Viel Vor­schuss­lor­bee­ren

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM -

Es hat we­nig gu­ter Nach­rich­ten be­durft, um bei Richemont ei­nen Kurs­sprung aus­zu­lö­sen. Bis zu 9% le­gen die Va­lo­ren am Frei­tag zu und er­rei­chen bei 69.05 Fr. den höchs­ten Stand seit An­fang Ja­nu­ar. Noch En­de Ju­ni – kurz nach dem Br­ex­it-Vo­tum –no­tier­ten Richemont bei 53.50 Fr.

Ur­sa­che für die­se Re­ak­ti­on wa­ren al­ler­dings nicht die Halb­jah­res­zah­len, son­dern der Kommentar zum Ok­to­ber-Um­satz, der aus An­le­ger­sicht be­dau­er­li­cher­wei­se nicht mehr im of­fi­zi­ell ab­ruf­ba­ren Do­ku­ment aus­ge­wie­sen wird. Für Zu­ver­sicht sorg­te vor al­lem die Ent­wick­lung im Gross­raum Chi­na. Erst­mals seit Mo­na­ten weist Richemont für die­se Re­gi­on, in der Fest­land­chi­na, Hong­kong und Ma­cau zu­sam­men­ge­fasst wird, ein po­si­ti­ves Wachs­tum aus.

Ge­mäss VR-Prä­si­dent Jo­hann Ru­pert ist Schmuck der Um­satz­trei­ber. In dem Seg­ment stos­sen die hoch­prei­si­gen Pro­duk­te wei­ter­hin auf ei­ne gu­te Nach­fra­ge. Bei den Uh­ren war in den letz­ten Mo­na­ten hin­ge­gen vor al­lem güns­ti­ge­re Mo­del­le ge­fragt ge­we­sen.

Das sind gu­te An­zei­chen, aber noch kei­ne Trend­wen­de – we­der für Richemont noch für Swatch Group. Ei­ne Sta­bi­li­sie­rung des Um­sat­zes ist zwar po­si­tiv, aber da­mit lässt sich die wei­ter­hin ho­he Be­wer­tung der bei­den Ti­tel noch nicht recht­fer­ti­gen.

Nach dem Kurs­sprung wird Richemont mit dem 25-Fa­chen des Ge­winns für 2016 be­wer­tet. Das liegt klar über dem lang­fris­ti­gen mitt­le­ren Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von 15 bis 16. So lan­ge sich der Ge­winn nicht er­holt, ist ei­ne sol­che Be­wer­tung nicht nach­hal­tig.

Zu­nächst muss Richemont be­wei­sen, dass das ers­te Halb­jahr tat­säch­lich den Tief­punkt bil­det. Wäh­rend der Um­satz mit ei­nem Mi­nus von 13% noch mo­de­rat nach­gab, fie­len die Ge­winn­zah­len um die Hälf­te. Der Ebit be­trägt 798 Mio. €, im Vor­jahr hat­te er noch deut­lich über der Mil­li­ar­den­gren­ze ge­le­gen. Die Ebit-Mar­ge fiel von 24 auf 16%.

Trotz des Ein­bruchs wur­den die zu­letzt tief ge­senk­ten Er­war­tun­gen leicht über­trof­fen. Das lag auch dar­an, dass der Sep­tem­ber für die Uh­ren- und Schmuck­her­stel­ler bes­ser aus­fiel als pro­gnos­ti­ziert.

Die ent­schei­den­de Fra­ge ist, ob Richemont fä­hig ist, den Um­satz auch im No­vem­ber und De­zem­ber zu er­hö­hen, um das von VR-Prä­si­dent Ru­pert an­vi­sier­te kon­ti­nu­ier­li­che Wachs­tum zu er­rei­chen. Zu­min­dest hat er pro­phy­lak­tisch die Mar­gen­zie­le für das Ge­samt­jahr über­ra­schend tief an­ge­setzt – und steht da­mit im Ge­gen­satz zu sei­nen Kon­kur­ren­ten, die ein po­si­ti­ves zwei­tes Halb­jahr se­hen. Die Ak­ti­en sind auf dem ak­tu­el­len Ni­veau kein Kauf. Al­le Fi­nanz­da­ten zu Richemont im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer: www.fuw.ch/CFR

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