Nu­me­ro dos

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE -

Neue We­ge will der Bau­stoff­kon­zern auch in der Dis­tri­bu­ti­on ge­hen. Nä­her an den End­kun­den: In Me­xi­ko soll die Zahl der von La­far­geHol­cim be­lie­fer­ten klei­nen Ver­kaufs­lä­den von 550 mit­tel­fris­tig auf über 2000 er­höht wer­den (ein Klacks im Ver­gleich zu In­di­en, wo der Kon­zern 100 000 Ab­satz­stel­len zählt). Wa­re be­stel­len kön­nen die Kun­den per Com­pu­ter und Han­dy auf dem Directa-In­ter­net­por­tal oder klei­ne­re Händ­ler via Bar­code. La­far­geHol­cim lie­fert bin­nen 24 St­un­den.

We­ni­ger Ka­pi­tal bin­den

In Ecua­dor hat La­far­geHol­cim zu­dem gu­te Er­fah­run­gen ge­macht mit dem Fran­chise-Kon­zept Di­sen­sa. Da­mit kann der Kon­zern die Gross­ver­tei­ler um­ge­hen und ei­nen schö­nen Teil der Mar­ge – 15 Pro­zent­punk­te mehr – selbst ein­sa­cken. Viel Ka­pi­tal muss er nicht ein­set­zen, die Shops ge­hö­ren den Be­trei­bern. Das Kon­zept soll eben­so in an­dern Schwel­len­län­dern lan­ciert wer­den.

Auch im Be­ton­misch­ge­schäft will der Kon­zern nicht mehr al­les selbst be­sit­zen: In Me­xi­ko hat er ein Drit­tel der An­la­gen an Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner ver­äus­sert. «Nun ver­kau­fen wir 7 bis 10% mehr Ze­ment als vor­her, aber mit we­ni­ger Ka­pi­tal­ein­satz», freut sich Me­xi­ko-Chef Mon­te­ro. Fi­nanz­mit­tel ef­fi­zi­en­ter ein­set­zen, um die ma­ge­re Ka­pi­tal­ren­di­te zu stei­gern, ist ein zen­tra­ler Teil der neu­en Kon­zern­stra­te­gie: Bis En­de 2017 ist ge­plant, wei­te­re An­la­gen im Wert von 5 Mrd. Fr. zu ver­äus­sern.

Wan­del zu ei­nem ser­vice­ori­en­tier­ten Un­ter­neh­men, Kun­den­seg­men­tie­rung – sol­ches klingt nicht eben neu. An­de­re In­dus­trie­zwei­ge ha­ben Din­ge wie den Fo­kus auf die Kun­den­be­dürf­nis­se längst ver­in­ner­licht und um­ge­setzt. Doch der Bau ist ei­ne sehr kon­ser­va­ti­ve Bran­che. Es braucht wohl ei­nen Ko­loss wie La­far­geHol­cim, um Ve­rän­de­run­gen im Markt durch­zu­set­zen – all­mäh­lich. Me­xi­ko zählt zu den zehn gröss­ten Ein­zel­märk­ten von La­far­geHol­cim. Seit Sommer wird die Län­der­ge­sell­schaft vom Fran­zo­sen Pas­cal Ca­s­a­no­va zu­sam­men mit den USA und Ka­na­da ge­führt, was dem Wirt­schafts­ver­bund Nafta ent­spricht. Die drei Län­der er­wirt­schaf­ten laut CEO Eric Ol­sen ei­nen «gros­sen Teil» des Um­sat­zes und des Be­triebs­ge­winns Ebit­da des Bau­stoff­kon­zerns. In ei­ner ak­tu­el­len Stu­die schätzt Mor­gan St­an­ley den Ebit­da-An­teil 2017 auf et­wa 30%. Für Me­xi­ko al­lein lau­tet die Schät­zung 7%. Nur die USA, Ka­na­da und In­di­en kom­men auf mehr.

In Latein­ame­ri­ka ist Me­xi­ko La­far­geHol­cims be­deu­tends­ter Ein­zel­markt. Der Kon­zern be­schäf­tigt 3000 Per­so­nen (3% des Ge­samt­be­stands) und be­treibt sie­ben Ze­ment­wer­ke; in ei­nem von ih­nen hat­te Gross­ak­tio­när Tho­mas Schmid­hei­ny nach dem Stu­di­um An­fang der Sieb­zi­ger­jah­re ge­ar­bei­tet. Da­zu kom­men un­ter an­de­rem 40 Be­ton­misch­an­la­gen so­wie ein For­schungs­zen­trum. Die Ze­ment­wer­ke sind zu 70% aus­ge­las­tet, was un­ge­fähr dem Kon­zern­durch­schnitt ent­spricht.

Von den sechs Ze­men­t­an­bie­tern in Me­xi­ko ist der Kon­zern der ein­zi­ge aus dem Aus­land. Den ei­ge­nen Markt­an­teil schätzt die fran­zö­sisch-schwei­ze­ri­sche Grup­pe auf 18 bis 20%; da­mit ist sie Nu­me­ro dos. Kla­re Num­mer eins ist ge­mäss Exa­ne BNP Cemex mit 48%. Hin­ter La­far­geHol­cim kom­men Cruz Azul und Moc­te­zu­ma, die zur Hälf­te dem ita­lie­ni­schen Ze­ment­kon­zern Buz­zi ge­hört. GCC und For­ta­le­za sind deut­lich klei­ner (vgl. Gra­fik).

Cruz Azul ist ge­nos­sen­schaft­lich or­ga­ni­siert und hat auch ei­ne Fuss­ball­mann­schaft glei­chen Na­mens. For­ta­le­za sind die ehe­ma­li­gen Ak­ti­vi­tä­ten von La­far­ge in Me­xi­ko, die 2014 noch vor der Fu­si­on mit Hol­cim an den me­xi­ka­ni­schen Mil­li­ar­där Car­los Slim ver­äus­sert wur­den. Hol­cim selbst ist seit 1928 in Me­xi­ko prä­sent.

Me­xi­ko ist die vier­zehnt­gröss­te Volks­wirt­schaft der Welt. Un­ter an­de­rem zählt das Land zu den gröss­ten Ex­por­teu­ren von Mo­bil­te­le­fo­nen und Au­to­mo­bi­len. Drei Vier­tel al­ler Aus­fuh­ren Latein­ame­ri­kas ent­fal­len auf Me­xi­ko. Ex­por­tiert wird vor al­lem in die USA. Drei Vier­tel der Wirt­schafts­leis­tung des Lan­des wer­den von der Bin­nen­nach­fra­ge ge­tra­gen. Sie wird pri­mär vom Pri­vat­kon­sum ge­stützt. Die öf­fent­li­chen In­ves­ti­tio­nen in In­fra­struk­tur wer­den 2017 im Ver­gleich zu 2014 we­gen Min­der­ein­nah­men aus dem Erd­öl­sek­tor ein Drit­tel nied­ri­ger sein.

Die Ze­ment­her­stel­ler pro­fi­tie­ren eben­falls von ei­ner ro­bus­ten Nach­fra­ge des Pri­vat­sek­tors, aus dem 70% der Bau­in­ves­ti­tio­nen stam­men. Für nächs­tes Jahr er­war­ten die Au­gu­ren ein Wachs­tum von 3,5% im Bau. Me­xi­ko zählt der­zeit nicht zu den Ein­zel­märk­ten, die CEO Eric Ol­sen be­son­de­re Sor­gen be­rei­ten.

«Mit Fran­chise-Kon­zep­ten kann La­far­geHol­cim die Gross­ver­tei­ler um­ge­hen und be­kommt viel mehr Mar­ge.»

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