An­le­ger su­chen Ri­si­ko

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - LASALLE BROKERAGE,

Die Roh­wa­ren­märk­te zei­gen sich vo­la­til, trotz­dem flies­sen Gel­der zu.

Die Vo­la­ti­li­tät an den Roh­stoff­märk­ten bleibt hoch. Im­mer wie­der kommt es zu hef­ti­gen Preis­schwan­kun­gen. Im zwei­ten Quar­tal scheint das In­ves­tie­ren in Roh­stof­fe wie­der in Mode zu kom­men. Ein ver­hal­te­ner Dol­lar und die Aus­sicht, dass die Zin­sen in den USA vor­erst un­ver­än­dert blei­ben, ha­ben den Ap­pe­tit auf Ri­si­ko an­ge­regt. Gel­der flies­sen zu. Seit An­fang April hat der Roh­stoff­leit­in­dex von Gold­man Sachs (GSCI) zeit­wei­se 15% an Wert zu­ge­legt. Der In­dex bil­det die Ent­wick­lung von 24 ver­schie­de­nen Roh­wa­ren ab.

Ver­gan­ge­ne Wo­che stie­gen die Öl­prei­se trotz ei­nes kurz­fris­ti­gen Ein­bruchs nach dem Tref­fen der För­der­län­der in Do­ha wei­ter. Vie­le Markt­ak­teu­re hat­ten sich auf tie­fe­re Prei­se ein­ge­stellt. Der Ver­drän­gungs­kampf um Markt­an­tei­le dürf­te von Sau­di-Ara­bi­en nach der aus­ge­blie­be­nen Ei­ni­gung neu lan­ciert wer­den. Der zwi­schen­zeit­li­che Streik der Öl­ar­bei­ter in Ku­wait ist eben­falls vom Tisch. Trotz­dem er­reich­te der Preis für Brent ver­gan­ge­nen Don­ners­tag ein Fünf­mo­nats­hoch von 46.18 $ je Fass. Zu Wo­chen­be­ginn ten­dier­te Öl nur leicht tie­fer. Am Di­ens­tag­mit­tag no­tier­te Brent zu 45.02 $.

Fun­da­men­tal wä­re wohl ein Preis von un­ter 40 $ mög­lich. Das ver­hin­dert aber die Po­si­tio­nie­rung spe­ku­la­ti­ver Markt­teil­neh­mer. In­ner­halb we­ni­ger Wo­chen er­reich­ten die Wet­ten auf ei­nen stei­gen­den Brent-Preis (Net­to-Long-Po­si­tio­nen) am Ter­min­markt ei­nen neu­en Re­kord. Das Ri­si­ko ei­ner Preis­kor­rek­tur dürf­te durch die spe­ku­la­ti­ve Po­si­tio­nie­rung in den letz­ten Ta­gen noch­mals ge­stie­gen sein. Mo­men­tan re­agiert der Öl­preis nicht auf die schlech­te­re fun­da­men­ta­le Si­tua­ti­on. Die Aus­wir­kun­gen wer­den aber dra­ma­tisch sein, wenn die Spe­ku­lan­ten ih­re Po­si­ti­on li­qui­die­ren.

Ähn­li­che spe­ku­la­ti­ve Ten­den­zen wei­sen die Agrar­märk­te auf. Hier ist das Wetter do­mi­nie­ren­der Fun­da­men­tal­fak­tor. Die Markt­teil­neh­mer ver­fol­gen die Wet­ter­ka­prio­len in ver­schie­de­nen Re­gio­nen. Nie­der­schlä­ge in den kom­men­den Ta­gen im so­ge­nann­ten «MaisGür­tel» der USA – wo der­zeit an­ge­pflanzt wird – las­sen die Ri­si­ko­prä­mi­en am Ter­min­markt stei­gen. Ob­wohl bis zum ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de be­reits 30% Mais – deut­lich mehr als der Mehr­jah­res­durch­schnitt von 16% – aus­ge­sät wur­den, san­ken die Prei­se kaum. Ei­ne Er­klä­rung da­für dürf­te die aus­ge­präg­te Tro­cken­heit in Tei­len Bra­si­li­ens sein, wo die zwei­te Mais­kam­pa­gne deut­lich lei­det. Der so drin­gend be­nö­tig­te Re­gen bleibt wei­ter­hin aus. Letz­te Wo­che muss­te sich Bra­si­li­en erst­mals seit lan­gem mit US-Mais ein­de­cken, um ei­nen mög­li­chen Eng­pass zu ver­hin­dern. Der Mais-Kon­trakt klet­ter­te ver­gan­ge­nen Don­ners­tag auf ein Neun­mo­nats­hoch und kos­te­te teils über 4 $ je Bus­hel. An­fang April no­tier­te der Kon­trakt noch 14% tie­fer.

Bei So­ja dürf­te der vie­le Re­gen in Ar­gen­ti­ni­en zu ei­ner vier Mil­lio­nen Ton­nen klei­ne­ren Ern­te füh­ren. Sor­gen um den Ern­te­aus­fall lies­sen ver­gan­ge­ne Wo­che den Bus­hel-Preis auf ein Neun­mo­nats­hoch von über 10 $ stei­gen.

Auch Wei­zen ver­teu­er­te sich zeit­wei­se trotz güns­ti­ger Wet­ter­be­din­gun­gen mas­siv. Ver­gan­ge­nen Don­ners­tag kos­te­te das Bus­hel 5,1075 $. Spe­ku­la­ti­ve Markt­teil­neh­mer deck­ten fast al­le ih­re Short-Po­si­tio­nen in Mais ein und dürf­ten nun prak­tisch aus­ge­gli­chen sein. Ih­re Long-Po­si­tio­nen in So­ja am Ter­min­markt hat­ten sie zu­letzt mas­siv aus­ge­baut. Ein­zig in Wei­zen blei­ben die mas­si­ven Short-Po­si­tio­nen be­ste­hen. Am Di­ens­tag­mit­tag no­tier­te Mais zu 3.80 $, So­ja zu 10.02 $ und Wei­zen zu 4.73 $ wei­ter­hin fest, wenn auch un­ter den Höchst­wer­ten ver­gan­ge­ner Wo­che.

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