Gold un­er­war­tet schwach

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - DA­RIO SIGRON

Das Edel­me­tall bleibt den­noch als Ab­si­che­rungs­in­stru­ment ge­fragt.

Mit dem Aus­gang der ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­dent­schafts­wahl herrsch­te le­dig­lich zum Han­dels­auf­takt ei­ne Art Schock­zu­stand an den glo­ba­len Fi­nanz­märk­ten. Nach­dem der de­si­gnier­te US-Prä­si­dent Do­nald Trump je­doch ei­ne ver­söhn­li­che Sie­ges­re­de ab­hielt, kor­ri­gier­ten die Märk­te im Lau­fe des Han­dels­tags und schlos­sen deut­lich fes­ter. Die Nach­fra­ge nach Gold ver­hielt sich in­fol­ge­des­sen ge­gen­sätz­lich. Der Un­zen­preis stieg zum Markt­start auf 1330 $, fiel im wei­te­ren Ta­ges­ver­lauf aber deut­lich un­ter 1300 $. Im Vor­feld der Wahl hat­ten vie­le Markt­teil­neh­mer bei ei­nem Wahl­sieg Trumps ei­ne ho­he ma­kro­öko­no­mi­sche und geo­po­li­ti­sche Un­si­cher­heit er­war­tet. Die­se ist nun schein­bar nicht ein­ge­tre­ten oder sie wird der­zeit nicht wahr­ge­nom­men, was sich an der Be­ru­hi­gung am Markt und in der stark ge­fal­le­nen Vo­la­ti­li­tät re­flek­tiert.

Da­mit be­las­ten ak­tu­ell wie­der die hö­he­ren Zins­er­war­tun­gen den Gold­preis. Zum ei­nen be­trägt die Wahr­schein­lich­keit ei­nes Zins­schritts der US-No­ten­bank Fed im De­zem­ber der­zeit mehr als 70%. Wo­mit der re­strik­ti­ve­re geld­po­li­ti­sche Pfad in den USA wei­ter­ver­folgt wer­den dürf­te. Des Wei­te­ren ist nach der Wahl von Do­nald Trump mit stei­gen­den Aus­ga­ben für In­fra­struk­tur­pro­jek­te zu rech­nen. Sol­che ex­pan­si­ven fis­kal­po­li­ti­schen Mass­nah­men könn­ten das Zins­ni­veau zu­sätz­lich stüt­zen. Die da­mit ver­bun­de­ne Auf­wer­tung des Dol­lars wür­de den Druck auf den Preis des Edel­me­talls wei­ter er­hö­hen.

Mit­tel­fris­tig ist je­doch kaum da­von aus­zu­ge­hen, dass der Gold­preis in ei­ne Pha­se der Kor­rek­tur ein­ge­tre­ten ist. Denn we­gen den so­li­den Fun­da­men­tal­da­ten dürf­te die In­fla­ti­on mit den stei­gen­den Zin­sen Schritt hal­ten und eben­falls wei­ter an­zie­hen. Zu­dem könn­te die ex­pan­si­ve Fis­kal­po­li­tik dem Preis­ni­veau zu­sätz­li­chen Schub ver­lei­hen. Die dar­aus re­sul­tie­ren­den tie­fen oder gar fal­len­den in­fla­ti­ons­be­rei­nig­ten Zin­sen wür­den dem Gold­preis er­neu­ten Auf­trieb ver­lei­hen. Da­mit ist Gold auch in Zei­ten hö­he­rer Zins­er­war­tun­gen und mo­de­ra­ter Prei­se als Ab­si­che­rungs­in­stru­ment ge­fragt.

Ei­nen Hin­weis dar­auf lie­fer­te die Ent­wick­lung En­de Sep­tem­ber, als die Wahr­schein­lich­keit ei­nes Zins­schritts des Fed für den Mo­nat De­zem­ber deut­lich stieg und der Gold­preis da­durch stark un­ter Druck ge­riet. Wi­der Er­war­ten gin­gen die Gold­be­stän­de ko­tier­ter Gold­fonds (Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds, ETF) nicht zu­rück, son­dern stie­gen in den letz­ten Wo­chen gar leicht an. Dies deu­tet dar­auf hin, dass vor al­lem spe­ku­la­ti­ve Markt­teil­neh­mer ih­re Po­si­tio­nen ver­kauf­ten und nicht die An­le­ger mit phy­sisch un­ter­leg­ten In­stru­men­ten wie Gold-ETF.

Un­ter­stüt­zung dürf­te der Gold­preis auch von der phy­si­schen Nach­fra­ge in In­di­en und Chi­na er­hal­ten. Wäh­rend in bei­den Län­dern eher lang­fris­ti­ge Trends wie ei­ne wach­sen­de Mit­tel­klas­se und hö­he­re Ein­kom­men von Be­deu­tung sind, steht in In­di­en zu­sätz­lich die Ein­füh­rung ei­ner Mehr­wert­steu­er an. Da­bei dürf­te sich der Gold­schmuck in na­her Zu­kunft ver­teu­ern, was vor­gän­gig die Nach­fra­ge stüt­zen könn­te.

Ak­tu­el­le Kurs­rück­gän­ge kön­nen zum Auf­bau der Gold­po­si­tio­nen ge­nutzt wer­den, um ge­gen­über zu­künf­ti­gen ma­kro­öko­no­mi­schen so­wie geo­po­li­ti­schen Un­si­cher­hei­ten ab­ge­si­chert zu sein. Die­se Ri­si­ken sind an­ge­sichts der lau­fen­den Br­ex­it-Ver­hand­lun­gen so­wie des ita­lie­ni­schen Ver­fas­sungs­re­fe­ren­dums im De­zem­ber und der un­ge­wis­sen po­li­ti­schen US-Agen­da trotz der jüngs­ten Be­ru­hi­gung am Markt nicht ver­schwun­den.

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