Schwie­ri­ger Ba­lan­ce­akt

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE -

Kla­re, trans­pa­ren­te Bi­lan­zie­rungs­re­geln ge­ben An­le­gern die Mög­lich­keit, die Er­trags- und Fi­nanz­la­ge ei­nes Un­ter­neh­mens ge­nau­er zu be­ur­tei­len und Qu­er­ver­glei­che an­zu­stel­len. Nach wel­chem Rech­nungs­le­gungs­stan­dard ei­ne ko­tier­te Ge­sell­schaft be­rich­tet, hängt vom Do­mi­zil re­spek­ti­ve vom ge­wähl­ten Bör­sen­seg­ment ab. In den Ver­ei­nig­ten Staa­ten stellt US-GAAP das do­mi­nan­te Re­gel­werk dar, wäh­rend gros­se Kon­zer­ne in Eu­ro­pa und der Schweiz meist nach IFRS (In­ter­na­tio­nal Fi­nan­ci­al Re­porting Stan­dards) bi­lan­zie­ren.

Dass je­des Un­ter­neh­men ein­heit­li­che Stan­dards be­fol­gen muss, hat al­ler­dings auch Nach­tei­le. Denn wo­mög­lich wird dem sek­tor­spe­zi­fi­schen Ge­schäfts­cha­rak­ter zu we­nig Rech­nung ge­tra­gen. Des­halb wird ge­mein­hin an­er­kannt, dass zu­sätz­li­che NonGAAP-Kenn­zah­len (auch Pro-for­ma-Kenn­zah­len oder ad­jus­tier­te Kenn­zah­len ge­nannt) durch­aus nütz­lich sein kön­nen – so­fern sie denn klar in Be­zug zu den ef­fek­ti­ven, «wah­ren» Er­geb­nis­sen ge­stellt wer­den.

Häu­fig kom­men Ad­jus­tie­run­gen bei nicht wie­der­keh­ren­den Son­der­ef­fek­ten zum Ein­satz: Ist ei­ne Wert­be­rich­ti­gung tat­säch­lich ein­ma­lig, mach­te es durch­aus Sinn, die­se aus­zu­klam­mern. Ge­ra­de die­ses Vor­ge­hen birgt al­ler­dings auch Stol­per­fal­len. Denn was ein Son­der­ef­fekt ge­nau ist und wo die Gren­ze zwi­schen «ein­ma­lig» und «wie­der­keh­rend» ge­zo­gen wird, ist nir­gends de­fi­niert – und liegt im frei­en Er­mes­sen des Un­ter­neh­mens. Der krea­ti­ven Buch­hal­tung wird da­mit Tür und Tor ge­öff­net.

Kri­tisch ist et­wa Pe­ter Leib­fried, Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät St. Gal­len: «Re­struk­tu­rie­run­gen, Wech­sel­kurs­schwan­kun­gen oder aus­ser­plan­mäs­si­ge Ab­schrei­bun­gen sind ei­gent­lich gar nichts Be­son­de­res.» Da­mit fal­le auch die Be­rech­ti­gung zur Ber­ei­ni­gung weg. Ein ak­tu­el­les Bei­spiel lie­fert der ka­na­di­sche Phar­ma­kon­zern Va­leant, des­sen ho­he Ak­qui­si­ti­ons­ak­ti­vi­tät prak­tisch zum Ge­schäfts­mo­dell ge­hört – und der sich nun we­gen sei­ner Bi­lanz­prak­ti­ken ei­ner SEC-Un­ter­su­chung aus­ge­setzt sieht.

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