Der Cre­dit-Suis­se-Mann frem­delt noch

Finanz und Wirtschaft - - TEC -

Im­ran Khan ist ein Mann der Wall­s­treet. Den Va­ter von zwei Kin­dern hat es nach Jah­ren im Fi­nanz­zen­trum New York an die West­küs­te zu ei­nem Start-up ver­schla­gen, das von ei­nem 26-Jäh­ri­gen ge­lei­tet wird und des­sen Smart­pho­ne-App Te­enager un­ter­hält.

Khan ar­bei­te­te bis Früh­ling 2011 bei der Bank J. P. Mor­gan. Als lei­ten­der Ana­lyst für die In­ter­net-Bran­che deck­te der End­dreis­si­ger, der ei­nen Ab­schluss in Fi­nanz­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Den­ver hat, Ti­tel wie Goog­le, Ama­zon und Yahoo ab. Dann kam der Wech­sel zur Kon­kur­ren­tin Cre­dit Suis­se. Hier ar­bei­te­te er wie­der­um für die In­ter­net-Bran­che im In­vest­ment Ban­king. So sass er mit am Tisch, als der chi­ne­si­sche In­ter­net­händ­ler Ali­ba­ba die Erst­plat­zie­rung an der Bör­se in New York vor­be­rei­te­te und da­zu u. a. Cre­dit Suis­se be­auf­trag­te. Das Initi­al Pu­b­lic Of­fe­ring Ali­ba­bas im Sep­tem­ber 2014 gilt als ei­ner der welt­weit gröss­ten Bör­sen­gän­ge.

Im­ran Khan scheint Ta­lent da­für zu ha­ben, ei­nen Bör­sen­gang vor­zu­be­rei­ten und da­bei um die Gunst der In­ves­to­ren zu buh­len. Das sind Fä­hig­kei­ten, die bei Snap si­cher ge­schätzt wer­den. Nach dem Um­zug an die West­küs­te dürf­te al­ler­dings nicht nur das war­me Wet­ter am Snap-Haupt­sitz in Ve­nice, ei­nem Stadt­teil im Wes­ten Los An­ge­les, ge­wöh­nungs­be­dürf­tig sein. Als Chief Stra­te­gy Of­fi­cer muss der ehe­ma­li­ge In­vest­ment­ban­ker wei­te­re Ka­nä­le für den Ver­kauf von Wer­bung er­schlies­sen und neue Pro­duk­te lan­cie­ren. Da­bei will Khan in der Öf­fent­lich­keit vor al­lem her­vor­strei­chen, dass Snap viel mehr kön­ne, als nur ei­ne bei Ju­gend­li­chen be­lieb­te Smart­pho­ne-App zu be­trei­ben.

Er ver­spricht nichts we­ni­ger, als mit Snap die Ka­me­ra neu er­fin­den zu wol­len. So dringt die Tech­no­lo­gie­fir­ma in den Hard­ware­be­reich vor und hat jüngst ei­ne Son­nen­bril­le vor­ge­stellt, mit de­ren ein­ge­bau­ter Ka­me­ra Fo­tos und Vi­de­os für Snap­chat auf­ge­nom­men wer­den kön­nen. Das klingt nicht son­der­lich in­no­va­tiv und er­in­nert stark an Googles vor­erst ge­schei­ter­tes Da­ten­bril­len­pro­jekt Goog­le Glass. Laut Chief Stra­te­gy Of­fi­cer Khan wol­le man aber bald nach­le­gen, Snap ste­he mit der Bril­le Spect­a­cles erst am An­fang ei­ner Se­rie neu­er Pro­duk­te, so ver­heisst er.

Fast zwei Jah­re nach sei­ner Er­nen­nung zum Chief Stra­te­gy Of­fi­cer muss sich Im­ran Khan noch in das ihm we­nig ver­trau­te Mi­lieu der Tech­no­lo­gie-Start-ups ein­le­ben. Nichts macht das deut­li­cher, als wenn er an ei­ner Kon­fe­renz im für die Bran­che ob­li­ga­ten Ka­pu­zen­pull­over auf­tritt – dar­un­ter aber ein weis­ses, ak­ku­rat ge­bü­gel­tes Hemd trägt.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.