am­bi­tio­nen von Iran und an­de­ren För­der­län­dern, die drin­gend auf Ölein­nah­men an­ge­wie­sen sind, ih­re Öl­ex­por­te aus­zu­bau­en.

Russ­land ist zu­sam­men mit Sau­di-Ara­bi­en zwar ei­ner der Initi­an­ten ei­ner mög­li­chen De­cke­lung der För­de­rung. Das Land kann es sich aber auch nicht er­lau­ben, auf die so wich­ti­gen Ein­nah­men zu ver­zich­ten. Am En­de wird sich je­des Land selbst am nächs­ten sein. Al­le För­der­län­der wol­len von hö­he­ren Öl­prei­sen dank ei­ner Be­gren­zung der Pro­duk­ti­on pro­fi­tie­ren. Die da­für nö­ti­gen För­der­be­gren­zun­gen sol­len aber mög­lichst die an­de­ren Län­der leis­ten.

Das Ri­si­ko ei­ner Kor­rek­tur des Öl­prei­ses von 5 bis 10 $ in den nächs­ten Wo­chen dürf­te al­so nach ei­ner Ent­täu­schung in Do­ha be­vor­ste­hen. Der Preis für ein Fass Brent könn­te des­we­gen schon bald auf ge­gen 35 $ zu­rück­fal­len.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.