Das Wachs­tum ist er­freu­lich, doch der Er­trag muss sich bes­sern

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM -

Der Ka­kao- und Scho­ko­la­de­her­stel­ler Bar­ry Cal­le­baut ist spä­tes­tens seit der Über­nah­me der Ka­kao­s­par­te von Pe­tra Foods ein glo­ba­ler Kon­zern. Im Be­reich in­dus­tri­el­le Pro­duk­te und im Be­reich Gour­met & Spe­zia­li­tä­ten will das Un­ter­neh­men wach­sen. Im ers­ten Halb­jahr ver­ar­bei­te­te Bar­ry Cal­le­baut ein 4,5% hö­he­res Vo­lu­men. Der Markt ging im glei­chen Zei­t­raum 2,6% zu­rück. Schwie­ri­ger prä­sen­tiert sich der­zeit die La­ge im Ka­kao­ge­schäft (vgl. In­ter­view). Dort ist die Pro­fi­ta­bi­li­tät un­be­frie­di­gend. Im ers­ten Se­mes­ter lag der Be­triebs­ge­winn pro Ton­ne in der Spar­te um 50 Fr. Dies auch, weil nach der teu­ren Ak­qui­si­ti­on von Pe­tra Re­struk­tu­rie­run­gen fäl­lig wa­ren. Das Ka­kao­ge­schäft kann ope­ra­tiv 200 Fr. ver­die­nen, ent­spre­chend dem ak­tu­el­len Schnitt im ge­sam­ten Kon­zern.

Die Po­si­ti­on in den Emer­ging Mar­kets will CEO An­toi­ne de Saint-Af­fri­que wei­ter aus­bau­en. Ent­schei­dend ist für ihn nicht kurz­fris­ti­ges Wachs­tum, son­dern die lang­fris­ti­ge Per­spek­ti­ve. Auf Sicht von zwan­zig Jah­ren er­ach­tet er das Po­ten­zi­al von In­di­en, Chi­na, Afri­ka und Latein­ame­ri­ka als enorm. «Wol­len wir dann – gleich wie heu­te – der Welt­markt­füh­rer für Scho­ko­la­de sein, müs­sen wir in den auf­stre­ben­den Märk­ten ei­ne be­stim­men­de Po­si­ti­on ha­ben», gibt er die Mar­sch­rich­tung vor. In Afri­ka pro­fi­tiert Bar­ry Cal­le­baut da­von, dass es als afri­ka­ni­sches Un­ter­neh­men wahr­ge­nom­men wird. Der Kon­ti­nent ist nicht mehr al­lein als Be­zugs­quel­le für die Ka­kao­boh­nen be­deu­tend. Auch als Ab­neh­mer wird die Re­gi­on ge­mäss de Saint-Af­fri­que wich­ti­ger. Süd­afri­ka, Äthio­pi­en und nach ih­rer Trans­for­ma­ti­on die El­fen­bein­küs­te be­zeich­net er als in­ter­es­san­te Ab­satz­märk­te vor al­lem für den Be­reich Gour­met, aber auch für in­dus­tri­el­le Pro­duk­te.

Im In­dus­trie­be­reich baut de Saint-Af­fri­que auch auf den Out­sour­cing-Trend. «Der Ein­druck, dass sich der Trend ver­lang­samt, täuscht», sagt er. In den auf­stre­ben­den Märk­ten pro­du­zie­ren im­mer noch 70% al­ler Scho­ko­la­de­an­bie­ter ih­re Scho­ko­la­de selbst. Auch die gröss­ten fünf An­bie­ter der In­dus­trie stel­len zwi­schen 70 und 80% ih­rer Scho­ko­la­de in­hou­se her. In den letz­ten Wo­chen hat das Un­ter­neh­men zwei lang­fris­ti­ge Lie­fer­ver­trä­ge in Ost­eu­ro­pa un­ter­zeich­net.

Klar ver­bes­sert hat sich Bar­ry Cal­le­baut in den ers­ten sechs Mo­na­ten auch in der Cas­hGe­ne­rie­rung. Die von den In­ves­to­ren bis­her zu Recht kri­ti­sier­ten ho­hen Wer­te von Be­triebs­ka­pi­tal und Net­to­ver­schul­dung konn­ten deut­lich ge­senkt wer­den.

Bar­ry Cal­le­baut will in den nächs­ten drei Jah­ren je­weils ein Ver­kaufs­men­gen­wachs­tum von 4 bis 6% er­rei­chen. Die Ebit-Stei­ge­rung soll in Lo­kal­wäh­run­gen dar­über lie­gen. Im lau­fen­den Jahr ist das aber noch nicht mög­lich. Ein Schub ist 2016/17 zu er­war­ten.

Die ers­ten Zei­chen, dass das Ka­kao­ge­schäft fit ge­trimmt wer­den kann, und der sorg­sa­me Um­gang mit den Be­triebs­mit­teln brach­ten Zu­ver­sicht in den Markt. Die Ak­ti­en no­tie­ren hö­her als An­fang Jahr. Sie sind mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von 26 für 2015/16 nicht günstig, aber his­to­risch durch­schnitt­lich be­wer­tet. Lang­fris­tig ori­en­tier­te An­le­ger kön­nen ein En­ga­ge­ment er­wä­gen, denn das Ge­schäfts­mo­dell stimmt.

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