Letz­te Ru­he

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

In den frü­hen Fünf­zi­ger­jah­ren liess sich ein west­afri­ka­ni­sches Stam­mes­ober­haupt ei­ne Sänf­te zim­mern, in Form ei­ner Ka­kao­s­cho­te. Doch der Dorf­chef ver­schied, kaum dass die Lie­fe­rung ein­ge­trof­fen war. So kam es, dass ihn die trau­ern­den Sei­nen kur­zer­hand – und stan­des­ge­mäss – in der selt­sa­men

Tra­ge be­stat­te­ten. Das mach­te in der da­ma­li­gen bri­ti­schen Ko­lo­nie Gold Co­ast, ab 1957 un­ter dem Na­men Gha­na un­ab­hän­gig, mäch­tig Schu­le. In Tes­hie, ei­nem Vo­r­ort der Haupt­stadt Ac­cra, blüht das Ge­schäft mit bun­ten Fan­ta­sie-Sär­gen. Hier zum Bei­spiel lässt sich je­mand in ei­nem Fisch zur letz­ten Ru­he bet­ten; es kann aber auch ein höl­zer­nes Au­to, Flug­zeug, Boot, ein Mais­kol­ben, Lö­we, Vo­gel, ei­ne Schild­krö­te, Bier­do­se, Zi­ga­ret­te etc. sein. Die Gha­na­er sind zwar gross- teils Chris­ten, doch der al­te Glau­be, dass es «drü­ben» un­ge­fähr so wei­ter­geht wie hi­nie­den und dass die Ver­bli­che­nen Macht ha­ben über die Le­ben­den, wur­zelt tief. Al­so be­mü­hen sich die Nach­kom­men um die Gunst der Vor­fah­ren, in­dem sie Schrei­ne in mög­lichst kon­ge­nia­lem Su­jet bestellen. Ob die gha­nai­schen Sär­ge im Jen­seits für Auf­se­hen sor­gen, wis­sen wir zu Leb­zei­ten nicht. Im Dies­seits tun sie das ge­wiss, als Kun­st­ob­jek­te in west­li­chen Mu­se­en und Ga­le­ri­en.

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