Im Bann der US-Wahl

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - STE­FAN GRA­BER,

Bei ei­nem Wahl­sieg von Trump wird der Gold­preis hoch­schies­sen.

Nach ei­nem ful­mi­nan­ten Start ins Jahr er­leb­te Gold ein durch­zo­ge­nes drit­tes Quar­tal. Die Ral­ly nach der Br­ex­itAb­stim­mung brach­te die Prei­se bis auf Jah­res­hochs um 1375 $, be­vor der Markt wie­der an Schwung ver­lor. Die Neu­be­ur­tei­lung der Markt­teil­neh­mer be­züg­lich ei­ner Leitzinserhöhung der US-No­ten­bank ve­r­un­si­cher­te die Gol­din­ves­to­ren. Als sich die US-Wirt­schafts­da­ten wie­der leicht ver­bes­ser­ten und die Wahr­schein­lich­keit ei­nes Zins­schritts im De­zem­ber zu stie­gen be­gann, ver­lor Gold an Bo­den. An­fang Ok­to­ber kor­ri­gier­te der Gold­preis bis auf 1250 $. Stei­gen­de US-Bond­ren­di­ten und der wie­der er­stark­te Dol­lar spiel­ten da­bei ei­ne zen­tra­le Rol­le, da die In­ves­to­ren­flüs­se stark von die­sen bei­den Va­ria­blen ab­hän­gen. Die Kor­rek­tur war in­des we­nig über­ra­schend, da ein stei­gen­der Gold­preis zur Kon­sens­mei­nung ge­wor­den war. Die spe­ku­la­ti­ven Long­po­si­tio­nen an den Ter­min­bör­sen hat­ten so­gar ein All­zeit­hoch er­reicht. Ko­tier­te Gold­fonds (Gold-ETF) ver­zei­chen­ten seit Be­ginn des Jah­res eben­falls star­ke Zuflüs­se, und Short­po­si­tio­nen wur­den re­du­ziert. Wäh­rend der jüngs­ten Kon­so­li­die­rungs­pha­se ist zu­dem die im­pli­zi­te Vo­la­ti­li­tät an den Op­ti­ons­märk­ten ge­fal­len, was ei­ne ab­neh­men­de Ner­vo­si­tät be­züg­lich mög­li­cher Preis­aus­schlä­ge an­deu­tet. Ei­ne sol­che Aus­gangs­la­ge be­deu­tet je­doch, dass der Markt an­fäl­lig wird, so­bald sich die Markt­stim­mung auch nur leicht ver­än­dert.

Fun­da­men­tal hat sich am Gold­markt seit Jah­res­be­ginn je­doch we­nig ver­än­dert. Neus­te An­ge­bots- und Nach­fra­ge­da­ten von GFMS Thom­son Reuters zei­gen, dass Fi­nanz­in­ves­to­ren nach wie vor den Ton an­ge­ben, wäh­rend der Pri­mär­markt schwä­chelt. Trotz ei­nes sai­so­na­len An­stiegs im Schmuck­sek­tor im drit­ten Quar­tal re­sul­tiert im Jah­res­ver­gleich ein star­ker Rück­gang. Auch Zen­tral­ban­ken und die In­dus­trie kau­fen we­ni­ger Gold. Die Nach­fra­ge nach Bar­ren und Mün­zen ist eben­falls deut­lich ge­sun­ken.

Auf der An­ge­bots­sei­te ver­zeich­ne­te die Mi­nen­pro­duk­ti­on ei­ne leicht Schrump­fung. Der Rück­gang wur­de je­doch durch die Zu­nah­me des Alt­gold­an­ge­bots mehr als kom­pen­siert. Zu­sam­men­ge­fasst re­sul­tier­te im drit­ten Quar­tal ein Pri­mär­über­schuss von 386 Ton­nen, der je­doch nur teil­wei­se von den Fi­nanz­in­ves­to­ren ab­sor­biert wur­de. Das er­klärt, wes­halb sich der Gold­preis nicht auf dem ho­hen Ni­veau kurz nach dem Br­ex­it hal­ten konn­te.

An­ge­sichts der ho­hen Ab­hän­gig­keit von den Fi­nanz­in­ves­to­ren ist der US-(Re­al-)Zins- und Wäh­rungs­aus­blick für die Ent­wick­lung des Gold­prei­ses zen­tral. Da­bei soll­te ei­ne be­hut­sa­me Zins­straf­fung der US-No­ten­bank bei gleich­zei­ti­ger Nor­ma­li­sie­rung der In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen Gold nicht stark scha­den, so­lang der Dol­lar in ei­ner Seit­wärts­be­we­gung bleibt. An­ge­sichts des­sen dürf­te auch der Gold­preis eben­falls kei­ne gros­sen Sprün­ge ma­chen. Des­halb ist der­zeit ei­ne mo­de­ra­te Al­lo­ka­ti­on in Gold nur aus Di­ver­si­fi­ka­ti­ons­grün­den zu emp­feh­len.

Aus­ser Do­nald Trump ge­winnt die Prä­si­dent­schafts­wah­len. Dann könn­te die Markt­un­si­cher­heit dem Edel­me­tall zu ei­nem er­neu­ten, wenn auch nur vor­über­ge­hen­den Hö­hen­flug ver­hel­fen. Die jüngs­ten Ent­wick­lun­gen lie­fer­ten ei­nen Vor­ge­schmack: Der Preis­an­stieg bei Gold seit Mit­te Ok­to­ber auf über 1300 $ ging ein­her mit ver­bes­ser­ten Um­fra­ge­wer­ten für Trump. Bei ei­nem Sieg Cl­in­tons könn­te Gold wie­der et­was nach­ge­ben, da beim Sta­tus quo der Un­si­cher­heits­fak­tor in den Hin­ter­grund rückt und sich der Markt wie­der auf die be­vor­ste­hen­de Fe­dEnt­schei­dung kon­zen­triert.

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