Ma­ke Chi­na Gre­at Again

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - ALEX­AN­DER TRENTIN

Es ist die Zeit der Po­pu­lis­ten, die na­tio­na­lis­ti­sche In­stink­te be­die­nen. Ob Du­ter­te auf den Phil­ip­pi­nen, Er­do­gan in der Tür­kei, Pu­tin in Russ­land oder nun Do­nald Trump – sie al­le ver­spre­chen ih­rem Wahl­volk, mit star­ker Hand zu re­gie­ren und der Hei­mat zu al­tem Glanz zu ver­hel­fen. Auf dem di­plo­ma­ti­schen Par­kett tref­fen so Al­pha­tie­re zu­sam­men, die dem ei­ge­nen Pu­bli­kum ih­re Macht de­mons­trie­ren müs­sen. Ei­ne der wich­tigs­ten Fra­gen ist da­bei, wie Trump mit dem chi­ne­si­schen Prä­si­den­ten Xi Jin­ping klar­kommt.

Trump und Xi zei­gen völ­lig ver­schie­de­ne Cha­rak­te­re. Chi­nas Prä­si­dent hält sich eng an sein Skript, spon­ta­ne Bemerkungen gibt es bei ihm nicht. Im Ge­gen­satz zu Trump kennt er nur die Kar­rie­re in Bü­ro­kra­tie und Po­li­tik. Doch es gibt Par­al­le­len – in ih­rem Po­pu­lis­mus. Wie Trump «Ma­ke Ame­ri­ca Gre­at Again» pro­pa­giert, hat Xi im Jahr 2013 in ei­ner Re­de den «chi­ne­si­schen Traum» be­schwo­ren – «die gros­se Er­neue­rung der chi­ne­si­schen Na­ti­on». Seit­dem wur­den die Re­pres­sio­nen ge­gen in­län­di­sche Kri­ti­ker ver­schärft. Wirt­schaft­li­che Re­for­men wer­den ver­zö­gert, um das staat­lich di­ri­gier­te ho­he Wachs­tum si­cher­zu­stel­len. In der Aus­sen­po­li­tik setzt man auf Kon­fron­ta­ti­on – be­son­ders im Streit um Ge­biets­an­sprü­che im süd­chi­ne­si­schen Meer. Do­nald Trump muss mit ei­nem Op­po­nen­ten zu­recht­kom­men, der sich als star­ke Füh­rungs­fi­gur eta­bliert hat. En­de Ok­to­ber be­kam Xi nach Mao und Deng Xia­o­ping den Eh­ren­ti­tel «Kern­füh­rer» der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei ver­lie­hen. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren sorg­te er mit ei­ner An­ti­kor­rup­ti­ons­kam­pa­gne für Schre­cken un­ter den Par­tei­funk­tio­nä­ren – und de­ren Dis­zi­pli­nie­rung. Be­ob­ach­ter he­gen den Ver­dacht, dass Xi sich so von un­lieb­sa­mer Kon­kur­renz be­freit.

Im Wahl­kampf hat Trump sich oft über Chi­na be­klagt. Er wol­le ei­nen fai­re­ren Han­del – und da­für Zöl­le von 45% auf chi­ne­si­sche Gü­ter er­he­ben. Aus­ser­dem wer­de er die Chi­ne­sen als Wäh­rungs­ma­ni­pu­la­to­ren of­fen­le­gen. Aus sei­nem Be­ra­ter­stab sind die Si­gna­le aber ge­mischt. Ei­ner­seits hat er den Wirt­schafts­pro­fes­sor Pe­ter Na­var­ro in sei­ner Be­ra­ter­rie­ge, der für ein ag­gres­si­ves Vor­ge­hen ge­gen Chi­na plä­diert. An­de­rer­seits er­war­tet der Trump-Be­ra­ter Ja­mes Wool­sey in ei­nem Ar­ti­kel, dass die neue US-Re­gie­rung der chi­ne­si­schen In­ves­ti­ti­ons­in­itia­ti­ve «One Belt, One Road» of­fe­ner ge­gen­über­ste­hen wer­de. Die­se Initia­ti­ve von Xi Jin­ping will Han­dels­we­ge von Chi­na nach Eu­ro­pa und die In­fra­struk­tur in den zen­tral­asia­ti­schen Län­dern der al­ten Sei­den­stras­se aus­bau­en.

Ein Han­dels­krieg zwi­schen den USA und Chi­na ist nicht aus­ge­schlos­sen (vgl. Sei­te 23). Un­ter dem fol­gen­den Kräf­te­mes­sen zwi­schen Trump und Xi, die ih­re Stär­ke de­mons­trie­ren müs­sen, wür­den bei­de Län­der lei­den. Chi­ne­si­sche Staats­me­di­en zeig­ten sich erst ein­mal er­freut über den Wahl­aus­gang. Mit Trump wer­de der glo­ba­le Ein­fluss der USA zu­rück­ge­hen. Schon jetzt hat Xi Jin­ping den phil­ip­pi­ni­schen Prä­si­den­ten für die chi­ne­si­sche Sei­te ge­won­nen. Der Macht­po­li­ti­ker Xi darf nun hof­fen, sei­ne Po­si­ti­on durch aus­sen­po­li­ti­sche Er­fol­ge wei­ter zu stär­ken – dank ei­ner schwa­chen USA.

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