Aus­ver­kauf

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - KLAUS J. STÖHLKER, HEL­MUT HIRTZ,

Wer die Swis­sair hat un­ter­ge­hen las­sen, bleibt wei­ter­hin ein Staats­ge­heim­nis. Die Deut­sche Luft­han­sa, die sich in der Schweiz jetzt Swiss nennt, hat je­den­falls kei­nen Grund, dies zu be­dau­ern. Sie hat aus der Swiss ei­nen Gold­esel ge­macht. Jetzt er­le­ben wir den Un­ter­gang der bei­den Schwei­zer Ener­gie­kon­zer­ne Al­piq und Ax­po, die ih­re Was­ser­kraft­wer­ke, einst «blau­es Gold» ge­nannt, an die Chi­ne­sen oder die Steu­er­zah­ler der Kan­to­ne ab­tre­ten wol­len. Dass Al­pi­qs Un­ter­neh­mens­lei­tung den Kon­zern durch ei­ne über­ris­se­ne Ex­pan­si­on in Eu­ro­pa erst in die Ka­ta­stro­phe führ­te, wird ger­ne ver­ges­sen. Und Heinz Kar­rer als Ax­po-Prä­si­dent hat sich kei­ne Lor­bee­ren ge­holt.

Der Aus­ver­kauf der Hei­mat und der de­mo­kra­ti­schen Volks­rech­te geht wei­ter: Chi­ne­sen sind die Ei­gen­tü­mer be­reits über ei­ner Hun­dert­schaft Schwei­zer Fir­men, die 120 gröss­ten Schwei­zer Kon­zer­ne sind un­ter aus­län­di­scher Kon­trol­le. Al­lein an US-ame­ri­ka­ni­sche Ak­tio­nä­re in der Schweiz wer­den jähr­lich über 40 Mrd. Fr. an Di­vi­den­den und an­de­ren Zah­lun­gen ab­ge­führt. Das Schwei­zer Fern­se­hen hat ei­nen Markt­an­teil von un­ter 30%; aus­län­di­sche Sen­der be­stim­men mit Kri­mis und Un­ter­hal­tung un­ser kul­tu­rel­les Ni­veau. Die Fi­fa hat zwar ei­nen neu­en Prä­si­den­ten, aber ihr Haupt­sitz in Zü­rich ist von US-An­wäl­ten be­setzt.

Die Glo­ba­li­sie­rung ist im Be­griff, die Igel-Schweiz des 20. Jahr­hun­derts, wo man sich nach aussen wehr­haft gab, zu zer­stö­ren. Wo die Al­ten noch spar­ten und Ver­mö­gen auf­bau­ten, wo Schwei­zer Ma­na­ger noch die bes­ten der Welt wa­ren, tut sich heu­te ei­ne Lü­cke auf, die je­des Jahr grös­ser wird. Wer sich zur Hei­mat be­kennt, gilt in den ur­ba­nen Zen­tren un­se­res Lan­des als hoff­nungs­los «out». Jetzt setzt die Flucht der klügs­ten Jun­gen in die di­gi­ta­le Welt, in die Hoch­schu­len und die Kon­zer­ne der A-Schweiz ein. Wer zu­rück­bleibt, ver­liert. ein­fa­che Wei­se zu voll­zie­hen. An­lass für die Kün­di­gung und Schlies­sung der Ak­ti­en­de­pots in der Schweiz wa­ren die Ein­füh­rung der US-ame­ri­ka­ni­schen FatcaGe­setz­ge­bung (For­eign Ac­count Tax Com­p­li­an­ce Act) so­wie die zu­neh­mend kom­ple­xer wer­den­de Re­gu­lie­rungs­dich­te, die auch auf die Wert­schrif­ten­de­pots An­wen­dung fin­den. Es ist be­mer­kens­wert, dass die USA mit De­la­ware selbst ei­ne Steu­er­oa­se ha­ben.

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