Trump ver­schreckt Märk­te

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - THO­MAS HEL­LER,

Der US-Wahl­kampf ist zum al­les be­herr­schen­den The­ma ge­wor­den.

Der US-Wahl­kampf steht im Mit­tel­punkt des In­ter­es­ses. Die neu­er­li­che FBI-Un­ter­su­chung ge­gen Hil­la­ry Cl­in­ton liess ih­ren Vor­sprung zu Do­nald Trump ab­schmel­zen. Ein­zel­ne Um­fra­gen si­gna­li­sier­ten gar ei­nen mi­ni­ma­len Vor­sprung für Trump – erst­mals seit Mai. In der Fol­ge ge­rie­ten die Ak­ti­en­märk­te un­ter Druck.

Da half es we­nig, dass die Quar­tals­er­geb­nis­se der Un­ter­neh­men bis­her ins­ge­samt sehr so­li­de aus­ge­fal­len sind. Von der Ri­si­ko­scheu pro­fi­tie­ren konn­ten si­che­re Staats­an­lei­hen. Der jüngs­te Zins­an­stieg wur­de ge­stoppt. Auch der Preis für Gold leg­te zu, wo­bei der An­stieg al­ler­dings eher dem Rück­schlag des Dol­lars zu­zu­schrei­ben ist.

Zwei­fel an Opec

Der Öl­preis notiert wie­der un­ter dem Ni­veau vor der Opec-An­kün­di­gung von En­de Sep­tem­ber, die Pro­duk­ti­on zu dros­seln. Es zeigt sich im­mer mehr, dass die Ab­sicht schwie­rig in die Tat um­zu­set­zen ist: Die Ver­hand­lun­gen sto­cken, ver­schie­de­ne Län­der for­dern Aus­nah­men oder zwei­feln die OpecS­ta­tis­ti­ken an, weil sie mehr pro­du­zie­ren wol­len. Der Streit gip­fel­te am Frei­tag in der Dro­hung Sau­di Ara­bi­ens, die Öl­pro­duk­ti­on zu er­hö­hen, falls Erz­ri­va­le Iran die För­de­rung nicht dross­le. Auch die USLa­ger­da­ten deu­ten auf reich­lich An­ge­bot: Sie zeig­ten am Mitt­woch den stärks­ten An­stieg seit Be­ginn der Mes­sun­gen 1982.

Die neu­en FBI-Ent­hül­lun­gen ge­gen Cl­in­ton ha­ben auch den De­vi­sen­markt be­wegt. Si­che­re Hä­fen wie der Fran­ken stan­den hoch im Kurs. Der Eu­ro fiel zum Fran­ken erst­mals seit dem Br­ex­itSchock wie­der un­ter 1.08 Fr./€. Der Dol­lar tou­chier­te die Mar­ke von 0.97 Fr./$. Der­weil hat die US-No­ten­bank (Fed) kei­ne Än­de­rung der Geld­po­li­tik ver­kün­det. Der Wort­laut des State­ments deu­tet aber dar­auf hin, dass das Fed nur noch we­nig wei­te­re Evi­denz be­nö­tigt, um die Zin­sen im De­zem­ber um 25 Ba­sis­punk­te zu er­hö­hen. Der Markt rech­net mit 78% Wahr­schein­lich­keit.

Das Obers­te Ge­richt von En­g­land und Wa­les hat ge­ur­teilt, dass nicht die Re­gie­rung, son­dern das Par­la­ment ent­schei­den muss, wann der EU-Aus­tritt aus­ge­löst wer­den soll. Da­mit ist der Br­ex­itFahr­plan von Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May in Ge­fahr, die den Aus­tritt schon En­de März 2017 be­an­tra­gen woll­te. Die Re­gie­rung hat des­halb um­ge­hend Be­ru­fung ein­ge­legt. An­fang De­zem­ber wird nun der Su­pre­me Court dar­über be­fin­den. Ju­ris­ten er­war­ten ei­ne Be­stä­ti­gung des Ur­teils. VOb der Br­ex­it hin­aus­ge­zö­gert wird, ist noch nicht ab­zu­se­hen. Das seit Ju­ni an Ma­ger­sucht lei­den­de Pfund stieg nach dem Rich­ter­spruch von 1.19 Fr./£ auf 1.21 Fr./£. Für zu­sätz­li­chen Schub sorg­te die Bank von En­g­land (BoE), die an ih­rer mo­ne­tä­ren Aus­rich­tung fest­hält. Ei­ne er­neu­te Zins­sen­kung scheint we­gen hö­he­ren In­fla­ti­ons- und Wachs­tums­pro­gno­sen un­wahr­schein­lich.

Auf­schwung­si­gna­le

Die glo­ba­le Kon­junk­tur hat ge­mäss jüngs­ten Früh­in­di­ka­to­ren an Dy­na­mik ge­won­nen. Die klei­nen Wachs­tums­stö­run­gen im Au­gust und Sep­tem­ber schei­nen über­wun­den. An­fang der Wo­che si­gna­li­sier­ten die Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes (PMI) aus der In­dus­trie ei­ne Wachs­tums­be­schleu­ni­gung. Die­se wur­de nun von der Ok­to­ber-Um­fra­ge im Di­enst­leis­tungs­sek­tor be­stä­tigt. Die Ser­vices PMI no­tier­ten so­wohl in den USA (54,8) als auch in der Eu­ro­zo­ne (52,8) klar über der Wachs­tums­schwel­le von 50. Als Wachs­tums­mo­tor in der Eu­ro­zo­ne fun­gie­ren nach wie vor Deutsch­land (PMI Ser­vices 54,2) und Spa­ni­en (54,6). Die Ent­wick­lung in der Eu­ro­zo­ne syn­chro­ni­siert sich aber zu­se­hends, la­gen die Wer­te doch auch bei den Sor­gen­kin­dern Ita­li­en (51) und Frank­reich (51,4) über der 50er-Mar­ke.

Der US-Ar­beits­markt bleibt ro­bust. Die Ar­beits­lo­sen­quo­te sank im Ok­to­ber auf 4.9%, was fak­tisch Voll­be­schäf­ti­gung ist. Die neu­en Stel­len blie­ben mit 161 000 zwar hin­ter den Er­war­tun­gen (173 000), doch wur­den die bei­den Vor­mo­na­te um 44 000 Jobs nach oben re­vi­diert. Die über Er­war­ten ho­he Zu­nah­me der St­un­den­löh­ne um 2,8% zum Vor­jahr be­stä­tigt die zu­neh­men­de An­span­nung am Ar­beits­markt. Fun­da­men­tal ge­se­hen steht ei­ner Zins­an­he­bung im De­zem­ber nichts ent­ge­gen.

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