Pa­ra­dig­men­wech­sel

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Der 29. Ja­nu­ar 2016 wird in die Ge­schich­te ein­ge­hen. An die­sem Tag führ­te die Bank of Ja­pan Ne­ga­tiv­zin­sen ein. His­to­risch da­bei war nicht die­se Ak­ti­on per se, son­dern die Re­ak­ti­on der Fi­nanz­märk­te dar­auf: Der Yen stieg, die Ak­ti­en­märk­te er­lit­ten deut­li­che Ver­lus­te.

Das war ein Bruch in ei­nem zu­vor ver­läss­li­chen Mus­ter. Je­des Mal, seit die ame­ri­ka­ni­sche Notenbank im No­vem­ber 2008 mit un­kon­ven­tio­nel­len geld­po­li­ti­schen Me­tho­den zu ex­pe­ri­men­tie­ren be­gon­nen hat­te, hat­ten die Fi­nanz­märk­te in gera­de­zu paw­low­scher Ma­nier auf ei­ne Aus­wei­tung der Mass­nah­men re­agiert: Die hei­mi­sche Wäh­rung wer­te­te sich ab, die Ak­ti­en­kur­se stie­gen.

Jetzt gilt das nicht mehr. Seit der Über­ra­schung aus Tokio hat sich das Bild schon zwei Mal wie­der­holt: Als die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank im März und Schwe­dens Riks­bank im April ih­re un­kon­ven­tio­nel­le Geld­po­li­tik aus­wei­te­te, re­agier­ten die Fi­nanz­märk­te mit ei­nem Er­star­ken des Eu­ros re­spek­ti­ve der Kro­ne. Ei­ne mög­li­che Er­klä­rung für die­sen Pa­ra­dig­men­wech­sel: Die Märk­te be­gin­nen, ihr Ver­trau­en in die All­macht der Zen­tral­ban­ken und die Wirk­sam­keit ih­rer Po­li­tik zu ver­lie­ren. Was, wenn die US-Notenbank an­ge­sichts der schwä­cheln­den hei­mi­schen Wirt­schaft be­schlies­sen soll­te, ih­ren Zins­er­hö­hungs­zy­klus ab­zu­bre­chen? Wer­den die Märk­te das po­si­tiv oder ne­ga­tiv auf­neh­men? Wir wer­den se­hen.

Die Zen­tral­ban­ken ha­ben zwei Op­tio­nen, um auf die schwin­den­de Wir­kung ih­rer Po­li­tik zu re­agie­ren: Sie kön­nen ihr Ex­pe­ri­ment ab­bre­chen und ein­ge­ste­hen, dass sie auf dem Holz­weg wa­ren. Oder sie kön­nen zu noch ex­tre­me­ren In­stru­men­ten – zum Bei­spiel He­li­ko­pter­geld – grei­fen. Die Wahr­schein­lich­keit ist gross, dass sie die zwei­te Op­ti­on wäh­len wer­den.

Chef­re­dak­tor zum The­ma No­ten­bank­po­li­tik

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