Ru­hi­ge­re See in Sicht

Finanz und Wirtschaft - - SERIE: EUROPÄISCHE BANKEN - AS

Die gröss­te Con­tai­ner-Ree­de­rei der Welt ist auf Sch­lin­ger­kurs. Mo­el­ler-Ma­ersk (Ko­pen­ha­gen: MAERSKB; Kurs 9655 dKr., Bör­sen­wert 196 Mrd. dKr. oder 28,4 Mrd. Fr.) hat An­fang No­vem­ber im Kern­ge­schäft zum zwei­ten Mal in Fol­ge ei­nen Quar­tals­ver­lust ge­mel­det. Der Bör­sen­kurs tauch­te 7%.

Über­ra­schend kam das Re­sul­tat nicht: Der Welt­han­del lahmt seit acht Jah­ren, im Schiff­han­del be­steht ge­wal­ti­ge Über­ka­pa­zi­tät, die Fracht­ra­ten sind auf et­wa ein Drit­tel ge­sun­ken, ge­mes­sen am Hoch vor der Fi­nanz­kri­se. Im drit­ten Quar­tal schrumpf­te die Durch­schnitts­ra­ten von Ma­ersk Li­ne im Ver­gleich zum Vor­jah­res­quar­tal 16%, ob­schon die Kon­kursan­kün­di­gung der ko­rea­ni­schen Han­jin kurz­fris­tig auf ei­ni­gen Han­dels­li­ni­en für hö­he­re Fracht­ra­ten sorg­te.

Auf­spal­tung

We­gen der de­so­la­ten Markt­be­din­gun­gen su­chen die Ree­de­rei­en nach Grös­se. Über­nah­men und Al­li­an­zen sol­len die Wett­be­werbs­fä­hig­keit stär­ken. Der dä­ni­sche Con­tai­ner-Rie­se ist mit ei­nem Markt­an­teil von 15,6% die Num­mer eins. Da­hin­ter folgt die von Genf aus ge­lei­te­te Me­di­ter­ra­ne­an Ship­ping Com­pa­ny (MCS) mit 13,4%. Die fran­zö­si­sche CMA CGM hat die Num­mer-dreiPo­si­ti­on (10,3%) mit dem Kauf von NOL in Sin­ga­pur aus­ge­baut. Die deut­sche Ha­pag-Lloyd, an der der Be­sit­zer von Küh­ne + Na­gel, Klaus-Micha­el Küh­ne, 20% hält, hat zwei Fu­sio­nen hin­ter sich, ist aber nicht ent­schei­dend nä­her die gros­sen drei her­an­ge­rückt.

Mo­el­ler-Ma­ersk hat re­agiert. Der neue CEO hat an­ge­kün­digt, der Kon­zern wer­de sich auf das Kern­ge­schäft Trans­port und Lo­gis­tik kon­zen­trie­ren. Die Ener­gie­spar­te soll in­ner­halb von zwei Jah­ren ab­ge­trennt wer­den, durch Fu­si­on, ein Jo­int Ven­ture oder ei­nen Gang an die Bör­se. Sie lei­det un­ter dem Öl­preis­zer­fall und ist in der Bran­che ein klei­ner Mit­be­wer­ber.

Ver­schrot­tung

Die Bro­ker Cre­dit Suis­se und J. P. Mor­gan ha­ben ihr Kurs­ziel für die Ak­ti­en auf der Ba­sis des jüngs­ten Quar­tals­re­sul­tats von Mo­el­ler-Ma­ersk zwar zu­rück­ge­nom­men. Sie emp­feh­len die Va­lo­ren aber im­mer noch zum Kauf.

Die Ana­lys­ten der CS er­war­ten, dass das Ma­nage­ment des dä­ni­schen Kon­zerns am kom­men­den In­ves­to­ren­tag drei Mass­nah­men zur Er­geb­nis­ver­bes­se­rung im Ree­de­r­ei­ge­schäft be­kannt gibt: neue Ver­trä­ge mit hö­he­ren Ra­ten, Kos­ten­sen­kungs­mass­nah­men und ei­ne Re­duk­ti­on der Ka­pi­tal­aus­ga­ben. J. P. Mor­gan geht da­von aus, dass sich die Kluft zwi­schen Ka­pa­zi­tät und Nach­fra­ge all­mäh­lich ver­rin­gern wird. Noch nie sei­en so vie­le Trans­port­schif­fe ver­schrot­tet wor­den wie in jüngs­ter Zeit.

Ge­mäss Bloom­berg ha­ben 15 von 29 Fi­nanz­ana­lys­ten die Ak­ti­en von Mo­el­lerMa­ersk auf «Kau­fen» ein­ge­stuft. Das Kurs­ziel auf zwölf Mo­na­te be­trägt im Durch­schnitt 10 673 dKr., ein Plus von 11%. An­le­ger müs­sen je­doch see­tüch­tig und stur­mer­probt sein.

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