«Ta­pern» in Zei­ten des Auf­ruhrs

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN -

Ame­ri­kas Ruf als «Land der un­be­grenz­ten Mög­lich­kei­ten» hat sich ein­mal mehr be­stä­tigt: Do­nald Trump wur­de zum 45. US-Prä­si­den­ten ge­wählt. Ob die US-No­ten­bank (Fed) in we­ni­gen Wo­chen auf den Pfad der Nor­ma­li­tät und der er­war­te­ten Zins­an­he­bung zu­rück­keh­ren kann, wird von der Sou­ve­rä­ni­tät der Märk­te ab­hän­gen, mit der Un­si­cher­heit an­ge­sichts des «Neu­en» um­zu­ge­hen. Wei­te­re Schrit­te wird das Fed si­cher erst ab­wä­gen, wenn Trumps an­ge­kün­dig­te Steu­er­sen­kun­gen und In­fra­struk­tur­aus­ga­ben Früch­te tra­gen und die Konjunktur sta­bi­li­sie­ren. Bis da­hin bleibt ab­zu­war­ten, wie ef­fek­tiv der künf­ti­ge USPrä­si­dent sei­ne Ide­en um­set­zen kann und wie sich die aus­sen­po­li­ti­schen Be­zie­hun­gen ge­stal­ten. Im Va­ku­um der Un­si­cher­heit könn­te zu­nächst der Dol­lar kurz­fris­tig an Bo­den ver­lie­ren. Wenn die ver­spro­che­nen fis­kal­po­li­ti­schen Pro­gram­me rea­li­siert wer­den, könn­te dies den Dol­lar je­doch mit stei­gen­den Zin­sen und an­zie­hen­den­dem Wachs­tum län­ger­fris­tig un­ter­stüt­zen.

Kla­rer zeich­net sich das Bild in Eu­ro­pa ab. Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank wird bis März 2017 wie er­war­tet je- den Mo­nat An­lei­hen über 80 Mrd. € kau­fen. Al­ler­dings hat sich die EZB ei­ne «Ta­pe­ring»-Tür ge­öff­net, in­dem sie ei­ne mög­li­che Ver­rin­ge­rung der An­käu­fe an­klin­gen las­sen hat. Das zeigt Weit­sicht. Denn die ur­sprüng­lich er­folg­rei­che Stra­te­gie, ne­ga­ti­ve Zin­sen mit über­mäs­si­ger Li­qui­di­tät zu kom­bi­nie­ren, ver­kehrt sich ins Ge­gen­teil und ge­fähr­det Banken. Auch die Zins­sen­kun­gen wir­ken kon­tro­vers: Statt ge­schwächt zu wer­den, ist der Eu­ro im Lau­fe des Jah­res 3% zum Dol­lar ge­stie­gen.

Die Zen­tral­ban­ken än­dern ih­re Tak­tik, nach­dem sie die Kol­la­te­ral­schä­den ih­rer bis­he­ri­gen Mass­nah­men ver­stan­den ha­ben. Al­len vor­an die Bank von Ja­pan (BoJ), die statt der Ba­zoo­ka nun ein Skal­pell be­nutzt, um ih­re Bi­lan­zen prä­zi­ser zu kor­ri­gie­ren. Das wird Aus­wir­kun­gen auf die Be­wer­tun­gen von Ver­mö­gens­wer­ten ha­ben.

An­ders als das Fed ha­ben die EZB und die BoJ kein Aus­lau­fen ih­rer QE-Pro­gam­me an­ge­kün­digt. Mit der USWahl die­se Wo­che ist die Welt in ih­rem po­li­ti­schen und ma­kro­öko­no­mi­schen Rah­men­be­din­gun­gen zu­nächst wie­der et­was un­si­che­rer ge­wor­den.

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