Ei­ne frag­wür­di­ge Idee

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - RALF AH­RENS,

Nun­mehr seit 2008 nut­zen die glo­bal wich­ti­gen Zen­tral­ban­ken un­kon­ven­tio­nel­le geld­po­li­ti­sche In­stru­men­te. Nach der Leh­manP­lei­te ging es der US-No­ten­bank (Fed) dar­um, durch Not­mass­nah­men ei­nen Zu­sam­men­bruch der Geld- und Kre­dit­ver­sor­gung und da­mit des Fi­nanz­sys­tems und der ge­sam­ten Welt­wirt­schaft zu ver­hin­dern. Schon bald aber wur­den die als Quan­ti­ta­ti­ve Ea­sing be­kann­ten An­lei­hen­kauf­pro­gram­me aus­ge­wei­tet, um ei­ne «Nor­ma­li­sie­rung» der US-Volks­wirt­schaft her­bei­zu­füh­ren.

Auch die EZB hat meh­re­re Kauf­pro­gram­me auf­ge­legt. Den An­fang mach­te das Se­cu­ri­ties Mar­kets Pro­gram­me (SMP), in des­sen Rah­men die Zen­tral­bank von 2010 bis 2012 Staats­an­lei­hen der GIPS-Län­der (Grie­chen­land, Ita­li­en, Por­tu­gal, Spa­ni­en) er­warb. In­ter­es­san­ter­wei­se ging es auch da­mals zu­nächst um die Ret­tung ei­nes Sys­tems (Eu­ro­zo­ne). In­zwi­schen wird eher mit der Ab­wehr ei­ner dif­fu­sen De­fla­ti­ons­ge­fahr ar­gu­men­tiert. Zwar gibt es zahl­rei­che Kri­tik an die­ser Art un­kon­ven­tio­nel­ler Geld­po­li­tik: in­di­rek­te Wahr­neh­mung fis­ka­li­scher Auf­ga­ben durch de­mo­kra­tisch hier­zu nicht le­gi­ti­mier­te Zen­tral­ban­ken, un­er­wünsch­te Ver­tei­lungs­wir­kun­gen, Stö­rung der Preis­bil­dung auf Ka­pi­tal­märk­ten usw. Aber selbst schar­fe Kri­ti­ker müs­sen zu­ge­ben, dass die meis­ten die­ser Kauf­pro­gram­me wirk­sam wa­ren und bis­lang kei­ne of­fen­sicht­li­chen Schä­den wie et­wa In­fla­ti­on auf­ge­tre­ten sind. Zu­dem be­für­wor­ten zahl­rei­che aka­de­mi­sche Stu­di­en den An­kauf von An­lei­hen.

All dies lässt sich über ne­ga­ti­ve Leit­zin­sen nicht sa­gen. Ne­ga­ti­ve Zin­sen sind der­art un­kon­ven­tio­nell, dass ei­nem nicht viel da­zu ein­fällt. Es gibt we­der ei­ne theo­re­ti­sche Fun­die­rung noch em­pi­ri­sche Evi­den­zen, die auf die Sinn­haf­tig­keit die­ses In­stru­ments für grosse Wäh­rungs­räu­me hin­wei­sen. Da der Fi­nanz­sek­tor ge­schwächt wird und die Be­völ­ke­rung das Ver­trau­en in die ei­ge­ne Wäh­rung zu ver­lie­ren droht, ist eher mit kon­tra­pro­duk­ti­ven Wir­kun­gen zu rech­nen: Sys­tem­desta­bi­li­sie­rung, Wachs­tums­schwä­che und De­fla­ti­on. Ne­ga­ti­ve Leit­zin­sen sind ei­ne frag­wür­di­ge Idee. Da­mit ver­su­chen Zen­tral­ban­ken, de­nen sämt­li­che gu­ten Ide­en aus­ge­gan­gen sind, Pro­ble­me zu lö­sen, für die sie gar nicht zu­stän­dig sein soll­ten.

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