Bi­lan­zen

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - THO­MAS FINK,

FuW Nr. 82 vom 15. Ok­to­ber Ich mag mich nicht er­in­nern, dass ein schwei­ze­ri­sches Un­ter­neh­men in den letz­ten rund 20 Jah­ren (seit es die Rech­nungs­le­gung nach IRFS gibt) nach­träg­lich mit Vor­sor­ge­kos­ten be­las­tet wor­den ist. Die nach IFRS er­mit­tel­te bi­lan­zi­el­le Ab­gren­zung für die nach IFRS er­mit­tel­te Un­ter­de­ckung resp. die Er­hö­hung des Auf­wands auf die Hö­he der nach IFRS er­mit­tel­ten Vor­sor­ge­kos­ten müs­sen da­her als ei­ne Fik­ti­on qua­li­fi­ziert wer­den! Wie ist das zu er­klä­ren?

Ei­ner­seits da­mit, dass die Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen ih­re Vor­sor­ge­plä­ne (Um­wand­lungs­satz, Dis­kon­tie­rungs­zins­fuss, Bei­trags­sät­ze etc.) so­wie die jähr­li­che Ver­zin­sung des Spar­ka­pi­tals re­gel­mäs­sig an das Zins­ni­veau, die Le­bens­er­war­tung, den De­ckungs­grad etc. an­pas­sen. Durch die­se An­pas­sun­gen wird das Er­geb­nis der IFRS-Be­rech­nung il­lu­so­risch, da die­se zwin­gend auf der Vor­aus­set­zung be­ruht, dass die heu­ti­gen Vor­sor­ge-Pa­ra­me­ter, z. B. der Um­wand­lungs­satz, künf­tig un­ver­än­dert blei­ben. Wür­de man ei­ne mög­li­che, aber noch nicht rechts­gül­tig be­schlos­se­ne Ve­rän­de­rung der Vor­sor­ge­pa­ra­me­ter in der IFRS-Be­rech­nung be­rück­sich­ti­gen, wä­re das Prin­zip von «true and fair» in­fra­ge ge­stellt! An­der­seits da­mit, dass die An­pas­sun­gen der Pa­ra­me­ter gröss­ten­teils zu Las­ten der Ar­beit­neh­mer (aus­nahms­wei­se zu Las­ten der Ren­ten­be­zü­ger) und nur zu ei­nem ge­rin­gen Teil zu Las­ten des Ar­beit­ge­bers er­fol­gen. Letz­te­res ist dann der Fall, wenn der Ar­beit­ge­ber hö­he­re Bei­trä­ge be­zah­len muss. Aus recht­li­chen und an­de­ren Grün­den ist es kaum mög­lich, vom Ar­beit­ge­ber rück­wir­kend hö­he­re Bei­trä­ge zu ver­lan­gen.

Die in der IFRS-Jah­res­rech­nung ge­mach­te An­nah­me, dass das Un­ter­neh­men mit ei­ner Nach­be­las­tung von Vor­sor­ge­kos­ten zu rech­nen ha­be, die sich auf das Be­richts­jahr oder frü­her lie­gen­de Jah­re be­zieht, lässt sich heu­te, nach zwan­zig­jäh­ri­ger An­wen­dung von IFRS, de­fi­ni­tiv nicht mehr hal­ten. Dies gilt um­so mehr, als die Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen in die­ser Zeit er­heb­li­che An­pas­sun­gen ih­rer Vor­sor­ge­plä­ne durch­ge­führt ha­ben.

Der «Be­frei­ungs­schlag» soll­te da­rin be­ste­hen, dass die von IFRS vor­ge­se­he­nen Ein­grif­fe in die Jah­res­rech­nung grund­sätz­lich als ob­so­let be­trach­tet wer­den, wenn es sich um ei­nen Vor­sor­ge­plan nach schwei­ze­ri­schem Recht han­delt. Im Ein­zel­fall muss ei­ne «über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit» vor­lie­gen, dass der Ar­beit­ge­ber für Vor­fäl­le, die im Be­richts­jahr oder in den Vor­jah­ren ein­ge­tre­ten sind, mit er­heb­li­chen Zu- oder Ab­flüs­sen von fi­nan­zi­el­len Mit­teln zu rech­nen hat.

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