Psy­cho­lo­gi­sche Mar­ken

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALEX­AN­DER KRÄ­MER,

Der S&P 500 kämpft mit 2100 – An­lei­hen ren­tie­ren hö­her.

Es hät­te schlim­mer kom­men kön­nen: Nach­dem man sich am ver­gan­ge­nen Sonn­tag in Do­ha nicht auf ei­ne Be­gren­zung der För­der­men­gen hat­te ei­ni­gen kön­nen, er­hol­ten sich die Öl­prei­se noch im Mon­tags­han­del und lies­sen sich von dem zwi­schen­zeit­li­chen Streik der Öl­ar­bei­ter in Ku­wait, dem wei­te­ren Rück­gang der US-Öl­för­de­rung und dem fal­len­den US-La­ger­be­stand wei­ter nach oben trei­ben – in der Spit­ze han­del­te ein Fass der Nord­see­sor­te Brent bei 46 $ und da­mit 15% ober­halb des Tiefs vom Mon­tag. Zum Wo­chen­schluss setz­ten dann Ge­winn­mit­nah­men ein; im spä­ten eu­ro­päi­schen Frei­tags­han­del no­tier­te Brent bei 45.50 $/Fass und da­mit im Wo­chen­ver­gleich im­mer noch sat­te 5,5% hö­her.

Auch Ak­ti­en­be­sit­zer konn­ten sich in der ab­ge­lau­fe­nen Wo­che an ei­nem deut­li­chen Kurs­plus er­freu­en. Den An­stieg der Öl­prei­se soll­te man aber nicht als al­lei­ni­gen Kurstrei­ber se­hen, auch wenn sich in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit Öl und Ak­ti­en par­al­lel be­weg­ten.

Be­richts­sai­son stützt

Viel­mehr dürf­ten zu­letzt die Quar­tals­be­rich­te der US-Un­ter­neh­men Ak­ti­en ge­stützt ha­ben. Im­mer­hin la­gen von den 111 Un­ter­neh­men im S&P 500, die bis Don­ners­tag­abend ih­re Quar­tals­bi­lanz vor­ge­legt hat­ten, mehr als drei Vier­tel über den Er­war­tun­gen der Ana­lys­ten. Da kann man schon mal leicht über­se­hen, dass nur gut ein Drit­tel auch die Um­satz­er­war­tun­gen über­traf. Noch schlim­mer: Mehr als 40% der Un­ter­neh­men setz­ten we­ni­ger um als er­war­tet.

Aber vi­el­leicht rückt das ja dann nächs­te Wo­che ver­mehrt in den Fo­kus – be­son­ders, wenn sich aus dem Com­mu­ni­qué der Fe­dSit­zung ei­ne kla­re­re Ten­denz ab­le­sen lässt, ob es im Ju­ni zu ei­ner wei­te­ren Zins­er­hö­hung kommt. Und dann soll­te es den Ak­ti­en- in­di­zes schwer­fal­len, die psy­cho­lo­gi­sche Mar­ke, die die­se Wo­che er­reicht wur­de (2100 im S&P 500 oder knapp 10 500 im Dax) auch nach­hal­tig zu über­win­den – vor al­lem wenn Ak­ti­en­fonds wie in die­ser Wo­che wei­ter auf brei­ter Ba­sis mit Mit­tel­ab­flüs­sen zu kämp­fen ha­ben und sich der glo­ba­le Kon­junk­tur­aus­blick nicht deut­li­cher auf­hellt.

Notenbank-Vo­la­ti­li­tät

Es soll nicht un­er­wähnt blei­ben, dass in die­ser Wo­che auch die EZB tag­te. Und wenn ei­gent­lich kei­ne neu­en Mass­nah­men er­war­tet wor­den wa­ren – die Ner­vo­si­tät war da. Nach­dem die EZB mit­ge­teilt hat­te, man wer­de De­tails zum Kauf­pro­gramm für Un­ter­neh­mens­an­lei­hen (CSPP) nach der Pres­se­kon­fe­renz be­kannt­ge­ben, klet­ter­te der Eu­ro um 1 Ct bis auf 1.14 $/€ – nur um im Ver­lauf der Pres­se­kon­fe­renz wie­der auf 1.13 $/€ zu­zu­steu­ern. Gleich­zei­tig stieg die Ren­di­te deut­scher Bun­des­an­lei­hen; bei der zehn­jäh­ri­gen Lauf­zeit ver­dop­pel­te sie sich im Ver­gleich zur Vor­wo­che fast – von 0,126 auf 0,232%. Den Grund für die­se hef­ti­ge Be­we­gung dürf­ten dann doch die De­tails zum An­lei­he­kauf­pro­gramm ge­lie­fert ha­ben.

Auch wenn kei­ne mo­nat­li­che «Soll­grös­se» ge­nannt wur­de, ha­ben es ein paar Ein­zel­hei­ten in sich. So ge­hö­ren Ver­si­che­run­gen zu den Kauf­kan­di­da­ten; nur Ban­ken­bonds sind aus­ge­nom­men. Auch dass die EZB bis zu 70% ei­ner An­lei­he auf­kau­fen möch­te, und Eu­ro­an­lei­hen von Un­ter­neh­men auf­ge­nom­men wur­den, de­ren Mut­ter aus­ser­halb des Eu­ro­raums an­säs­sig ist, soll­te die Hoff­nun­gen de­rer emp­find­lich ge­stört ha­ben, die da­von aus­gin­gen dass das neue mo­nat­li­che Kauf­vo­lu­men von 80 Mrd. € nur über den An­kauf von Staats­an­lei­hen zu er­rei­chen sein wür­de. Der Preis für Kre­dit­aus­fall­ver­si­che­run­gen (Cre­dit De­fault Swaps, CDS) für Eu­roUn­ter­neh­mens­an­lei­hen fiel auf den nied­rigs­ten Wert seit März.

Nach­dem in der Vor­wo­che Be­rich­te über ei­ne Aus­wei­tung der Ak­ti­en­käu­fe der Bank von Ja­pan den Yen nicht nach­hal­tig schwä­chen konn­ten, ge­lang dies in die­ser Wo­che mit Spe­ku­la­tio­nen über ei­nen ne­ga­ti­ven Kre­dit­zins. Es geht nicht um ei­nen «Straf­zins» auf Ein­la­gen, son­dern Banken sol­len für die Kre­dit­ver­ga­be «be­lohnt» wer­den. Ob das wirk­lich pas­siert, wer­den wir Don­ners­tag nach der Sit­zung wis­sen. Der Yen ge­riet be­reits un­ter Druck und ver­lor han­dels­ge­wich­tet 2,4%.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.