Über­ra­schung aus Ja­pan

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - PHIL­IPP SCHÖTT­LER,

Der Ent­scheid der Bank of Ja­pan ver­un­si­chert die Märk­te nur kurz.

Die Bank of Ja­pan setz­te am Don­ners­tag­mor­gen den Schluss­punkt hin­ter ei­ne Wo­che der Zen­tral­ban­ken. Nach­dem die US-No­ten­bank be­reits am Mitt­woch­abend die Zin­sen un­ver­än­dert ge­las­sen hat­te, ent­schied sich auch die ja­pa­ni­sche Zen­tral­bank ge­gen wei­te­re Lo­cke­rungs­mass­nah­men. Die Ak­ti­en­märk­te re­agier­ten zu­nächst mit Ver­lus­ten. Vie­le An­le­ger hat­ten ei­ne wei­te­re Li­qui­di­täts­sprit­ze aus Ja­pan er­hofft. Der Nik­kei ver­lor seit Wo­chen­mit­te knapp 4%. Der Yen – schon seit Jah­res­be­ginn im Auf­wind – leg­te wei­ter zu und han­del­te zu­letzt bei 107 $. So teu­er war die ja­pa­ni­sche Wäh­rung zu­letzt im Ok­to­ber 2014. Der Druck auf die ja­pa­ni­sche Ex­port­in­dus­trie nimmt da­mit wei­ter zu. Ei­ner der Haupt­grün­de für die Zu­rück­hal­tung der Zen­tral­bank ist die Angst vor den Aus­wir­kun­gen der Ne­ga­tiv­zin­sen.

Ak­ti­en glanz­los

Auch eu­ro­päi­sche Ak­ti­en spür­ten die Aus­wir­kun­gen aus Ja­pan. Der Eu­roS­to­xx 50 rutsch­te am Don­ners­tag kurz­zei­tig 2% ins Mi­nus, konn­te die Ver­lus­te am Nach­mit­tag aber wie­der wett­ma­chen. Der SMI er­hol­te sich am Nach­mit­tag eben­falls von frü­he­ren Ver­lus­ten. Am Frei­tag ging es aber nach schwa­chen Vor­ga­ben aus den USA er­neut nach un­ten. Die Ak­ti­en­märk­te be­en­de­ten die Wo­che im ro­ten Be­reich: Eu­roS­to­xx 50 –3%, S&P 500 –1,6% und SMI –1,6%.

Vor al­lem das schwa­che Wirt­schafts­wachs­tum in den USA liess An­le­ger zwei­feln. Im ers­ten Quar­tal er­leb­te die US-Wirtschaft das lang­sams­te Wachs­tum seit An­fang 2014. Mit ei­ner an­nua­li­sier­ten Ra­te von 0,5% kam die gröss­te Volks­wirt­schaft der Welt fast zum Still­stand. Al­ler­dings ist der Aus­blick für die nächs­ten Quar­ta­le deut­lich bes­ser. Die Auf­wer­tung des Dol­lars scheint vor­erst vor­bei, und der Öl­preis hat sich in den letz­ten Wo­chen er­holt. Ein Fass der Nord­see­öl­sor­te Brent kos­te­te zu­letzt über 48 $ und da­mit fast 20% mehr als noch vor ei­nem Mo­nat. Und der Ge­gen­wind für den In­dus­trie- und Ex­port­sek­tor hat sich vor­erst ge­legt.

Die Un­ter­neh­mens­ge­win­ne des ers­ten Quar­tals wird das nicht mehr än­dern. Bis­her ha­ben knapp 60% der US-Un­ter­neh­men ih­re Er­geb­nis­se ver­öf­fent­licht. Im Durch­schnitt gin­gen die Ge­win­ne im Jah­res­ver­gleich 6% zu­rück – et­was we­ni­ger, als von den Ana­lys­ten er­war­tet wur­de. Das schwie­ri­ge Um­feld mach­te nicht nur Ener­gie­und In­dus­trie­fir­men zu schaf­fen. So er­leb­te et­wa App­le im ers­ten Quar­tal den ers­ten Um­satz­rück­gang seit 13 Jah­ren. Vor al­lem der Ab­satz in Chi­na harzt. Die App­leAk­ti­en ver­lo­ren seit Wo­chen­be­ginn über 10%. Auch Gross­in­ves­tor Carl Icahn trenn­te sich von sei­ner App­le-Be­tei­li­gung.

Un­ter­des­sen sta­bi­li­siert sich die La­ge der chi­ne­si­schen Wirtschaft. Die zu­letzt ver­öf­fent­lich­ten Ge­win­ne im In­dus­trie­sek­tor schos­sen im März in die Hö­he. Das Wachs­tum von 11% im Vor­jah­res­ver­gleich war das stärks­te seit Ju­li 2014. Das ist ein deut­li­ches Le­bens­zei­chen aus der chi­ne­si­schen Wirtschaft.

Über­nah­me­wel­le

In­ter­na­tio­nal hat­ten chi­ne­si­sche Kon­zer­ne zu­letzt vor al­lem durch ei­ni­ge spek­ta­ku­lä­re Fir­men­über­nah­men auf sich auf­merk­sam ge­macht. Aber nicht nur Chi­na ist im Über­nah­me­fie­ber. An­ge­sichts re­kord­tie­fer Zin­sen und ho­her Bar­geld­re­ser­ven schwappt die Wel­le der Fir­men­über­nah­men auch nach Eu­ro­pa und in die USA über. Seit Jah­res­be­ginn wur­den Über­nah­men im Um­fang von 1,4 Bio. $ ver­ein­bart. Vor al­lem im Phar­ma­und Ge­sund­heits­sek­tor sind Zu­sam­men­schlüs­se der­zeit an­ge­sagt – trotz des ge­schei­ter­ten Me­gaDe­als von Pfi­zer und Al­ler­gan. Die­se Wo­che wur­den gleich drei grös­se­re Trans­ak­tio­nen be­kannt. So möch­te Ab­bott La­bo­ra­to­ries die Me­di­zin­tech­nik­fir­ma St. Ju­de Me­di­cal für 25 Mrd. $ kau­fen, um die Ver­hand­lungs­po­si­ti­on ge­gen­über Ab­neh­mern zu stär­ken. Aus­ser­dem will der fran­zö­si­sche Phar­ma­kon­zern Sa­no­fi mit der Über­nah­me des US-Bio­tech­un­ter­neh­mens Me­di­va­ti­on das Wachs­tum an­kur­beln und bie­tet 9,3 Mrd. $. Abb­vie of­fe­riert für den Krebs­mit­tel­spe­zia­lis­ten Stem­cen­trx 5,8 Mrd. $. Die Ak­tio­nä­re der Über­nah­me­kan­di­da­ten durf­ten sich ent­ge­gen dem Wo­chen­trend über ho­he Ge­win­ne freu­en.

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