Ein Blick auf Mi­nen­ak­ti­en

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AL­FONS CORTES

Trends an den Bör­sen en­den im­mer ent­we­der in ei­ner zeit­rau­ben­den trend­lo­sen Vo­la­ti­li­tät ( Typ 1) oder in ei­ner mas­si­ven Be­schleu­ni­gung ei­nes schon län­ger be­ste­hen­den Trends ( Typ 2). Die Ak­ze­le­ra­ti­on wird da­bei von hek­ti­scher Be­richt­er­stat­tung be­glei­tet, de­ren we­sent­li­ches Merk­mal da­rin be­steht, den bis­he­ri­gen Trend, der be­reits län­ge­re Zeit ge­dau­ert und gros­se Kurs­ver­än­de­run­gen her­bei­ge­führt hat, in die Zu­kunft zu ex­tra­po­lie­ren. Gleich­zei­tig bren­nen die Fan­ta­si­en mit den Kom­men­ta­to­ren durch, die glän­zen­de (in über­hitz­ten Haus­se­märk­ten) oder düs­te­re (in ak­ze­le­rie­ren­den Bais­se­märk­ten) Aus­sich­ten pro­gnos­ti­zie­ren.

Dass die­se Ten­denz do­mi­niert, soll­te uns nicht über­ra­schen, hat doch der be­kann­te Ge­hirn­for­scher Prof. Wolf Sin­ger im In­ter­view mit FuW (vgl. www.fuw. ch/091116-5) er­klärt: «Un­se­re ko­gni­ti­ven Sys­te­me sind un­ter der An­nah­me op­ti­miert wor­den, es ge­he in der Welt li­ne­ar zu.» Das «gros­se Er­stau­nen» kom­me dann, wenn sich Trends in ei­ne Rich­tung ent­wi­ckeln, «die wir nicht an­ti­zi­piert ha­ben». Ei­ne der wich­tigs­ten Lek­tio­nen für Börsianer ist, sich Ve­rän­de­run­gen vor­stel­len zu kön­nen, um nicht er­staunt zu sein, wenn sie ein­tre­ten. Gleich­zei­tig muss man ei­ne Vor­stel­lung ha­ben, wel­che Ver­hal­tens­än­de­rung es braucht, dass die Li­nea­ri­tät en­det.

Wie lan­ge Trends gül­tig sind

Trend­brü­che sind nicht an Trend­li­ni­en oder glei­ten­den Durch­schnit­ten fest­zu­ma­chen, son­dern an der Ve­rän­de­rung der Ver­hal­tens­mus­ter, die in Kurs- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mus­tern zum Aus- druck kom­men, auf die die er­wähn­te kur­ze Be­schrei­bung zu­trifft. Zu­dem dau­ern Trends meist län­ger, als (fast) al­le er­war­ten. Die­ses Jahr ha­ben wir in zwei Sek­to­ren das En­de von Trends nach Typ 2 ge­se­hen: in Öl- und in Mi­nen­ak­ti­en. Gleich­zei­tig ist seit März 2015 im S&P 500 ein Tren­den­de des Typs 1 zu be­ob­ach­ten.

In Ölak­ti­en ist wahr­schein­lich ein neu­er Trend, von fal­lend auf stei­gend, ent­stan­den. In di­ver­si­fi­zier­ten Mi­nen­ak­ti­en wie Anglo Ame­ri­can und Mit­be­wer­bern ist es so gut wie si­cher, in Gold­mi­nen­ti­teln ist die Si­tua­ti­on eher un­güns­tig, was da­mit zu tun hat, dass der Gold­preis nach En­de des Ab­wärts­trends kei­nen mo­men­tumstar­ken Auf­wärts­trend ge­bil­det hat.

Er­mu­ti­gen­de Ant­wort

Zu den breit di­ver­si­fi­zier­ten Mi­nen­ak­ti­en stel­len sich zwei Fra­gen: Wie ist der Be­fund im Ge­samt­markt­kon­text an­zu­se­hen, der da­von aus­geht, dass im Leit­in­dex S&P 500 ei­ne Typ-1-Trend­wen­de ab­läuft, die nur auf ei­ne Nach­richt war­tet, die den Mut zum Ver­kau­fen auf brei­ter Front aus­löst? Dar­auf hält die Ge­schich­te ei­ne er­mu­ti­gen­de Ant­wort be­reit: Öl- und vor al­lem di­ver­si­fi­zier­te Mi­nen­ak­ti­en ge­hö­ren zu den­je­ni­gen, die sich Ge­samt­markt­trends über län­ge­re Zeit ent­zie­hen konn­ten. Ir­gend­ei­ne Sto­ry gab es im­mer, die Mi­nen- und Öl­ti­tel in ein ge­gen­tei­li­ges Licht zum Ge­samt­markt ver­setz­te.

Die zwei­te Fra­ge: Sind Mi­nen­wer­te nicht schon zu weit ge­lau­fen? Die Ant­wort er­gibt sich aus obi­gen Aus­füh­run­gen: Trends sind gül­tig, bis sie bre­chen. In di­ver­si­fi­zier­ten Mi­nen­ak­ti­en sind Mus­ter nach Typ 1 oder 2 nicht vor­han­den. Kon­so­li­die­run­gen lau­fen an­ders ab als Tran­si­ti­ons­pha­sen zwi­schen stei­gen­den und fal­len­den Trends, als die Trend­wen­de­er­schei­nun­gen an­zu­se­hen sind. Vor al­lem sind Kon­so­li­die­run­gen zu er­war­ten, falls in den USA die «rich­ti­ge» Kan­di­da­tur ge­winnt und ein klei­nes Stroh­feu­er in Ak­ti­en aus­bricht, die in den letz­ten zehn Ta­gen «aus­ver­kauft» wur­den. Das nennt man vor­über­ge­hen­de Ro­ta­ti­on der Prä­fe­ren­zen. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit der der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.