Wirt­schaft­li­che Ar­gu­men­ta­ti­on

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - MH

«Rechts­si­cher­heit wie in ei­ner Ba­na­nen­re­pu­blik» oder aber «das Ur­teil hat Bun­des­ge­richts­qua­li­tät, so gut ist es be­grün­det». Was von der FuW be­frag­te Ju­ris­ten zum Ur­teil des Zu­ger Kan­tons­ge­richts sa­gen, ist so wi­der­sprüch­lich wie die Po­si­tio­nen im Fall Si­ka un­ver­ein­bar. Ge­re­det wird, aber hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand. Kaum ein Ak­ti­en­rechts­ex­per­te, der nicht be­fan­gen wä­re. Die Tat­sa­che, dass dem Ge­richt sieben Gut­ach­ten vor­la­gen, spricht Bän­de. Das Ge­richt ha­be in al­le Rich­tun­gen ar­gu­men­tiert, sagt ein Ex­per­te, aber gleich­zei­tig in sei­ner Be­grün­dung ei­nen gros­sen Bo­gen um wich­ti­ge Be­rei­che des an­wend­ba­ren Rechts ge­macht. Dass es sei­ten­wei­se te­leo­lo­gisch ar­gu­men­tier­te, sich al­so am Sinn und Zweck der Ge­set­ze ori­en­tier­te und nicht am Ge­set­zes­wort­laut, deu­tet auf ei­nen ge­wis­sen Not­stand hin. Es wird des­halb sehr in­ter­es­sant sein, ob die nächs­ten In­stan­zen den Steil­pass der Zu­ger Vor­in­stanz ab­neh­men wer­den.

Be­mer­kens­wert ist, dass das Ge­richt in zen­tra­len Punk­ten wirt­schaft­lich ar­gu­men­tiert. Aus wirt­schaft­li­cher Sicht ma­che es kei­nen Un­ter­schied, ob die Si­kaNa­men­ak­ti­en di­rekt oder in­di­rekt an Sain­tGo­bain ver­äus­sert wür­den, schreibt das Ge­richt. Das sei ein neu­er, ge­schick­ter Weg, den Bauch­ent­scheid zu­guns­ten des Si­ka-Ver­wal­tungs­rats zu be­grün­den, ur­teilt ein An­walt. Das Ge­richt wer­te­te den Ver­such der Fa­mi­lie (bzw. der Schen­ker-Wink­ler-Hol­ding), den Ver­wal­tungs­rat mit ihr ge­neh­men Mit­glie­dern zu be­set­zen, als Um­ge­hung der Si­ka-Sta­tu­ten. Es ging al­ler­dings nicht so weit, von Rechts­miss­brauch zu spre­chen.

Das Ge­richt kri­ti­sier­te so­dann, dass die Fa­mi­li­en­ak­tio­nä­re nicht dar­le­gen konn­ten, wes­halb (aus­ser in Be­zug auf die Vin­ku­lie­rung) sie den am­tie­ren­den Ver­wal­tungs­rat ab­set­zen woll­ten, bis­her sei­en sie ja zu­frie­den ge­we­sen mit ihm. In­dem es fak­tisch ei­nen Be­grün­dungs­zwang für Ent­schei­de der Ak­tio­nä­re fest­stell­te, be­ge­be sich das Ge­richt auf ein ge­fähr­li­ches Ter­rain. Ei­ne Treue­pflicht des Ak­tio­närs ge­be es nicht, sag­ten Ex­per­ten.

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