Ak­ti­en auf Jah­res­hoch

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - JAN BOPP,

Wach­sen­de Kon­junk­tur­zu­ver­sicht sorgt für po­si­ti­ve Stim­mung.

Es war ei­ne er­eig­nis­rei­che Wo­che. Zu Be­ginn er­öff­ne­te Al­coa tra­di­tio­nell die US-Be­richts­sai­son. Der Alu­mi­ni­um­kon­zern gilt als Grad­mes­ser für die Kon­junk­tur und fin­det gros­se Be­ach­tung. Gu­te Lau­ne ver­brei­te­te das Un­ter­neh­men mit sei­nen Zah­len al­ler­dings nicht: Die rück­läu­fi­ge Bau­tä­tig­keit in Asi­en, vor al­lem in Chi­na hat Um­satz und Ge­winn von Al­coa in den ers­ten drei Mo­na­ten deut­lich ge­drückt.

Ein ähn­lich pes­si­mis­ti­sches Bild hin­sicht­lich der glo­ba­len Kon­junk­tur­aus­sich­ten prä­sen­tier­te der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds. Am Di­ens­tag pass­te der IWF sei­ne Wachs­tums­pro­gno­sen ein­mal mehr nach un­ten an – be­reits zum zwei­ten Mal in­ner­halb we­ni­ger Mo­na­te!

Hoff­nungs­schim­mer

An­ge­sichts der kon­junk­tu­rel­len Schwä­chen in Chi­na, ei­nes un­si­che­ren Aus­gangs des Br­ex­it-Re­fe­ren­dums am 23. Ju­ni und der un­ge­lös­ten Flücht­lings­kri­se in Eu­ro­pa zeig­te sich der IWF sehr be­sorgt über die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung.

Die Ri­si­ko­freu­de der An­le­ger wur­de da­von al­ler­dings nicht ge­trübt. Zwar wa­ren si­che­re Hä­fen An­fang der Wo­che in die­ser Ge­men­ge­la­ge sehr ge­fragt – zehn­jäh­ri­ge deut­sche Bun­des­an­lei­hen han­del­ten na­he ih­res All­zeit­tiefs –, doch zeig­ten sich die Ak­ti­en­märk­te selbst vor dem Hin­ter­grund äus­serst pes­si­mis­ti­scher IWF-Pro­gno­sen und eher durch­wach­se­ner Kon­junk­tur­da­ten zu Wo­chen­be­ginn äus­serst ro­bust.

Mehr noch! Zum Wo­chen­aus­klang eta­blier­te sich der deut­sche Leit­in­dex Dax wie­der ober­halb der wich­ti­gen Mar­ke von 10 000. Auch der SMI kämpft mit der 8000erMar­ke. Der MSCI World In­dex no­tiert so­gar auf dem höchs­ten Stand in die­sem Jahr. Aus­schlag­ge­bend für die gu­te Stim­mung am Ak­ti­en­markt wa­ren über­ra­schend star­ke Kon­junk­tur­da­ten aus Chi­na, deut­lich hö­he­re Roh­öl­prei­se und ein schwä­che­rer Eu­ro.

Chi­nas Aus­sen­han­del hat sich im März nach ei­nem schwa­chen Jah­res­auf­takt deut­lich be­lebt. So sind die Ex­por­te im Jah­res­ver­gleich um 11,5% ge­stie­gen – nach ei­nem Rück­gang um 25,4% im Vor­mo­nat ein er­mu­ti­gen­des Zei­chen. Auch die In­dus­trie­pro­duk­ti­on prä­sen­tier­te sich mit ei­nem An­stieg von 6,8% zum Vor­jahr sehr so­li­de. Die zweit­gröss­te Volks­wirt­schaft der Welt ex­pan­dier­te da­mit ge­gen­über dem Vor­jah­res­quar­tal um 6,7% – wie er­war­tet. Dass die jüngs­te Er­ho­lung vor al­lem von stark wach­sen­der Kre­dit­ver­ga­be ge­trie­ben ist, setzt den­noch hin­ter die Nach­hal­tig­keit ei­ner er­freu­li­chen Kon­junk­tur­ent­wick­lung ein gros­ses Fra­ge­zei­chen.

Rü­cken­wind vom Öl

Deut­lich ge­stie­ge­ne Roh­öl­no­tie­run­gen sorg­ten für Rü­cken­wind an den Ak­ti­en­märk­ten. Der Öl­preis eta­blier­te sich in die­ser Wo­che ober­halb der wich­ti­gen Mar­ke von 40 $/Fass. In der Spit­ze klet­ter­te die Sor­te WTI bis auf 42,42 $. Das ist ein An­stieg von mehr als 60% seit dem Jah­res­tief Mit­te Fe­bru­ar. Die ak­tu­el­len No­tie­run­gen spie­geln al­ler­dings auch gros­se Hoff­nung auf ei­ne Ei­ni­gung in Do­ha an die­sem Sonn­tag wi­der.

Dann näm­lich tref­fen sich die wich­tigs­ten Öl­för­der­län­der, um über ei­ne Sen­kung der För­der­quo­ten zu be­ra­ten. Ob es letzt­lich zu ei­ner Ei­ni­gung kommt, ist schwer ab­zu­schät­zen. Soll­ten sich die Län­der je­doch nicht ei­ni­gen kön­nen, be­steht zu­min­dest kurz­fris­tig er­heb­li­ches Rück­schlags­po­ten­zi­al; so­wohl bei Ak­ti­en als auch beim Öl­preis.

Wenn­gleich das ne­ga­ti­ve Über­ra­schungs­po­ten­zi­al – ge­mes­sen an den Ci­ti-Sur­pri­se-In­di­zes – in den ver­gan­ge­nen Wo­chen deut­lich ge­sun­ken ist, bleibt das Um­feld fra­gil. Schlag­zei­len über er­geb­nis­lo­se Ver­hand­lun­gen zwi­schen Grie­chen­land und sei­nen Gläu­bi­gern häu­fen sich (im Ju­li ste­hen grös­se­re Rück­zah­lun­gen an). In Ita­li­en schei­nen die Re­for­men in jüngs­ter Zeit an Schwung ver­lo­ren zu ha­ben. Und die Un­si­cher­heit be­züg­lich des Aus­gangs des EU-Re­fe­ren­dums in Gross­bri­tan­ni­en hängt wie ein Da­mokles­schwert über der Eu­ro­päi­schen Uni­on. Vor al­lem die Ge­fahr ei­nes Br­ex­it scheint ak­tu­ell le­dig­lich als Ran­d­ri­si­ko an den Fi­nanz­märk­ten ein­ge­preist zu sein. Grün­de ge­nug, um die jüngs­ten Kurs­an­stie­ge mit Vor­sicht zu be­glei­ten.

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