Deut­sche Bank kommt vor­an

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ -

Im ers­ten Quar­tal schrieb die Deut­sche Bank über­ra­schend schwar­ze Zah­len, weil sie we­ni­ger für ju­ris­ti­sche Alt­las­ten zu­rück­le­gen muss­te. Doch der tief­grei­fen­de Um­bau geht auch zu­las­ten des Ge­schäfts: Der Ge­winn war mit 236 Mio. € 58% nied­ri­ger als ein Jahr zu­vor, weil der Er­trag nicht nur in den Be­rei­chen schrumpf­te, die un­ter den flau­en Ka­pi­tal­märk­ten zu Jah­res­be­ginn lit­ten.

«Das war ei­nes der her­aus­for­dernds­ten Quar­ta­le», sag­te Fi­nanz­chef Mar­cus Schenck – für al­le In­vest­ment­ban­ken wie auch für die Deut­sche Bank. Pri­vat- und Fir­men­kun­den zwei­fel­ten an der Ent­wick­lung der Welt­kon­junk­tur und hiel­ten sich des­halb im Han­del eben­so zu­rück wie in der Un­ter­neh­mens­fi­nan­zie­rung und in der pri­va­ten Ver­mö­gens­ver­wal­tung. Im März und April ha­be sich die Stim­mung aber et­was auf­ge­hellt.

Der Er­trag der Deut­schen Bank sank im ers­ten Quar­tal in al­len Spar­ten – aus­ser bei der zum Ver­kauf ste­hen­den Post­bank. Am stärks­ten be­trof­fen war der Han­del mit Ak­ti­en und An­lei­hen mit ei­nem Mi­nus von 29%. Im Kon­zern lag der Er­trag mit 8,1 Mrd. € 22% un­ter dem Vor­jah­res­ni­veau. Cryan be­grün­de­te den Rück­gang auch da­mit, dass sich die Bank ganz oder teil­wei­se aus Län­dern und Ge­schäf­ten zu­rück­ge­zo­gen ha­be.

An­le­ger at­me­ten zu­nächst auf. Die Deut­sche-Bank-Ak­tie stieg am Don­ners­tag ge­gen den Markt­trend um bis zu fünf Pro­zent. Da­hin­ter ste­cke die Er­leich­te­rung, dass die Zah­len im Han­del und In­vest­ment Ban­king nicht noch schlech­ter aus­ge­fal­len sei­en, sag­te Will Ham­lyn von Ma­nu­li­fe As­set Ma­nage­ment.

Doch die Bank konn­te den In­ves­to­ren die Sor­ge nicht neh­men, dass ih­re Ka­pi- tal­de­cke an­ge­sichts der Ri­si­ken zu dünn ist. Ih­re har­te Kern­ka­pi­tal­quo­te sank von Ja­nu­ar bis März von 11,1 auf 10,7%. «Das The­ma bleibt ei­ne Her­aus­for­de­rung», sag­te Fonds­ma­na­ger Hel­mut Hip­per von Uni­on In­vest­ment zu Reu­ters. «Aber es be­steht noch kein aku­ter Hand­lungs­be­darf für ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung.» Bis zum Jah­res­en­de will Schenck die Quo­te wie­der auf mehr als 11% schrau­ben. Im zwei­ten Quar­tal winkt ein Mil­li­ar­den­er­lös aus dem ver­ein­bar­ten Ver­kauf der Be­tei­li­gung an der Hua Xia Bank in Chi­na, der die Ka­pi­tal­quo­te um ein hal­bes Pro­zent ver­bes­sert.

Licht am En­de des Tun­nels sieht Vor­stand­schef Cryan bei der Bei­le­gung der zahl­rei­chen Rechts­strei­tig­kei­ten. In den ers­ten drei Mo­na­ten muss­te sie da­für 1,4 Mrd. € we­ni­ger aus­ge­ben als ein Jahr zu­vor. Die gröss­ten ver­blie­be­nen Bro­cken, dar­un­ter die Geld­wä­sche­vor­wür­fe in Russ­land und der Streit um ver­brief­te Hy­po­the­ken in den USA, will der Bri­te in die­sem Jahr aus dem Weg räu­men. Das soll die Bank we­ni­ger kos­ten als die 5,2 Mrd. €, die sie 2015 für die Alt­las­ten aus­ge­ge­ben hat­te. Un­stim­mig­kei­ten über das Aus­mass der Auf­klä­rung der Ver­gan­gen­heit führ­ten je­doch zum Rück­tritt von Auf­sichts­rat Ge­org Tho­ma (vgl. www.fuw.ch/300416-6).

Ob es für die Deut­sche Bank am Jah­res­en­de zu schwar­zen Zah­len rei­chen wer­de, liess Cryan of­fen. Das hän­ge von Rechts­strei­tig­kei­ten und dem Um­bau ab. «Wir sind an der Schwel­le», sag­te er vor Ana­lys­ten. «Je schlech­ter das Bild auf dem Pa­pier aus­sieht, des­to er­folg­rei­cher sind wir ge­wis­ser­mas­sen da­bei, den Berg von Ar­beit zu er­le­di­gen, den wir uns auf­ge­halst ha­ben.» (Reu­ters)

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.