In­fla­ti­ons­si­gnal vom Job­markt

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - CG

Die Zins­er­hö­hung in den USA rückt nä­her. Das deu­ten die Da­ten zum Ar­beits­markt für Ok­to­ber an. Die ame­ri­ka­ni­sche Wirt­schaft hat 161 000 Stel­len ge­schaf­fen, was zwar et­was we­ni­ger sind, als Öko­no­men er­war­te­ten. Da­für wur­den je­doch die Zah­len der bei­den Vor­mo­na­te um 44 000 Jobs nach oben re­vi­diert. Auch ist die Ar­beits­lo­sen­quo­te leicht auf 4,9% ge­sun­ken.

Bis zur nächs­ten Sit­zung des Fe­deral Re­ser­ve von Mit­te De­zem­ber sind es we­ni­ger als sechs Wo­chen. Bis da­hin wird der US-No­ten­bank ein wei­te­rer Be­richt zum Ar­beits­markt zur Ver­fü­gung ste­hen. Nach dem Tref­fen von die­ser Wo­che hat sie noch­mals be­kräf­tigt, dass «sich die Ar­gu­men­te für ei­ne Zins­er­hö­hung ver­stärkt ha­ben». Als Grund da­für gab sie die Auf­hel­lung der Kon­junk­tur­la­ge im zwei­ten Halb­jahr so­wie kon­ti­nu­ier­li­che Ver­bes­se­run­gen im Job­sek­tor an.

Gröss­ter An­stieg seit 2009

Die Lohn­ent­wick­lung wird der Fe­dChe­fin Ja­net Yel­len Mut zum Zins­schritt ma­chen. Das Stel­len­wachs­tum hat sich die­ses Jahr zwar ver­lang­samt. Ka­men in den letz­ten zwei Jah­ren im Durch­schnitt je­weils rund 250 000 re­spek­ti­ve 230 000 Stel­len pro Mo­nat hin­zu, sind es 2016 180 000. Auch ver­harrt die Er­werbs­quo­te auf historisch tie­fem Ni­veau. Da­für zie­hen aber die Löh­ne an, wor­auf Yel­len be­son­ders ge­nau ach­tet. Ver­g­li­chen mit dem Vor­mo­nat nahm der durch­schnitt­li­che St­un­den­lohn im Ok­to­ber um 2,8% zu, und für Sep­tem­ber wur­de das Wachs­tum nach oben kor­ri­giert.

«Die Löh­ne stei­gen mit dem höchs­ten Tem­po seit 2009. Das wird die USNo­ten­bank in ih­rer An­sicht be­stä­ti­gen, dass der Ar­beits­markt an Rei­fe ge­winnt», denkt Marc Chand­ler, Chef-De­vi­sen­stra­te­ge der Bank Brown Bro­thers Har­ri­man & Co. «Hö­he­re Löh­ne gel­ten als wich­ti­ger Fak­tor für ei­ne an­zie­hen­de Kern­in­fla­ti­on, die das Fed im Vi­sier hat», fügt er hin­zu. «Ins­ge­samt lie­gen die Zah­len zum Ar­beits­markt im Rah­men der Er­war­tun­gen, wo­mit ei­ne Zins­er­hö­hung im nächs­ten Mo­nat das wahr­schein­lichs­te Sze­na­rio ist.»

Ner­vo­si­tät an den Bör­sen

An der Ter­min­bör­se CME rech­nen In­ves­to­ren mit ei­ner 70%-Chan­ce, dass es an der nächs­ten Fed-Sit­zung zur Straf­fung der Geld­po­li­tik kommt. Die Fi­nanz­märk­te ge­hen schon seit län­ge­rem von ei­nem Zins­schritt aus, wes­halb die Job­zah­len kei­ne grös­se­ren Kurs­be­we­gun­gen aus­ge­löst ha­ben. Mit Blick auf die Prä­si­dent­schafts­wah­len am Di­ens­tag nimmt die An­span­nung je­doch zu. Der Leit­in­dex S&P 500 schloss am Don­ners­tag er­neut tie­fer und gab da­mit die ach­te Bör­sen­sit­zung in Fol­ge nach. Das kam letzt­mals im Herbst 2008 vor. Am Frei­tag­mor­gen ten­dier­te er fes­ter.

Ein Sieg von Do­nald Trump und ei­ne mög­li­che Schock­re­ak­ti­on an den Märk­ten wird denn auch als das gröss­te Ri­si­ko ein­ge­stuft, das die Zins­plä­ne des Fed durch­kreu­zen könn­te (vgl. Sei­te 21). Die Er­in­ne­run­gen an die Tur­bu­len­zen nach der Br­ex­it-Ab­stim­mung sind sehr prä­sent. Ein wich­ti­ger Ter­min ist da­her der 11. No­vem­ber, wenn Fed-Vi­ze­chef St­an­ley Fi­scher ein grös­se­res Re­fe­rat hält. Wei­te­re An­halts­punk­te zum Denk­pro­zess der Wäh­rungs­hü­ter wird dann am 23. No­vem­ber das Pro­to­koll zur letz­ten Fed-Sit­zung ge­ben.

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