San­doz muss der US-Jus­tiz Aus­kunft ge­ben

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Die Ge­ne­ri­ka­her­stel­ler und ih­re Preis­po­li­tik sind Ge­gen­stand ei­ner kar­tell­recht­li­chen Un­ter­su­chung in den USA. Be­trof­fen ist auch die No­var­tis-Toch­ter San­doz. Sie ha­be ei­ne Vor­la­dung der An­tiT­rust-Ab­tei­lung des US-Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums ( De­part­ment of Justi­ce, DoJ) er­hal­ten, er­klär­te ein Spre­cher am Frei­tag auf An­fra­ge von FuW. «Es wer­den Do­ku­men­te im Zu­sam­men­hang mit der Ver­mark­tung und der Preis­ge­stal­tung ge­ne­ri­scher phar­ma­zeu­ti­scher Pro­duk­te und von da­mit in Zu­sam­men­hang ste­hen­der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Kon­kur­ren­ten seit Ja­nu­ar 2012 ver­langt», sag­te der Spre­cher. Wei­te­re An­ga­ben woll­te No­var­tis nicht ma­chen.

Ge­mäss ei­nem Be­richt der Nach­rich­ten­agen­tur Bloom­berg ste­hen mehr als ein Dut­zend Ge­ne­ri­ka­her­stel­ler und rund zwei Dut­zend Me­di­ka­men­te im Fo­kus der US-Kar­tell­wäch­ter. Der Vor­wurf lau­tet, Un­ter­neh­men hät­ten Preis­er­hö­hun­gen ko­or­di­niert. Ge­mäss mit dem Vor­gang ver­trau­ter Per­so­nen ha­ben un­ter an­de­rem auch die Bran­chen­grös­sen My­lan und Te­va Phar­maceu­ti­cal Vor­la­dun­gen er­hal­ten. Zahl­rei­che Ak­ti­en von Ge­ne­ri­ka­her­stel­lern ge­rie­ten in der Fol­ge un­ter Druck, My­lan ver­lo­ren am Don­ners­tag 7% und Te­va 10%. Die Ti­tel klei­ne­rer Bran­chen­ver­tre­ter wie Im­pax (–20%) und Lan­nett (–27%) ver­lo­ren noch stär­ker und er­hol­ten sich am Frei­tag nur teil­wei­se. No­var­tis ga­ben am Frei­tag in ei­nem schwa­chen Markt 1,2% nach.

Die Un­ter­su­chung läuft ge­mäss Bloom­berg seit zwei Jah­ren, ers­te Kla­gen könn­ten be­reits En­de Jahr kom­men. «Da­mit dürf­te der Druck auf Phar­ma­un­ter­neh­men stei­gen, sich mit dem US-Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um zu ver­glei­chen», sagt Mar­cel Mein­hardt, An­walt und Part­ner bei der Zürcher Kanz­lei Lenz & Sta­e­he­lin.

Die Hö­he mög­li­cher Ver­gleichs­zah­lun­gen oder Bus­sen ist schwer zu be­zif­fern. Es könn­te aber um Mil­li­ar­den ge­hen. Der Markt für Ge­ne­ri­ka ist rie­sig, die Zahl der in die Un­ter­su­chung in­vol­vier­ten Un­ter­neh­men ist gross. Zu­dem ha­ben ame­ri­ka­ni­sche Be­hör­den in jüngs­ter Zeit ho­he Bus­sen in an­de­ren Fäl­len aus­ge­spro­chen – vor al­lem ge­gen Ban­ken.

Doch es könn­te für die Ge­ne­ri­ka­her­stel­ler noch un­ge­müt­li­cher wer­den. «Im Zu­ge kar­tell­recht­li­cher An­kla­gen wer­den re­gel­mäs­sig auch zi­vil­recht­li­che Sam­mel­kla­gen bei US-Ge­rich­ten er­ho­ben. Die­se sind für die be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men häu­fig das noch grös­se­re fi­nan­zi­el­le Ri­si­ko», er­klärt An­walt Mein­hardt.

Die Phar­ma­bran­che steht in den USA, dem lu­kra­tivs­ten al­ler west­li­chen Arz­nei­mit­tel­märk­te, we­gen Me­di­ka­men­ten­prei­sen be­reits im po­li­ti­schen Fo­kus. Es ist auch ei­ne Fol­ge des Prä­si­dent­schafts­wahl­kampfs. Bis­her lag die Auf­merk­sam­keit al­ler­dings auf pa­tent­ge­schütz­ten Ori­gi­nal­prä­pa­ra­ten. Nun ist die Ver­mark­tung von Nach­ah­mer­pro­duk­ten zum Stein des An­stos­ses ge­wor­den.

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