Mo­ti­va­tor aus dem Mo­de­fach

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - WOLF­GANG GAM­MA

«Ein Wa­ren­haus ist ein Un­ter­hal­tungs­un­ter­neh­men, nicht ein Ein­kaufs­ort», sagt Fran­co Sa­va­s­ta­no, seit April 2012 CEO von Jel­mo­li. «Al­le Sin­ne der Kun­din und des Kun­den müs­sen be­rührt wer­den, wenn ein Wa­ren­haus Er­folg ha­ben soll», ist der 50-Jäh­ri­ge über­zeugt. Die Zei­ten, hin­ter der Ver­kaufs­the­ke auf Kund­schaft zu war­ten, sei­en de­fi­ni­tiv vor­bei. Ent­schei­dend sei es, die Kun­din­nen und Kun­den emo­tio­nal ab­zu­ho­len. Sa­va­s­ta­no ver­sucht dies mit spe­zi­el­len An­läs­sen und ei­nem aus­ge­klü­gel­ten Kon­zept von selbst be­wirt­schaf­te­ten Flä­chen und aus­ge­such­ten Shop-in-Shop-Part­ner­schaf­ten.

Täg­lich kom­men 18 000 Kun­den in das Hou­se of Brands na­he der Bahn­hof­stras­se in Zü­rich. Das sind rund 6 Mio. pro Jahr, die über 33 000 m² Flä­che fla­nie­ren. «Un­ser Hou­se of Brands hat die gan­ze Bahn­hof­stras­se in ei­nem Haus ver­eint», schwärmt Sa­va­s­ta­no. Statt vir­tu­ell könn­ten die Kun­den bei Jel­mo­li echt durch ei­ne viel­fäl­ti­ge Land­schaft mit fast 1500 Mar­ken sur­fen. Neu kommt dem­nächst die gröss­te Schuh­welt der Schweiz mit 1300 m² Flä­che da­zu. Die Schuh­hoch­bur­gen Mai­land und New York rü­cken mit dem er­wei­ter­ten An­ge­bot den Zürchern nä­her. In den vier Jah­ren an der Spit­ze des Tra­di­ti­ons­hau­ses Jel­mo­li hat Sa­va­s­ta­no des­sen Pro­fil ge­schärft. Das ge­lang ihm auch, in­dem er die fast 1000 Mit­ar­bei­ten­den re­gel­mäs­sig zu in­ter­nen Wei­ter­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen auf­bot. «Der Kun­de muss mo­ti­vier­tes Fach­per­so­nal vor­fin­den», sagt Sa­va­s­ta­no. «Nur so kön­nen wir ei­nen Ser­vice bie­ten, mit dem wir uns von der Kon­kur­renz ab­he­ben.» Der Hob­by­läu­fer aus dem Säu­li­amt ver­weist da­bei auf die in­di­vi­du­el­le Be­treu­ung in der Lauf­schuh­ab­tei­lung.

2015 war ein schwie­ri­ges Jahr, aber Jel­mo­li hat sich gut ge­hal­ten. Trotz Fran­ken­schock und On­li­ne-Kon­kur­renz schrieb das Wa­ren­haus ope­ra­tiv Schwarz, dank dem, dass Kos­ten re­du­ziert wur­den. Mit dem in­ter­na­tio­na­len Kon­zept funk­tio­niert Jel­mo­li auch als Stand alo­ne, ist Sa­va­s­ta­no über­zeugt. Sein Vor­bild ist das Lon­do­ner Wa­ren­haus Sel­fri­dges. Ei­ne Pri­se Har­rods, eben­falls in der bri­ti­schen Me­tro­po­le, ge­hört für ihn zum Er­folgs­re­zept da­zu. Der Mo­de­fach­mann ar­bei­te­te zu­vor für Brun­schwig & Cie (Grie­der). Dort war er zu­letzt als Mit­glied der Ge­schäfts­lei­tung ver­ant­wort­lich für die Grie­derLä­den in der Deutsch­schweiz. In den lan­gen Jah­ren als Ein­kaufs­chef konn­te er auf die Mo­de­kennt­nis­se ver­trau­en, die er bei Ar­beit­ge­bern wie St­rell­son und Tom­my Hil­fi­ger er­wor­ben hat­te.

Ein Rund­gang mit Sa­va­s­ta­no durch «sein» Haus zeigt, dass sei­ne Ar­beit und sein Charme gut an­kom­men. Ob an der Kä­se­the­ke oder in der Her­ren­ab­tei­lung, Zeit für ein paar Wor­te hat er im­mer. Wohl fühlt sich der Ge­schäfts­lei­ter mit ita­lie­ni­schen Wur­zeln auch un­ter dem Dach der Im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaft Swiss Pri­me Si­te. Dort ist das Wa­ren­haus in­zwi­schen ein­zi­ger Be­stand­teil des Seg­ments Re­tail. Den­noch fühlt sich Sa­va­s­ta­no bei SPS nicht als Exot. Er schätzt den Aus­tausch mit dem Ma­nage­ment und die sta­bi­le Er­trags­kraft der Grup­pe. Ein Ver­kauf von Jel­mo­li mit ei­nem Im­mo­bi­li­en­wert von über 700 Mio. Fr. ist kein The­ma. Die­se Si­cher­heit hilft Sa­va­s­ta­no in der Um­set­zung sei­ner Ide­en, mit de­nen er noch mehr Men­schen in das Wa­ren­haus lo­cken möch­te.

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