In­ves­to­ren trei­ben Ral­ly

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - LOM­BARD ODIER IN­VEST­MENT MA­NA­GERS

Die Er­ho­lung des Gold­prei­ses spie­gelt die Stim­mung der An­le­ger.

Seit Wo­chen be­wegt sich der Gold­preis in ei­ner Span­ne zwi­schen 1215 und 1270 $. Am Frei­tag kos­te­te die Fein­un­ze 1247 $. Die Kurs­a­van­cen im Fe­bru­ar und März spie­gel­ten die Sor­gen der An­le­ger über die po­ten­zi­ell ne­ga­ti­ven Fol­gen in Sa­chen Fi­nanz­ri­si­ken und Wäh­run­gen, die von Ne­ga­tiv­zin­sen, dem Dru­cken von noch mehr Geld durch die No­ten­ban­ken und bil­li­gen Kre­di­ten aus­ge­hen könn­ten. Gold hat Mit­te März auf 1285 $ ein Jah­res­hoch er­reicht, als die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) an­kün­dig­te, den Ein­la­gen­zins um zehn Ba­sis­punk­te auf –0,4% zu sen­ken, die quan­ti­ta­ti­ve Lo­cke­rung auf Un­ter­neh­mens­an­lei­hen aus­zu­wei­ten und ein neu­es Pro­gramm für Bank­kre­di­te auf­zu­le­gen.

Ne­ga­tiv­zin­sen ber­gen ei­ne Rei­he von Ri­si­ken. Zum ei­nen ist un­ser Fi­nanz­sys­tem als sol­ches gar nicht da­für aus­ge­legt. Zum an­de­ren ha­ben Markt­teil­neh­mer wie Pen­si­ons­kas­sen und Ver­si­che­run­gen, die auf sehr lan­ge Frist kal­ku­lie­ren, in ei­nem sol­chen Um­feld Mü­he, ih­re Zie­le und Er­war­tun­gen zu er­fül­len. Aus­ser­dem ge­ra­ten Wech­sel­kurs­ver­hält­nis­se und Be­wer­tun­gen aus dem Lot, und es be­steht gar die Ge­fahr, dass sich In­ves­to­ren aus dem Fi­nanz­sys­tem ver­ab­schie­den.

Von die­sen Ge­fah­ren zei­gen sich je­doch die No­ten­ban­ken un­be­ein­druckt. EZB-Prä­si­dent Ma­rio Draghi sagt, er wer­de tun, was nö­tig sei, um die In­fla­ti­on zu be­feu­ern. Die Che­fin des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds, Chris­ti­ne La­g­ar­de, be­haup­tet, die Welt­wirt­schaft wä­re oh­ne Ne­ga­tiv­zin­sen noch schlech­ter dran, und der Fi­nanz­sek­tor müs­se mög­li­cher­wei­se neue Ge­schäfts­mo­del­le ent­wi­ckeln. In der Re­de vor dem Fi­nan­ci­al Club in New York dämpf­te USNo­ten­bank­che­fin Ja­net Yel­len die Er­war­tung wei­te­rer Zins­er­hö­hun­gen mit der Aus­sa­ge, der Of­fen­markt­aus­schuss hät­te im­mer noch be­trächt­li­chen Spiel­raum, die Po­li­tik zu lo­ckern, wenn die US-Zin­sen wie­der bei null sei­en.

Mit 300 Ton­nen im ers­ten Quar­tal 2016 ver­zeich­ne­ten phy­sisch hin­ter­leg­te Ex­ch­an­ge Tra­ded Pro­ducts (ETP und ETF) den gröss­ten Zuf­luss seit 2009. An­de­re Nach­fra­ge­trei­ber blie­ben al­ler­dings aus. Im März streik­ten Schmuck­her­stel­ler in In­di­en drei Wo­chen lang aus Pro­test ge­gen ei­ne Steu­er­er­hö­hung. Ge­mäss Bloom­berg sind die Käu­fe aus Chi­na in den ers­ten zwei Mo­na­ten 2016 im Vor­jah­res­ver­gleich 56% zu­rück­ge­gan­gen. Die Peop­le’s Bank of Chi­na hat ih­re Gold­re­ser­ven im Fe­bru­ar um 10 Ton­nen er- höht – die ge­rings­te mo­nat­li­che Zu­nah­me seit Be­ginn der Of­fen­le­gung der Gold­be­stän­de im letz­ten Jahr. Die Ab­si­che­rungs­ge­schäf­te von Gold­för­de­rern ha­ben zu­ge­nom­men, was Ver­käu­fe zur Fol­ge hat. Dies und die schwa­che Nach­fra­ge aus Asi­en deu­ten dar­auf hin, dass die jüngs­te Gold­ral­ly in ers­ter Li­nie von der enor­men In­ves­to­ren­nach­fra­ge ge­trie­ben wur­de.

Das ers­te Quar­tal war für Gold das bes­te seit 1986, und auch Gold­ak­ti­en wa­ren ge­fragt. Seit dem Gold­crash 2013 hat­ten Leer­ver­käu­fer den Gold­markt do­mi­niert. Nun dürf­te sich zei­gen, wie ver­wund­bar die neu­en Markt­ver­hält­nis­se sind. Der Zuf­luss in ETF hat sich ver­lang­samt, und die spe­ku­la­ti­ven Long-Po­si­tio­nen an der Comex sind die höchs­ten seit 2012. Soll­te sich der Gold­preis über 1200 $ hal­ten, wä­re das ein sehr bul­li­sches Zei­chen. Wahr­schein­li­cher ist an­ge­sichts der Er­fah­run­gen mit frü­hen Sta­di­en von Haus­se­märk­ten al­ler­dings ei­ne Kor­rek­tur auf rund 1150 $. Ein Un­ter­schrei­ten die­ser Mar­ke sprä­che da­für, dass die Pes­si­mis­ten wie­der die Ober­hand ha­ben. Das al­ler­dings ist je­doch ein eher un­wahr­schein­li­ches Sze­na­rio.

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