Die Tro­phäe ist zum Grei­fen nah

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - FRANK HEI­NI­GER

Drei Punk­te. Drei mick­ri­ge Punk­te feh­len Leices­ter Ci­ty zur Sen­sa­ti­on: dem Ge­winn der eng­li­schen Pre­mier League. Be­reits die­sen Sonn­tag könn­te das Mär­chen wahr wer­den und die «Fo­xes» wür­den ei­ne der pres­ti­ge­träch­tigs­ten Tro­phä­en des Klub­fuss­balls in die East Mid­lands ho­len. Es wä­re die Sport­über­ra­schung des Jah­res – was an den Wett­quo­ten ab­zu­le­sen ist. So wur­de ei­nem Leices­ter-Tri­umph zu Sai­son­be­ginn die Chan­ce von 1 zu 5000 bei­ge­mes­sen. Buch­ma­cher stuf­ten es als wahr­schein­li­cher ein, dass El­vis noch lebt.

Der Auf­stieg der Aus­sen­sei­ter ist vor al­lem ei­nem Mann zu ver­dan­ken: Vich­ai Sri­v­ad­dha­na­prab­ha, der Leices­ter Ci­ty 2010 zum Schnäpp­chen­preis von rund 40 Mio. £ er­warb. Zwar hat der Mil­li­ar­där aus Thai­land seit­her sub­stan­zi­el­le Mit­tel in den Club ge­steckt – oh­ne da­bei al­ler­dings in Aus­ga­be­ex­zes­se à la Man­ches­ter Ci­ty zu ver­fal­len. Ei­ne Er­folgs­ge­schich­te kann Vich­ai Sri­v­ad­dha­na­prab­ha auch auf per­sön­li­cher Ebe­ne vor­wei­sen. Erst­mals tritt der 1958 ge­bo­re­ne Thai mit chi­ne­si­schen Wur­zeln 1989 in Er­schei­nung, als er das Du­ty-Free-Un­ter­neh­men King Po­wer grün­det – und die Be­triebs­li­zenz für ein Ge­schäft im Zentrum Bang­koks er­hält.

Sei­ne Kar­rie­re er­hält 2001 mit der Wahl von Thaks­in Shina­wa­tra zum thai­län­di­schen Pre­mier­mi­nis­ter ge­wal­ti­gen Schub. Dank en­ger Ver­bin­dun­gen zu re­gie­rungs­na­hen Krei­sen wer­den Vich­ai die ex­klu­si­ven Rech­te zu­ge­spro­chen, Du­ty-Free-Ar­ti­kel am neu­en Su­varn­ab­hu­mi-Flug­ha­fen von Bang­kok zu ver­kau­fen – nichts we­ni­ger als ei­ne «Li­zenz zum Geld­dru­cken».

Über die fol­gen­den Jah­re setzt sich die Kon­zern­ex­pan­si­on fort. In­zwi­schen ist King Po­wer der gröss­te Rei­se­de­tail­händ­ler Thai­lands mit über 7000 Ar­beit­neh­mern, der di­ver­se Du­ty-FreeShop­ping­zen­tren und ei­ne On­line­platt­form be­treibt. Der Er­folg hat Vich­ai reich ge­macht: For­bes be­zif­fert sein Ver­mö­gen auf 3 Mrd. $. Vichais un­ter­neh­me­ri­scher Auf­stieg wird mass­geb­lich der Tat­sa­che zu­ge­schrie­ben, dass er es im­mer wie­der ver­stan­den hat, per­sön­li­che Kon­tak­te zu sei­nen Guns­ten aus­zu­nut­zen – dar­un­ter auch sei­ne Nä­he zum all­seits be­lieb­ten Kö­nig Bhu­mi­bol. So be­gann Vich­ai be­reits in den Neun­zi­ger­jah­ren, be­deu­ten­de Mit­tel in Wohl­tä­tig­keits­pro­jek­te der Mon­ar­chen­fa­mi­lie zu pum­pen. Die ge­gen­sei­ti­ge Wert­schät­zung il­lus­triert der Fa­mi­li­en­na­me: Bis 2013 hiess der Un­ter­neh­mer Vich­ai Raks­riaks­orn, be­vor ihm Kö­nig Bhu­mi­bol den Eh­ren­na­men Sri­v­ad­dha­na­prab­ha ver­lieh – frei über­setzt das «Licht der pro­gres­si­ven Herr­lich­keit». Dass Vich­ai da­bei al­ler­dings nie ei­ge­ne po­li­ti­sche Am­bi­tio­nen an den Tag leg­te, kam ihm in den thai­län­di­schen Un­ru­hen der letz­ten Jah­re de­fi­ni­tiv zu Gu­te.

Vich­ai wird nach­ge­sagt, sei­ne re­li­giö­sen und fa­mi­liä­ren Wer­te auch als Club­be­sit­zer aus­zu­le­ben. So ha­be er sich das Ziel ge­setzt, Leices­ter Ci­ty wie ei­nen Fa­mi­li­en­be­trieb zu füh­ren und für al­le An­ge­stell­ten je­der­zeit ein of­fe­nes Ohr zu ha­ben. Re­gel­mäs­sig wer­den zu­dem thai­län­di­sche Mön­che nach Leices­ter ge­holt, um den Club­ra­sen und das Sta­di­on zu seg­nen so­wie den Spie­lern Glücks­brin­ger aus­zu­hän­di­gen. Wer weiss: Be­reits an die­sem Sonn­tag könn­te der gött­li­che Bei­stand die Sen­sa­ti­on per­fekt ma­chen.

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