«Geld­po­li­tik muss den Kol­laps ver­hin­dern»

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - IN­TER­VIEW: PHIL­IP­PE BÉGUELIN

da­für wür­de ich auf 20% be­zif­fern. Das ist nicht mein Haupt­sze­na­rio, son­dern ein Ex­trem­ri­si­ko, ein Tail Risk, über das man sich Ge­dan­ken ma­chen muss. Al­ler­dings will die Re­gie­rung das Wachs­tum auf 6,5% hal­ten – das ist über dem Po­ten­zi­al. Die ein­zi­ge Mög­lich­keit, dies zu er­rei­chen, sind mehr schlech­te In­vest­ments, mehr Über­ka­pa­zi­tät und hö­he­re Schul­den. Das wird letzt­lich zu Pro­ble­men füh­ren. er­folg­reich – und Eu­ro­pa und Deutsch­land ha­ben Ge­duld mit ihm. Oder Ita­li­en könn­te den Zu­gang zum Ka­pi­tal­markt ver­lie­ren und die Eu­ro­zo­ne ver­las­sen. Falls Ita­li­en geht, be­deu­tet dies das En­de der Eu­ro­zo­ne. Was in den kom­men­den sechs Mo­na­ten in Ita­li­en ge­schieht, ist ent­schei­dend da­für, ob die Eu­ro­zo­ne über­lebt oder dem Un­ter­gang ge­weiht ist. Wenn an­de­re Zen­tral­ban­ken lo­ckern, muss die SNB mehr lo­ckern. Falls Gross­bri­tan­ni­en aus der EU aus­tritt, wird der Fran­ken als si­che­rer Ha­fen ge­fragt sein. Für die SNB be­deu­tet ei­ne wei­te­re Lo­cke­rung ei­ne Kom­bi­na­ti­on aus mehr In­ter­ven­tio­nen am De­vi­sen­markt, noch tie­fe­ren Ne­ga­tiv­zin­sen und klei­ne­ren vom Ne­ga­tiv­zins aus­ge­nom­me­nen Frei­be­trä­gen für die Banken. Die Spar­ein­la­gen muss man nicht be­steu­ern, der Zins al­so nicht ne­ga­tiv sein. Man muss die Banken dar­an hin­dern, Über­schuss­re­ser­ven in Bar­geld zu wech­seln, denn da­mit könn­ten sie dem Ne­ga­tiv­zins aus­wei­chen. die Schweiz ih­re Ein­stel­lung zur Fis­kal­po­li­tik mög­li­cher­wei­se über­den­ken. Nach sie­ben Jah­ren Re­fla­ti­on, in de­nen die Zen­tral­ban­ken die Ver­mö­gen­s­prei­se in die Hö­he ge­trie­ben ha­ben, gibt es kei­ne of­fen­sicht­lich güns­ti­ge An­la­ge­klas­se mehr. Ak­ti­en sind hoch be­wer­tet, mehr noch in den USA als in Eu­ro­pa und Ja­pan – auch wenn ich dies nicht als Bla­se be­zeich­ne. Ich wür­de we­gen des Ri­si­kos von Markt­kor­rek­tu­ren emp­feh­len, mehr Bar­geld zu hal­ten als sonst üb­lich. Ich kau­fe hin­ge­gen kein Gold, denn sein Auf­wärts-

«Was in den nächs­ten Mo­na­ten in Ita­li­en ge­schieht, ist ent­schei­dend für das Über­le­ben der Eu­ro­zo­ne.» «Der­zeit sind US-Staats­an­lei­hen ei­ne gu­te An­la­ge. Die Ren­di­ten könn­ten so­gar fal­len und die Kur­se stei­gen.»

po­ten­zi­al ist li­mi­tiert, aus­ser, es gibt glo­ba­le In­fla­ti­on oder ei­ne welt­wei­te Fi­nanz­kri­se. Der­zeit sind zehn­jäh­ri­ge US-Staats­an­lei­hen ei­ne gu­te An­la­ge. Die Be­wer­tung ist in Ord­nung, und die Ren­di­ten könn­ten so­gar noch fal­len und da­mit die Kur­se stei­gen – wenn auch nur, weil die Zen­tral­ban­ken in Ja­pan und Eu­ro­pa ih­re Geld­po­li­tik noch mehr lo­ckern.

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