An­la­ge­ri­si­ken

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - RO­LAND HEN­GART­NER,

Ri­si­ko rea­li­siert sich im Nicht­er­rei­chen des er­wünsch­ten Zie­les. Mit Be­stimmt­heit zu ver­hin­dern sind nur be­kann­te Ri­si­ken. Für den An­le­ger lie­gen die meis­ten Ri­si­ken im Be­reich des Mög­li­chen, des Wahr­schein­li­chen oder zu­wei­len des Un­vor­stell­ba­ren. Was die Zu­kunft bringt, ist nicht vor­her­seh­bar. Mit ei­ner sol­chen Aus­sa­ge fin­den sich krea­ti­ve Men­schen nicht ab. Die An­le­ger­ge­mein­schaft hat Kenn­zah­len ent­wi­ckelt, von de­nen er­hofft wird, dass sie künf­ti­ge Ri­si­ken mess­bar ma­chen. Dass die Rea­li­tät den Pro­gno­sen zu­wei­len nicht folgt, ist ein Är­ger­nis, wo­für die Theo­rie kei­ne Ver­ant­wor­tung trägt.

Nicht nur Va­lue at Risk ver­lei­tet, wie Nas­sim Tal­eb an­merkt, zu trü­ge­ri­scher Si­cher­heit. Auch Vo­la­ti­li­tät ist kein zu­ver­läs­si­ger Freund. Il­li­qui­den An­la­gen fehlt man­gels ei­nes Markt­prei­ses die Vo­la­ti­li­tät. Sind sie des­halb ri­si­ko­frei ? Die Glei­chung «Ri­si­ko gleich Vo­la­ti­li­tät» hat da­zu ge­führt, dass Pen­si­ons­kas­sen in ih­rer Su­che nach Ren­di­ten die Quo­te il­li­qui­der An­la­gen (Pri­va­te Equi­ty, In­fra­struk­tur, Pri­vat­kre­di­te) zum Teil er­heb­lich er­wei­tert ha­ben, ver­meint­lich oh­ne hö­he­re Ri­si­ken. Als wei­te­res Ar­gu­ment für die da­mit ein­her­ge­hen­de Re­duk­ti­on der Ob­li­ga­tio­nen­quo­te wird ins Feld ge­führt, in der Bais­se wür­den al­le An­la­ge­klas­sen glei­cher­mas­sen ab­stür­zen, wo­mit Di­ver­si­fi­ka­ti­on dort nicht grei­fe, wo sie am nö­tigs­ten sei. Ei­ne sol­che Aus­sa­ge ist nur tref­fend, wenn man nach dem tra­di­tio­nel­len, aber frag­wür­di­gen Kri­te­ri­um der Vo­la­ti­li­tät di­ver­si­fi­ziert.

An­de­re Kon­zep­te der Di­ver­si­fi­ka­ti­on bie­ten sich an, zum Bei­spiel die Auf­tei­lung ei­nes Ver­mö­gens nach den Kri­te­ri­en Ka­pi­tal­er­halt und Ren­di­te. Ob­li­ga­tio­nen ste­hen pri­mär für Ka­pi­tal­er­halt, in­dem sie je­den­falls im In­vest­ment-Gra­de-Be­reich bei Fäl­lig­keit zu­rück­be­zahlt wer­den (Buch­ver­lus­te könn­ten trotz lang­fris­ti­gem An­la­ge­ho­ri­zont ein Pro­blem wer­den, wo ei­ne Nach­schuss­pflicht vor­liegt). Ak­ti­en ste­hen für Ren­di­te, al­ler­dings ver­bun­den mit mög­li­cher­wei­se nicht auf­hol­ba­ren Ka­pi­tal­ver­lus­ten. Wei­ter als Ak­ti­en ge­hen kom­ple­xe, il­li­qui­de oder neu­ar­ti­ge An­la­gen oh­ne Track Re­cord. Für die Auf­tei­lung ei­nes Ver­mö­gens in Ka­pi­tal­er­halt und Ren­di­te wer­den ne­ben­bei we­ni­ger Baustei­ne be­nö­tig als für ei­ne Di­ver­si­fi­ka­ti­on nach tra­di­tio­nel­lem An­satz.

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