Ein Ni­schen­markt

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - RE­TO JUNG,

Der glo­ba­le Markt für Wan­del­an­lei­hen ist ei­ne Ni­sche. Das Vo­lu­men aller aus­ste­hen­den Wan­del­an­lei­hen be­trägt mo­men­tan et­wa 300 Mrd. $, das ist nicht ein­mal 1% des US-An­lei­he­mark­tes von schät­zungs­wei­se 40 000 Mrd. $. Das aus­ste­hen­de Wand­ler­vo­lu­men hat sich seit dem Hoch in den Jah­ren 2003 und 2004 prak­tisch hal­biert. Da­für gibt es meh­re­re Grün­de.

Aus Sicht der Emit­ten­ten ist es güns­ti­ger, sich über Wand­ler zu fi­nan­zie­ren, als über Un­ter­neh­mens­an­lei­hen. Die ex­trem lo­cke­re Geld­po­li­tik der ver­gan­ge­nen Jah­re führ­te aber zu ste­tig sin­ken­den Zin­sen und Kre­dit­ri­si­ko­prä­mi­en. So las­sen sich die Fi­nan­zie­rungs­be­dürf­nis­se der Un­ter­neh­men mitt­ler­wei­le be­frie­di­gen, oh­ne dass die Ei­gen­tü­mer ei­ne po­ten­zi­el­le Ver­wäs­se­rung des Ge­winns be­fürch­ten müs­sen – wenn das Wan­del­recht aus­ge­übt wird.

Im Um­feld stän­dig sin­ken­der Zin­sen und mitt­ler­wei­le so­gar ne­ga­ti­ver Ren­di­ten ist gleich­zei­tig die Nach­fra­ge nach Wan­del­an­lei­hen aus der Ecke der ein­kom­mens­ori­en­tier­ten In­ves­to­ren zu­rück­ge­gan­gen. Wan­del­an­lei­hen wer­den hin­ge­gen als de­fen­si­ves Ak­ti­en­sub­sti­tut an­ge­prie­sen. Ein funk­tio­nie­ren­der Pri­mär­markt ist we­sent­lich für die po­si­ti­ve Ent­wick­lung des glo­ba­len Wan­del­an­lei­he­mark­tes. Bei Lauf­zei­ten von durch­schnitt­lich et­wa fünf Jah­ren muss jähr­lich rund ein Fünf­tel des Ge­samt­mark­tes er­setzt wer­den, um das aus­ste­hen­de Vo­lu­men kon­stant zu hal­ten. Neu­emis­sio­nen wer­den zu­dem üb­li­cher­wei­se mit ei­nem Ab­schlag zum theo­re­tisch fai­ren Markt­wert be­ge­ben, weil häu­fig Un­ter­neh­men emit­tie­ren, die noch nicht ka­pi­tal­markt­fä­hig sind.

Ist ein lang­sa­mes Ster­ben des Wan­del­an­lei­hen­mark­tes al­so ab­seh­bar? Na­tür­lich nicht. Wie schon in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten hängt das An­ge­bot stark ab von äus­se­ren Rah­men­be­din­gun­gen, dem Re­fi­nan­zie­rungs­be­darf der Un­ter­neh­men, der Hö­he der ak­tu­el­len Ak­ti­en­kur­se, dem Zins­ni­veau, der Hö­he der Kre­dit­ri­si­ko­prä­mi­en und der Vo­la­ti­li­tät.

Et­was hö­he­re Zin­sen und gleich­zei­tig re­la­tiv ho­he Ak­ti­en­kur­se, wie et­wa in den USA, könn­ten schon bald für mehr Ge­schäfts­tä­tig­keit am Pri­mär­markt für Wan­del­an­lei­hen sor­gen. Sei­nen Cha­rak­ter als Ni­schen­markt wird er al­ler­dings be­hal­ten.

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