Ge­frag­te Gru­sel­ge­füh­le

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Lässt sich der Hor­ror noch stei­gern? Ge­wiss, mei­nen die Leu­te des Ki­no­be­trei­bers Ci­ne­p­lex ( To­ron­to: CGX; Kurs: 50.49 kan. $, Markt­wert von 3,2 Mrd. kan. $ oder 2,3 Mrd. Fr.) Sie be­fes­ti­gen zu dem Zweck an den Ki­no­sit­zen auf Fuss­hö­he ein Plas­tik­teil, das die Ki­no­be­su­cher bei un­heim­li­chen Sze­nen kit­zelt: «Das gibt den Leu­ten ein grus­li­ges Ge­fühl», sagt die Ci­ne­p­lex-Spre­che­rin Sa­rah von Lan­ge und fügt an: «Im Ses­sel an­ge­brach­te Nop­pen vi­brie­ren und ver­mit­teln den Ein­druck, als ob man mit­ten in der Hand­lung des Fil­mes ste­he.»

Sol­che Aus­stat­tung ge­hört zu den vor al­lem in Asi­en sehr po­pu­lä­ren 4DX-Ki­nos. Auch die auf Ka­na­da aus­ge­rich­te­te Ci­ne­p­lex er­öff­net die­ser Ta­ge in To­ron­to erst­mals ein sol­ches Au­di­to­ri­um, das das Fil­m­er­leb­nis mit Düf­ten und Um­welt­ef­fek­ten wie Wind, Schnee oder Nie­sel­re­gen be­rei­chert. Ven­ti­la­to­ren er­zeu­gen da­bei Wind, von sanf­ten Lüft­chen bis hef­ti­ge­ren Bö­en. Ei­ne Ma­schi­ne, die zwi­schen der ers­ten Zu­schau­er­rei­he und der Lein­wand in­stal­liert ist, kann syn­the­ti­schen Schnee rie­seln las­sen. Mit ei­nem Ven­ti­la­tor und Was­ser, das durch die De­cke ge­lei­tet wird, pro­du­ziert man Re­gen, der eher fei­ner Ne­bel ist. Ge­rü­che wer­den mit­hil­fe kom­pri­mier­ter Luft aus Pa­tro­nen ver­teilt, das Spek­trum reicht von Ro­sen­düf­ten über Berg­luft, Schiess­pul­ver, ver­brann­tem Gum­mi bis zu Gras- und Meer­ge­ruch.

Sol­ches Ki­no kom­me gut an bei den Ka­na­di­ern, glaubt Ci­ne­p­lex-Spre­che­rin Lan­ge. Er­folg­reich sind auch an­de­re For­men von Er­leb­nis­ki­no, wie mit ser­vier­tem Es­sen in­klu­si­ve Al­ko­hol in Re­stau­ranta­m­bi­en­te vor dem Film oder mit über­wei­ten Lein­wän­den, die die Zu­schau­er qua­si in den Film hin­ein­zie­hen. So will Ci­ne­p­lex, mit 1678 Lein­wän­den in 164 Ki­nos und ei­nem Markt­an­teil von 93% Ka­na­das gröss­te Ki­no­ket­te, der neu­en Kon­kur­renz Pa­ro­li bie­ten: Net­flix und an­de­re Strea­m­in­gdi­ens­te gel­ten weit­her­um als Be­dro­hung für die tra­di­tio­nel­le Ki­noun­ter­hal­tung.

Für Er­leb­nis­ki­no sind Kun­den aber of­fen­kun­dig be­reit, teu­re­re Ein­tritts­kar­ten zu be­zah­len. Das ver­gan­ge­ne Ge­schäfts­jahr war für Ci­ne­p­lex das bis­her bes­te: So stie­gen der Um­satz 11% auf 1,37 Mrd. kan. $ und der Ge­winn 76% auf 134,2 Mio. kan. $. Auch das ers­te Quar­tal des lau­fen­den Jah­res ver­lief aus­ge­zeich­net – aber dann fiel der Ge­winn im zwei­ten Quar­tal ver­g­li­chen zur sel­ben Vor­jah­res­pe­ri­ode um 72%, weil ei­ni­ge Fil­me flopp­ten. Mit dem neu­en 4DX-Ki­no hat Ci­ne­p­lex aber gu­te Chan­cen, die­se Flau­te wett­zu­ma­chen.

Die Ci­ne­p­lex-Ak­ti­en wir­ken mit ei­nem ge­schätz­ten Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 2017 von 25 eher teu­er, das re­la­ti­viert sich aber mit Blick auf den ähn­lich be­wer­te­ten Ki­no­thea­ter­spe­zia­lis­ten IMAX (KGV 2017: 24). Zu­dem ist Ci­ne­p­lex so­li­de fi­nan­ziert, die Ei­gen­ka­pi­tal­quo­te be­trägt 45%. Die Ge­sell­schaft er­höht auch die mo­nat­lich aus­ge­schüt­te­te Di­vi­den­de re­gel­mäs­sig. Auf Ba­sis der ak­tu­el­len Aus­schüt­tung er­gibt sich ei­ne Ren­di­te von 3,2%. Die Ak­ti­en sind ei­ne Emp­feh­lung wert. Ge­mäss Bloom­berg ha­ben sechs von zwölf Ana­lys­ten sie auf Kau­fen ein­ge­stuft.

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