Dia­gnos­tik der Zu­kunft

Finanz und Wirtschaft - - GESUNDHEIT - LW

Ro­che ar­bei­te an der nächs­ten In­stru­men­ten­ge­ne­ra­ti­on für die gen­ba­sier­te Dia­gnos­tik bei Krebs, sag­te CEO Se­ve­rin Schwan vor Kur­zem der «Fi­nanz und Wirt­schaft». Sie soll punk­to Kos­ten und Ge­schwin­dig­keit das Po­ten­zi­al ha­ben, ei­nen neu­en Stan­dard in der Gen­se­quen­zie­rung zu eta­blie­ren.

Schwans Un­ter­fan­gen ist am­bi­tio­niert. Das heu­ti­ge Wis­sen über die gen­mo­le­ku­la­re Be­schaf­fen­heit von Tu­mo­ren ist Fluch und Se­gen zu­gleich: Ak­tu­el­le Se­quen­zie­rungs­me­tho­den ge­ne­rie­ren Un­men­gen an Roh­da­ten, die mög­lichst ver­läss­lich aus­ge­wer­tet wer­den müs­sen. Das Pro­blem ver­sucht Ro­che mit dem Tech­no­lo­gie-Zu­kauf von Foun­da­ti­on Me­di­ci­ne (FM) zu ent­schär­fen. Die Da­ten­ban­ken und Aus­wer­tungs­al­go­rith­men von FM die­nen da­zu, die Roh­da­ten in per­so­na­li­sier­te The­ra­pie­an­sät­ze zu über­set­zen. Doch das ist bis da­to auf­wen­dig, und die Tech­no­lo­gi­en, auch die der Kon­kur­ren­ten, sind noch nicht aus­ge­reift.

Schwie­ri­ge Da­ten­su­che

Ein Grund da­für liegt in der Qua­li­tät der Roh­da­ten: Ak­tu­el­le Se­quen­zie­rungs­me­tho­den le­gen Gen­mu­ta­tio­nen of­fen, von de­nen die Wis­sen­schaft weiss, dass sie für die Tu­mor­bil­dung ver­ant­wort­lich sind. Aber nicht je­de Mu­ta­tio­nen führt zwin­gend zum Krebs­aus­bruch. Gleich­zei­tig gibt es ge­ne­ti­sche Ur­sa­chen für Krebs, die in den Ge­nen zu kei­ner er­kenn­ba­ren Mu­ta­ti­on füh­ren. Die sind laut Ex­per­ten mit ak­tu­el­len Se­quen­zie­rungs­ver­fah­ren nicht er­kenn­bar. Des­halb ist Ro­che ge­for­dert, ei­ne Tech­no­lo­gie zu schaf­fen, die nur die re­le­van­ten Gen­da­ten ent­schlüs­selt und die Da­ten­men­ge so re­du­ziert.

Die­sen Coup wol­len die Bas­ler mit der 2014 er­wor­be­nen Ge­sell­schaft Ge­nia lan­den. Ih­re Tech­no­lo­gie er­mög­licht das, was Ex­per­ten als die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on der Gen­se­quen­zie­rung be­schrei­ben – die DNA-Pro­be nicht mehr che­misch zu ent­zif­fern, son­dern sie in ei­nem phy­si­ka­li­schen Vor­gang durch ei­ne Na­no­po­re zu pres­sen, wo­bei un­ter­schied­li­che Wi­der­stands­dich­ten der DNA-Be­stand­tei­le die Ent­schlüs­se­lung schrei­ben. «Da­mit wol­len wir ei­ne Hard­ware ent­wi­ckeln, die ei­nen hö­he­ren Durch­satz hat, kos­ten­güns­ti­ger ar­bei­tet und da­mit mit dem heu­ti­gen An­ge­bot von Il­lu­mi­na kon­kur­ren­zie­ren kann», sag­te CEO Schwan ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft».

Ro­che kampf­lus­tig

Da­mit sagt Ro­che Il­lu­mi­na den Kampf an. Noch vor drei Jah­ren woll­te Ro­che den Markt­füh­rer der ak­tu­el­len Se­quen­zie­rungs­ge­ne­ra­ti­on über­neh­men, um die be­nö­tig­te In­no­va­ti­on im Dia­gnos­tik­be­reich ein­zu­kau­fen. Die Ak­qui­si­ti­on schei­ter­te am Preis. Aus un­ter­neh­mens­na­hen Krei­sen hiess es öf­ters, man ha­be sich in­tern dar­über ge­är­gert, bei Il­lu­mi­na da­mals nicht mehr für den Zu­schlag ge­bo­ten zu ha­ben. Heu­te ge­be sich Ro­che aber kampf­lus­tig und spre­che be­reits von ei­ner über­hol­ten Tech­no­lo­gie, in die man glück­li­cher­wei­se nicht in­ves­tiert ha­be.

Fakt ist, die Se­quen­zie­rungs­ge­rä­te der Il­lu­mi­na-Ge­ne­ra­ti­on ste­hen heu­te prak­tisch in je­dem For­schungs- und Dia­gnos­ti­k­la­bor. Die Kom­mer­zia­li­sie­rung der Ge­nia-Tech­no­lo­gie liegt noch in wei­ter Zu­kunft. Zu­dem wird sich zei­gen, ob sich Ro­che da­mit am Markt be­haup­ten kann. Un­ter den Kon­kur­ren­ten gibt es Ox­ford Na­no­po­re, die als Be­grün­de­rin der Na­no­po­re-Tech­no­lo­gie gilt und be­reits Ge­rä­te ver­kauft. Die Bri­ten kon­zen­trie­ren sich auch auf Be­darfs­be­rei­che aus­ser­halb der me­di­zi­ni­schen Dia­gnos­tik. Aber an­ge­sichts der ho­hen Nach­fra­ge bei der Krebs­dia­gnos­tik dürf­te Ox­ford Na­no­po­re auch hier ho­he An­stren­gun­gen un­ter­neh­men.

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