In­ter­net für den letz­ten Win­kel

Finanz und Wirtschaft - - TECHNOLOGIE/TELECOM -

Sa­tel­li­ten, so­lar­be­trie­be­ne Rie­sen­droh­nen, In­fra­rot­la­ser, bes­se­re Mo­bil­funk­sen­de­mas­ten in Stadt und Land – den In­ge­nieu­ren von Face­book ist schon ei­ni­ges ein­ge­fal­len, um die In­ter­net­ver­sor­gung auf der Welt zu ver­bes­sern. Mehr als 4 Mrd. Men­schen welt­weit ha­ben kei­nen An­schluss ans Netz. Das ent­spricht im­mer­hin 4 Mrd. po­ten­zi­el­len Face­book-Kun­den. « Un­se­re Mis­si­on ist, her­aus­zu­fin­den, wie wir je­den ans In­ter­net an­schlies­sen kön­nen – und wir mei­nen je­den auf die­sem Pla­ne­ten», er­klär­te Ya­el Maguire, Lei­ter des Con­nec­tivi­ty Lab von Face­book, in ei­nem Ge­spräch mit Jour­na­lis­ten.

Von den 4 Mrd. Men­schen oh­ne In­ter­net hat laut Face­book die Hälf­te kein In­ter­es­se, ein Vier­tel kann sich den Zu­gang nicht leis­ten – und den Rest will der In­ter­net­kon­zern ans Netz brin­gen. Seit drei Jah­ren schon lau­tet das Mot­to «Con­nec­ting the World». Das Un­ter­neh­men kann ei­ni­ge, vor al­lem tech­ni­sche Er­fol­ge vor­wei­sen. Es gab aber auch schon ei­ne Men­ge Rück­schlä­ge und Kri­tik. Zu­letzt setz­ten in­di­sche Be­hör­den dem Be­stre­ben von Face­book Gren­zen. Sie ver­bo­ten den Gra­tis­zu­gang zu On­li­ne­diens­ten mit Ver­weis auf die Netz­neu­tra­li­tät, nach der al­le Da­ten gleich be­han­delt wer­den müs­sen. In Kri­tik steht das Face­book-Netz, weil kein of­fe­nes In­ter­net, son­dern ein von dem Un­ter­neh­men re­gu­lier­tes an­ge­bo­ten wird.

«Als wir Face­book auf­bau­ten, ha­ben wir uns auf kon­ven­tio­nel­le Tech­nik ver­las­sen», sagt Jay Pa­rikh, zu­stän­dig für Ent­wick­lun­gen bei Face­book. Die her­kömm­li­che Tech­nik al­lein ver­lang­sa­me mitt­ler­wei­le al­ler­dings das Ge­schäfts­wachs­tum. Des­halb ar­bei­te das Un­ter­neh­men an ei­ge­nen Ide­en, die nächs­te Mil­li­ar­de ans In­ter­net an­zu­schlies­sen. Wich­tig da­bei sei zu­nächst, fest­zu­stel­len, wo die Men­schen oh­ne In­ter­net leb­ten. Face­book hat da­zu ei­ne Bil­der­ken­nungs­soft­ware ent­wi­ckelt, mit der auf Land­kar­ten die Be­völ­ke­rungs­dich­te er­mit­telt wer­den kann.

Um In­ter­net auch an ent­fern­te Fle­cken zu brin­gen, ha­ben die Face­book-In­ge­nieu­re un­ter an­de­rem ei­ne Droh­ne ge­baut, «gross wie ei­ne Bo­eing 747, leicht wie ein Au­to», er­klär­te Maguire. Im Prin­zip hand­le es sich da­bei um ei­nen flie­gen­den Sen­de­mast, der au­to­nom neun­zig Ta­ge in der Luft blei­ben kann. Über La­ser ver­bin­det die­se Droh­ne Sen­der auf dem Land mit dem Netz.

Face­book wol­le da­bei nicht zum In­ter­net­an­bie­ter wer­den, be­ton­ten die bei­den Ma­na­ger. Man wol­le den Tel­cos hel­fen, neue Ide­en zu fin­den, «um die Welt­ge­mein­schaft schnel­ler ans Netz an­zu­schlies­sen».

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