Zum Auf­takt viel Lärm

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - AND­REW SLIMMON

Was kön­nen die US-Quar­tals­be­rich­te zur Sta­bi­li­sie­rung bei­tra­gen?

Vor dem Start in die USBe­richts­sai­son zum ers­ten Quar­tal wur­den die Ak­ti­en­märk­te erst ein­mal durch­ge­schüt­telt. Nach der Ral­ly von 12% seit dem Tief Mit­te Fe­bru­ar war ei­ne ge­wis­se Kon­so­li­die­rung fäl­lig. Kön­nen die Quar­tals­ab­schlüs­se ei­nen An­stieg der Kur­se über Wi­der­stands­ni­veaus hin­aus stüt­zen? Das ist die ent­schei­den­de Fra­ge. Der Kon­sen­sus für den S&P 500 geht der­zeit von ei­nem Ge­winn­wachs­tum von le­dig­lich +2,48% im Jah­res­ver­gleich von 2015 zu 2016 aus. Was al­so könn­te – aus­ser hö­he­ren Quar­tals­er­geb­nis­sen oder nach oben re­vi­dier­ten Aus­bli­cken – den S&P 500 be­feu­ern?

Op­ti­mis­ten ver­wei­sen auf den Dol­lar, und ihr Ar­gu­ment ist nicht von der Hand zu wei­sen. Vor et­wa ei­nem Jahr be­gann sich der Dol­lar ge­gen­über Wäh­run­gen von In­dus­trie­län­dern ab­zu­schwä­chen. Das könn­te bei mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­nen da­zu füh­ren, dass de­ren Er­geb­nis­se im zwei­ten Quar­tal bes­ser aus­fal­len als in der Ver­gleichs­zeit des Vor­jah­res. Dies und die Sta­bi­li­sie­rung des Öl­prei­ses könn­ten Treiber sein für Re­sul­ta­te, die der Markt braucht.

Dol­lar wirkt po­si­tiv

Der sich ab­schwä­chen­de Dol­lar hat auch an Ak­ti­en­märk­ten in Schwel­len­län­dern für ei­ne ge­wis­se Er­ho­lung ge­sorgt. Wäh­rend der Dol­lar ge­gen­über Wäh­run­gen von In­dus­trie­län­dern be­reits vor ei­nem Jahr an Stär­ke ver­lor, setz­te die­se Ent­wick­lung ge­gen­über Schwel­len­län­dern erst An­fang die­ses Jah­res ein. Ist es Zu­fall, dass sich seit­dem die Ak­ti­en­märk­te in den Schwel­len­län­dern bes­ser ent­wi­ckel­ten als in den In­dus­trie­län­dern? Wohl kaum.

Auch bei den Roh­stof­fen wirkt sich die Ab­schwä­chung des Dol­lars po­si­tiv aus. Gold leg­te ver­gan­ge­ne Wo­che um 1,4% zu. Öl er­hol­te sich wei­ter von den Tief­stän- den im Fe­bru­ar, mit ei­nem An­stieg bei der Sor­te Brent von 8% ver­gan­ge­ne Wo­che und von 50% seit dem Tief im Ja­nu­ar.

Vom schwä­che­ren Dol­lar pro­fi­tie­ren al­ler­dings nicht al­le. Der an­hal­tend star­ke Yen gab An­lass zu wei­te­rer Sor­ge über die ja­pa­ni­sche Ex­port­wirt­schaft, und der Nik­kei ver­lor im Lauf der ver­gan­ge­nen Wo­che 2%. Dass der Yen seit An­fang Jahr ge­gen­über dem Dol­lar um 11% zu­leg­te, ist der Haupt­grund da­für, dass der Nik­kei gleich­zei­tig 16% nach­gab. Es scheint, dass un­ter der Re­gie­rung von Shin­zo Abe der ja­pa­ni­sche Ak­ti­en­markt zum Yen stark um­ge­kehrt kor­re­liert.

Ei­ne Trend­wen­de beim Dol­lar könn­te die schlech­te Ent­wick­lung am ja­pa­ni­schen Ak­ti­en­markt dre­hen und den gu­ten Start der Schwel­len­län­der brem­sen. Das bringt uns zu­rück zur Be­richt­sai­son. Nach oben re­vi­dier­te Ge­winn­aus­bli­cke und mehr Ver­trau­en in die US-Wirt­schaft könn­ten da­zu füh­ren, dass es bei ei­nem wei­te­ren Zins­schritt des Fed nicht mehr um das «ob», son­dern wie­der um das «wann» geht.

US-Fis­kal­po­li­tik bremst

Al­ler­dings sind die Ren­di­ten zehn­jäh­ri­ger US-Staats­an­lei­hen zu­rück auf dem Tief der letz­ten drei Jah­re, und der Markt sieht die Wahr­schein­lich­keit ei­ner Zins­er­hö­hung durch das Fed 2016 bei un­ter 50%.

Al­ter­na­tiv kön­nen Än­de­run­gen des geld­po­li­ti­schen Kur­ses in Ja­pan den Yen schwä­chen, et­wa in­dem die Over­night-Zin­sen noch wei­ter ins Ne­ga­ti­ve ge­drückt wer­den. Ir­gend­wann dürf­te al­ler­dings das En­de des Ex­pe­ri­ments mit Ne­ga­tiv­zin­sen er­reicht sein. Mit wei­te­ren Zins­sen­kun­gen nicht weit hint­an­ste­hen dürf­te Eu­ro­pa. Da­mit wür­den auch zehn­jäh­ri­ge deut­sche Staats­an­lei­hen mit ziem­li­cher Si­cher­heit ne­ga­ti­ve Ren­di­ten ab­wer­fen.

Die Ame­ri­ka­ner wur­den ver­gan­ge­ne Wo­che da­ran er­in­nert, dass die Fis­kal­po­li­tik nicht im­mer dem Wachs­tum dient, son­dern es mit­un­ter bremst. So hat das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um rück­wir­kend Steu­er­vor­schrif­ten er­las­sen, um Off­s­hore-Zu­sam­men­schlüs­se zu ver­hin­dern. Wie es scheint, will die ei­ne po­li­ti­sche Par­tei nun ei­ne Mau­er ge­gen aus­län­di­sche Un­ter­neh­men hoch­zie­hen, die an­de­re Par­tei ei­ne Mau­er ge­gen die Ab­wan­de­rung von US-Fir­men. Mau­ern und un­ter­stüt­zen­de Fis­kal­po­li­tik pas­sen nicht zu­sam­men.

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