Das Wich­tigs­te

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN -

Der Un­ter­schied ist auf den ers­ten Blick schon rein quan­ti­ta­tiv of­fen­sicht­lich: Sechs Sei­ten be­an­sprucht der Bericht statt wie üb­lich ei­ne bis zwei. Qua­li­ta­tiv sind im Fall Leon­teq auf je ei­ner gan­zen Sei­te drei Sach­ver­hal­te – Key Au­dit Mat­ters oder KAM – be­spro­chen: Ein­mal geht es um die Be­wer­tung der zum fai­ren Wert ge­hal­te­nen kom­ple­xen Fi­nanz­pro­duk­te («Va­lua­ti­on of com­plex fi­nan­ci­al in­stru­ments held at fair va­lue»). Ein zwei­ter «be­deut­sa­mer Sach­ver­halt» be­trifft die Er­fas­sung der Ge­büh­ren­ein­nah­men («Re­co­gni­ti­on of fee in­co­me»), und als Drit­tes wird das IT-Sys­tem für das Port­fo­lio- und Ri­si­ko­ma­nage­ment («Port­fo­lio and risk ma­nage­ment sys­tem») ge­nannt. Der Bericht führt je­weils auf, war­um die­se The­men als KAM iden­ti­fi­ziert und pu­bli­ziert wur­den, und er­klärt, war­um der Re­vi­sor zum Schluss kommt, dass das Un­ter­neh­men den je­wei­li­gen Sach­ver­halt im Griff hat. Der heu­ti­ge Re­vi­si­ons­be­richt ist stan­dar­di­siert und we­nig aus­sa­ge­kräf­tig. Der künf­ti­ge Re­vi­si­ons­be­richt ent­hält Hin­wei­se auf drei bis fünf be­deut­sa­me Sach­ver­hal­te («Key Au­dit Mat­ters», KAM), die mit dem Un­ter­neh­men in­ten­si­ver dis­ku­tiert wor­den sind. KAM kön­nen Be­wer­tun­gen, Um­sat­z­er­fas­sung oder IT-Sys­te­me be­tref­fen.

Für die Un­ter­neh­mens­füh­rung wird ein ge­wis­ser Mehr­auf­wand ent­ste­hen. Die Füh­rungs­kräf­te müs­sen wäh­rend der Ge­sprä­che mit den Re­vi­so­ren mehr Zeit in­ves­tie­ren. Sie wer­den sehr dar­auf ach­ten wol­len, wel­che we­sent­li­chen Sach­ver­hal­te in wel­cher Form im Bericht auf­ge­führt wer­den. Zum Auf­wand meint Je­ger, die ei­gent­li­chen Au­dit-Kos­ten wür­den nicht stei­gen, denn die Prü­fung und die Dis­kus­sio­nen ha­be es in­tern ja schon frü­her ge­ge­ben. Der Dia­log in­tern und ex­tern wer­de aber wohl in­ten­si­ver.

Kein Wun­der­mit­tel

Dem In­ves­tor bie­tet der neue Re­vi­si­ons­be­richt ei­ne Hil­fe­stel­lung. Er kann bes­ser er­ken­nen, wo aus Sicht des Re­vi­sors Knack­punk­te lie­gen. Die­ser An­sicht ist auch Chris­to­phe Vo­lon­té vom Stimm­rechts­be­ra­ter zRa­ting. «Es ist si­cher­lich wert­voll, wenn die Beur­tei­lung der Re­vi­si­ons­stel­le über die Be­stä­ti­gung hin­aus­geht, dass die Jah­res­rech­nung den Stan­dards der Rech­nungs­le­gung und dem Ge­setz ent­spricht», sagt Vo­lon­té der FuW.

«Die Ge­schäfts­be­rich­te sind teil­wei­se so um­fas­send, dass man ger­ne zeit­nah die in­ter­es­san­ten Stel­len vor­fin­det. Durch die Nen­nung kann auch ei­ne wert­vol­le Aus­ein­an­der­set­zung mit den Un­ter­neh­mens­ri­si­ken an­ge­stos­sen wer­den», führt Vo­lon­té aus. Zu be­den­ken sei, dass der Markt Un­ter­neh­mens­wert, Chan­cen und Ri­si­ken per­ma­nent be­ur­tei­le. In­so­fern sei­en die­se In­for­ma­tio­nen, die «nur» jähr­lich pu­bli­ziert wer­den, aber auch nicht zu über­schät­zen, schränkt er ein.

Sei­ne ei­ge­ne Mei­nung über die Qua­li­tät der Jah­res­rech­nung und des Un­ter­neh­mens muss – oder darf – sich der In­ves­tor aber trotz­dem im­mer noch selbst bil­den.

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