EZB über­trifft Er­war­tun­gen

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - THA

Im Ju­ni be­schrei­tet die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) neu­es Ter­rain: Dann wird sie mit dem Kauf von Un­ter­neh­mens­an­lei­hen be­gin­nen. Nach der Zins­sit­zung am Don­ners­tag ver­öf­fent­lich­te die EZB die De­tails zur Um­set­zung der Plä­ne – und sorg­te da­mit für ei­ne Über­ra­schung. «Die EZB hat die Be­din­gun­gen ein­fach und trans­pa­rent ge­stal­tet und den Rah­men so weit wie mög­lich ge­steckt», mei­nen et­wa die Ana­lys­ten von Bar­clays.

Die EZB kün­dig­te an ih­rem Tref­fen im März an, Un­ter­neh­mens­an­lei­hen in ihr Kauf­pro­gramm (Quan­ti­ta­ti­ve Ea­sing, QE) auf­zu­neh­men. Ei­ni­ge Eck­da­ten gab sie da­mals be­reits be­kannt. So müs­sen die Bonds in Eu­ro de­no­mi­niert sein, von Un­ter­neh­men in der Eu­ro­zo­ne emit­tiert wer­den und ei­ne ho­he Bo­ni­tät auf­wei­sen (In­vest­ment Gra­de). Zu­dem sol­len nur Ob­li­ga­tio­nen von Nicht-Banken be­rück­sich­tigt wer­den. Zu­sätz­li­che Re­strik­tio­nen hat die EZB kaum be­schlos­sen.

Die Qua­li­täts­an­for­de­run­gen lie­gen am un­te­ren En­de der Er­war­tun­gen. So reicht es aus, wenn die An­lei­hen von le­dig­lich ei­ner an­er­kann­ten Ra­ting­agen­tur mit ei­nem Kre­dit­ra­ting von min­des­tens BBB– be­wer­tet wer­den. Auch die De­fi­ni­ti­on von «Nicht-Banken» hat die EZB weit ge­fasst. Ob­li­ga­tio­nen von Ver­si­che­rern wer­den Teil des Pro­gramms sein. Aber auch Un­ter­neh­men mit ei­ner Bank­li­zenz sind qua­li­fi­ziert. Da­zu zäh­len et­wa Au­to­her­stel­ler wie BMW oder Daim­ler, zwei der gröss­ten Emit­ten­ten im eu­ro­päi­schen An­lei­hen­markt. Die Bonds müs­sen zwar von ei­nem Un­ter­neh­men im Eu­ro­raum be­ge­ben wer­den. Sie fal­len aber auch dann ins An­la­ge­uni­ver­sum, wenn die Mut­ter­ge­sell­schaft nicht in der Eu­ro­zo­ne do­mi­zi­liert ist.

Zu­dem kann die EZB bis zu 70% ei­ner Emis­si­on auf­kau­fen. Ana­lys­ten hat­ten im Vor­feld mit ei­ner Li­mi­te von 30 bis 50% ge­rech­net. Wie er­war­tet wird die Notenbank so­wohl am Pri­mär- als auch am Se­kun­där­markt ak­tiv sein. Wie viel sie kauft, wird sie im Vor­feld nicht be­kannt ge­ben.

Die Stra­te­gen von Deut­sche Bank ha­ben ih­re Schät­zun­gen zum ver­füg­ba­ren An­la­ge­uni­ver­sum in­fol­ge der neu­en An­ga­ben nach oben re­vi­diert. Sie be­zif­fern das aus­ste­hen­de Vo­lu­men der An­lei­hen, die die EZB-Kri­te­ri­en er­fül­len, neu auf 770 Mrd. €. «Das liegt mehr als 50% über dem bis­he­ri­gen Wert», schrei­ben sie. Deut­sche Bank er­war­tet mo­nat­li­che Käu­fe im Um­fang von 5 Mrd. €. Die Ana­lys­ten von Bar­clays sind deut­lich op­ti­mis­ti­scher: Sie pro­gnos­ti­zie­ren ein Kauf­vo­lu­men von 10 Mrd. € im Mo­nat. Von In­ter­es­se wird nun sein, ob die Li­qui­di­tät am eu­ro­päi­schen Markt für Un­ter­neh­mens­bonds EZB-Käu­fe im gros­sen Stil er­lau­ben wird.

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