Sie hat den Kampf ums Blut ver­lo­ren

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - ALEX­AN­DER TRENTIN

Mit zwan­zig brach sie ihr Stu­di­um an der Uni­ver­si­tät St­an­ford ab, um die Medizin zu re­vo­lu­tio­nie­ren. Die Idee von Eliz­a­beth Hol­mes be­geis­ter­te die Welt, doch nun ma­chen ihr Be­hör­den ei­nen Strich durch die Rech­nung. Vor über zwölf Jah­ren hat sie ihr Blut­la­bor Ther­a­nos auf­ge­baut. Mit ei­nem Trop­fen Blut aus dem Fin­ger soll die von ihr ent­wi­ckel­te Ma­schi­ne Edi­son vie­le La­bor­ge­rä­te er­set­zen. Man­che Re­sul­ta­te lie­gen in ei­ner Vier­tel­stun­de vor – zu ei­nem Bruch­teil des Prei­ses klas­si­scher La­bor­ver­fah­ren. So kos­tet ei­ne Kom­bi­na­ti­on von Frucht­bar­keits­tests statt meh­re­ren hun­dert nur et­was mehr als 30 $.

Ther­a­nos galt bis vor kur­zem als ei­nes der wich­tigs­ten Start-ups im Me­di­zin­be­reich. Den staat­li­chen Ge­sund­heits­pro­gram­men wur­den Er­spar­nis­se von Hun­der­ten Mil­li­ar­den Dol­lar ver­spro­chen. Fast 1 Mio. Tests soll das in Pa­lo Al­to, Ka­li­for­ni­en, an­säs­si­ge Un­ter­neh­men schon durch­ge­führt ha­ben. 2014 hat Hol­mes ei­nen An­teil für 400 Mio. $ ver­kauft – dar­aus liess sich ein Fir­men­wert von 9 Mrd. $ ab­lei­ten. Hol­mes hält nun noch die Hälf­te der An­tei­le von Ther­a­nos. Im Al­ter von dreis­sig Jah­ren wur­de sie da­mit die jüngs­te Self­made-Mil­li­ar­dä­rin der Welt. Doch seit Herbst letz­ten Jah­res ist die 32-Jäh­ri­ge bei ih­rem Kampf ums Blut in der De­fen­si­ve. Im Ok­to­ber hat das «Wall Street Jour­nal» auf­ge­deckt, dass vie­le Tes­t­er­geb­nis­se un­zu­ver­läs­sig sei­en. Und Edi­son ist wohl eher ein Mar­ke­ting­in­stru­ment als ei­ne Wun­der­ma­schi­ne. Denn von über 200 Tests sol­len nur fünf­zehn über das Ge­rät lau­fen. Statt ei­nem Bör­sen­gang steht Hol­mes nun ein Be­rufs­ver­bot für die nächs­ten zwei Jah­re be­vor. Das hat ihr der US-La­bor­re­gu­lie­rer CMS an­ge­droht, wie die­se Wo­che be­kannt ge­wor­den ist.

Die Be­hör­de wirft Ther­a­nos über vier­zig Miss­stän­de vor. Kon­troll­un­ter­su­chun­gen ha­ben er­ge­ben, dass fast ein Drit­tel al­ler Te­st­re­sul­ta­te zu un­ge­nau ge­we­sen sei – sie ha­ben die vom Un­ter­neh­men selbst vor­ge­ge­be­nen Höchst­gren­zen für Ab­wei­chun­gen vom tat­säch­li­chen Wert ver­letzt. Be­son­ders bri­sant: Ein Test zur Blut­ge­rin­nung kann zur fal­schen Ver­schrei­bung von Me­di­ka­men­ten füh­ren, was po­ten­zi­ell den Tod zur Fol­ge ha­ben könn­te. Das Le­bens­werk von Hol­mes steht kurz vor dem Zu­sam­men­bruch. Ge­gen­über ei­nem Ma­ga­zin hat­te sie ein­mal er­klärt, in ih­ren Zwan­zi­gern kei­nen Ur­laub ge­nom­men, sich auf kei­ne Be­zie­hung ein­ge­las­sen zu ha­ben – al­les wur­de ih­rer fi­xen Idee von schnel­len und güns­ti­gen Blut­tests un­ter­ge­ord­net. Re­gel­mäs­sig wur­de sie mit Ste­ve Jobs ver­gli­chen. Mit ihm teilt sie auch die Vor­lie­be für schwar­ze Roll­kra­gen­pull­over.

Hol­mes wur­de in Wa­shing­ton D.C. in ei­ne wohl­ha­ben­de Fa­mi­lie ge­bo­ren, auf­ge­wach­sen ist sie im te­xa­ni­schen Hous­ton. Als Kind lern­te sie flies­send Chi­ne­sisch und zeig­te sich früh an Wis­sen­schaft in­ter­es­siert. Aber sie war auch ge­schäfts­tüch­tig. Als ih­re Fa­mi­lie nach Chi­na zog, ver­kauf­te sie noch als Schü­le­rin – nach ei­ge­nen An­ga­ben – Soft­ware an dor­ti­ge Uni­ver­si­tä­ten.

In ei­nem Vor­trag er­klär­te sie, das Krebs­lei­den ih­res On­kels sei ei­ne wich­ti­ge Mo­ti­va­ti­on für Ther­a­nos ge­we­sen. Ein frü­her Blut­test hät­te ihn ret­ten kön­nen. Auch wenn sie den Kampf ums Blut vor­erst ver­liert – ih­re Idee wird sie trotz Be­rufs­ver­bot wohl wei­ter­trei­ben.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.