Das Le­ben nach der Wahl

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - JAN BOPP,

Po­li­ti­sche Bör­sen ha­ben im All­ge­mei­nen kur­ze Bei­ne.

Zum Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chung die­ses Ar­ti­kels ist die Ent­schei­dung bei der US-Prä­si­dent­schafts­wahl ge­fal­len. Ob der Wahl­aus­gang letzt­lich ei­nen län­ger­fris­ti­gen Ein­fluss auf die Fi­nanz­märk­te ha­ben wird, wer­den die kom­men­den Mo­na­te zei­gen – ver­mut­lich wer­den sich In­ves­to­ren je­doch nach kurz­fris­ti­gen, evtl. star­ken Markt­be­we­gun­gen recht schnell auf die neue Si­tua­ti­on ein­stel­len und zum Ta­ges­ge­schäft über­ge­hen.

Denn letzt­lich fällt ein gros­ser Un­si­cher­heits­fak­tor weg, der die An­le­ger seit Mo­na­ten be­las­te­te. Zu­dem hat die Ver­gan­gen­heit ge­zeigt, dass Markt­be­we­gun­gen am Tag nach der Wahl letzt­lich we­nig Aus­sa­ge­kraft für den Ver­lauf in den kom­men­den zwölf Mo­na­ten be­sit­zen, wie un­ser Chart zeigt.

Für das grund­sätz­li­che Markt­um­feld ent­schei­den­der ist viel­mehr die künf­ti­ge Aus­rich­tung der glo­ba­len Geld­po­li­tik. Und in die­sem Be­lang hat sich ge­ra­de in der jüngs­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on der gros­sen Zen­tral­ban­ken Grund­sätz­li­ches ge­än­dert. Erst­mals seit Jah­ren ha­ben No­ten­ban­ker die im Vor­feld auf­ge­bau­te ho­he An­spruchs­hal­tung nicht über­trof­fen.

Be­grüs­sens­wert

Der Mecha­nis­mus, dass ho­he Er­war­tun­gen au­to­ma­tisch ag­gres­si­ves geld­po­li­ti­sches Han­deln nach sich zie­hen, scheint ein En­de ge­fun­den zu ha­ben. Das ist gut so. Fun­da­men­tal­da­ten rü­cken wie­der ver­stärkt in den Vor­der­grund, und Ak­ti­en­kurs­stei­ge­run­gen müs­sen künf­tig wie­der ver­mehrt von stei­gen­den Un­ter­neh­mens­ge­win­nen be­glei­tet wer­den. Der Zeit­punkt scheint güns­tig, ha­ben sich doch die Kon­junk­tur­wol­ken et­was ge­lich­tet, be­son­ders in Chi­na.

Nach schwa­chen Ex­port­zah­len, lie­fer­te Chi­na zu­letzt wei­te­re Be­wei­se da­für, dass der Über­gang von ei­nem ex­port- und in­ves­ti- ti­ons­ge­trie­be­nen hin zu ei­nem auf Kon­sum ba­sie­ren­den Wachs­tums­mo­dell ge­lingt und sich die Wirt­schaft oh­ne grös­se­re Ver­wer­fun­gen auf ei­nem Wachs­tums­ni­veau ober­halb von 6% ein­pen­delt. Das chi­ne­si­sche Brut­to­in­land­pro­dukt stieg im drit­ten Quar­tal um 6,7% im Jah­res­ver­gleich. Die Ein­zel­han­dels­um­sät­ze stie­gen schnel­ler als die In­dus­trie­pro­duk­ti­on. Stüt­zend bei der Um­stel­lung der Wirt­schaft wir­ken Staats­un­ter­neh­men, die mit ei­nem In­ves­ti­ti­ons­plus von 21,1% die Lü­cke bei den In­ves­ti­tio­nen pri­va­ter Un­ter­neh­men fül­len. Nach­dem die chi­ne­si­schen Pro­du­zen­ten­prei­se zu­letzt erst­mals seit 2012 wie­der stie­gen, er­gänzt der jüngs­te An­stieg des BIP-De­fla­tor zu­dem Hin­wei­se auf ei­nen ge­sun- ke­nen de­fla­tio­nä­ren Druck. Die ho­he Ver­flech­tung der chi­ne­si­schen Wirt­schaft mit an­gren­zen­den asia­ti­schen Volks­wirt­schaf­ten dürf­te auch dort für Wachs­tums­im­pul­se sor­gen.

Opec vor Be­wäh­rung

Nach den an­ge­kün­dig­ten Pro­duk­ti­ons­kür­zun­gen am 28. Sep­tem­ber hat die Opec noch kei­ne Ta­ten fol­gen las­sen. Der Öl­preis­rück­gang hat sich wei­ter be­schleu­nigt, und die Sor­te WTI no­tier­te zwi­schen­zeit­lich wie­der knapp un­ter 44 $/ Fass. Ne­ben dem Ver­hand­lungs­hick­hack zwi­schen der Opec und Dritt­staa­ten be­las­te­ten auch er­neut stark ge­stie­ge­ne US-Öl­vor­rä­te die No­tie­run­gen. Die jüngs­te Zu­nah­me der La­ger­be­stän­de hat die Rück­gän­ge von Sep­tem­ber und An­fang Ok­to­ber mehr als ega­li­siert. Der Ver­such der Opec, Zwei­fel an ei­nem er­folg­rei­chen Ab­kom­men zur Pro­duk­ti­ons­dros­se­lung zu be­sei­ti­gen, ge­lang nicht.

Der Preis für WTI be­wegt sich wie­der in kri­ti­schen chart­tech­ni­schen Re­gio­nen. Der seit Fe­bru­ar eta­blier­te Auf­wärts­trend wur­de ve­he­ment nach un­ten durch­bro­chen. Im Be­reich von 42.60 bis 43.50 $ ist die Ab­wärts­be­we­gung En­de ver­gan­ge­ner Wo­che auf den im Sep­tem­ber aus­ge­bil­de­ten Un­ter­stüt­zungs­be­reich ge­trof­fen – auf die­sem Ni­veau ver­läuft ak­tu­ell auch die 200-Ta­ge-Li­nie.

Soll­te auch die­se Hür­de ge­nom­men wer­den, ist wei­ter Luft nach un­ten bis 40 $/Fass. Tech­ni­sche In­di­ka­to­ren deu­ten zwar auf ei­ne kurz­fris­ti­ge Ent­span­nung hin. Ei­ne Über­ein­kunft zwi­schen Opec und Nicht-Opec-Län­dern steht wei­ter in den Ster­nen, und auch fun­da­men­tal gibt es im­mer wie­der Rück­schlä­ge. Am 30. No­vem­ber ste­hen wei­te­re Opec-Be­ra­tun­gen an. Bis da­hin ist mit er­höh­ter Vo­la­ti­li­tät zu rech­nen.

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