Chi­nas Staats­be­trie­be sit­zen auf rie­si­gen Über­ka­pa­zi­tä­ten

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE -

Chi­na hat al­lein in den Jah­ren 2011 und 2012 mehr Ze­ment pro­du­ziert als die USA im gan­zen zwan­zigs­ten Jahr­hun­dert. Und: Die Über­ka­pa­zi­tät in Chi­nas Stahl­wer­ken ist grös­ser als der Aus­stoss al­ler Stahl­her­stel­ler in Eu­ro­pa, Ja­pan und den USA zu­sam­men. Dies sind nur zwei Aus­sa­gen, die die EU Cham­ber of Com­mer­ce in Chi­na in ih­rem ak­tu­el­len Bericht mit dem Ti­tel «Over­ca­pa­ci­ty in Chi­na» macht. Pe­kings Stra­te­gie, die ei­ge­nen Über­ka­pa­zi­tä­ten über Ex­por­te dem Rest der Welt auf­zu­bür­den, stösst auf im­mer mehr Wi­der­stand: Als jüngs­tes Bei­spiel hat Aus­tra­li­en be­schlos­sen, chi­ne­si­schen Stahl mit Straf­zöl­len von 37 bis 53% zu be­las­ten (vgl. Sei­te 24). Ge­mäss Jo­erg Wutt­ke, Prä­si­dent der EU-Han­dels­kam­mer in Chi­na, liegt das Pro­blem pri­mär im Be­reich der staats­ei­ge­nen Be­trie­be (Sta­te-ow­ned En­ter­pri­ses, SOE), die von den Lo­kal­re­gie­run­gen ge­schützt wer­den. Bis zu 30 000 die­ser Be­trie­be sei­en «Zom­bies», die künst­lich am Le­ben er­hal­ten wür­den, für die aber je­de Hoff­nung ver­lo­ren sei (vgl. In­ter­view). Be­son­ders au­gen­fäl­lig sind Chi­nas Über­ka­pa­zi­tä­ten in Schwer­in­dus­trie­bran­chen wie Stahl, Alu­mi­ni­um, Ze­ment, Che­mie oder Schiff­bau. Die Stahl­wer­ke im Reich der Mit­te wa­ren im Jahr 2014 bei­spiels­wei­se nur et­wa zu 70% aus­ge­las­tet, die Raf­fi­ne­ri­en so­gar le­dig­lich zu rund 65%. In al­len von der EU-Han­dels­kam­mer un­ter­such­ten In­dus­tri­en liegt die Ka­pa­zi­täts­aus­las­tung ge­gen­wär­tig deut­lich un­ter dem Ni­veau von 2008 (vgl. Grafik). Über­ka­pa­zi­tä­ten sind an sich kein neu­es Phä­no­men in Chi­nas Wirt­schaft; be­reits En­de der Neun­zi­ger­jah­re hat­te sich Pre­mier- mi­nis­ter Zhu Rong­ji an ei­ne weit­rei­chen­de Re­form ge­wagt, in de­ren Ver­lauf bis zu 40 Mio. In­dus­trie­ar­bei­ter ih­re Stel­le ver­lo­ren. In jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit hat sich das Pro­blem al­ler­dings deut­lich ak­zen­tu­iert.

Der Grund da­für liegt im fast 600 Mrd. $ schwe­ren Sti­mu­lus­pro­gramm, das Pe­king En­de 2008 zur Lin­de­rung der da­mals welt­weit gras­sie­ren­den Fi­nanz- und Wirt­schafts­kri­se be­schlos­sen hat­te. Das Pro­gramm hat­te ei­nen star­ken Fo­kus auf In­fra­struk­tur­in­ves­ti­tio­nen wie Flug­hä­fen, Au­to­bah­nen, Hoch­ge­schwin­dig­keits-Bahn­stre­cken und neue ur­ba­ne Zen­tren. Die­se über Kre­di­te fi­nan­zier­ten In­ves­ti­tio­nen be­feu­er­ten zwar kurz­fris­tig das Wachs­tum, doch das Sti­mu­lus­pro­gramm führ­te zu ei­nem enor­men wei­te­ren Aus­bau der Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten. Ein zu­sätz­li­cher nach­tei­li­ger Fak­tor ist die Tat­sa­che, dass die vom Staat kon­trol­lier­ten Kon­zer­ne jah­re­lang nicht ge­zwun­gen wa­ren, Di­vi­den­den an die Ak­tio­nä­re aus­zu­schüt­ten. Sie ha­ben ih­ren Cash­flow da­her im­mer wie­der in den Auf­bau ih­rer Ka­pa­zi­tä­ten in­ves­tiert.

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