Es kam al­les ganz an­ders

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - CHRIS­TOPH SCHENK,

Die Wahl von Trump über­rasch­te ge­nau­so wie die Re­ak­ti­on der Märk­te.

Ers­tens kommt es an­ders, und zwei­tens als man denkt. Tref­fen­der lässt sich das Er­geb­nis der US-Prä­si­dent­schafts­wah­len und die Re­ak­ti­on der Fi­nanz­märk­te auf die­se Über­ra­schung nicht be­schrei­ben. Ers­tens sind die US-Wah­len nicht zu­guns­ten von Hil­la­ry Cl­in­ton aus­ge­gan­gen – wie fast uni­so­no vor­aus­ge­sagt. Auch die Pro­gno­se, der USKon­gress wer­de ge­spal­ten, ging da­ne­ben. Zwei­tens ist es an den Fi­nanz­märk­ten nur kurz­zei­tig zu ne­ga­ti­ven Re­ak­tio­nen ge­kom­men.

Be­reits St­un­den nach Be­kannt­wer­den des Wah­l­er­geb­nis­ses setz­ten Kurs­er­ho­lun­gen ein. Mit sei­ner ver­söhn­li­chen Sie­ges­re­de gab Trump den Prag­ma­ti­ker.

Ver­trau­en er­ar­bei­ten

Aber an­ders als frü­he­re US-Prä­si­den­ten muss sich Do­nald Trump das Ver­trau­en der Märk­te noch er­ar­bei­ten. Sei­ne Wahl­kampf­rhe­to­rik wird er nicht eins zu eins um­set­zen kön­nen. Sach­po­li­tik wird im Zen­trum ste­hen. Mit ei­nem Mau­er­bau an der me­xi­ka­ni­schen Gren­ze ist eben­so we­nig zu rech­nen wie mit ei­ner Er­he­bung dras­ti­scher Straf­zöl­le auf Im­por­te aus Me­xi­ko und Chi­na.

Dank re­pu­bli­ka­nisch do­mi­nier­tem Se­nat und Re­prä­sen­tan­ten­haus hat Trump nun freie Hand, sei­ne wirt­schafts­po­li­ti­schen Vor­stel­lun­gen um­zu­set­zen: Ei­ne Ver­ein­fa­chung des Steu­er­sys­tems, Un­ter­neh­mens­steu­er­sen­kun­gen, Ca­pi­tal Spen­ding à la Rea­gan bei Si­cher­heit und Ver­tei­di­gung dürf­ten sich mit­tel­fris­tig po­si­tiv auf Wachs­tum und Ar­beits­markt aus­wir­ken.

Die an­ge­bots­sei­ti­ge Ex­pan­si­on dürf­te al­ler­dings mit ei­ner Er­hö­hung der Neu­ver­schul­dung ein­her­ge­hen. Die US-Konjunktur wird durch Steu­er­sen­kun­gen und staat­li­che Mehr­aus­ga­ben an Fahrt ge­win­nen, so­dass der schon rei­fe US-Kon­junk­tur­zy­klus ver­län­gert wer­den dürf­te. Die Ak­ti­en­märk­te mit Aus­nah­me der Schwel­len­län­der re­agier­ten be­reits po­si­tiv.

Den­noch soll­te man den Tag nicht vor dem Abend lo­ben. Ri­si­ken lau­ern in der Aus­sen- und Han­dels­po­li­tik. Trumps sehr poin­tier­te Aus­sa­gen und sei­ne Ten­denz zu Pro­tek­tio­nis­mus sind der glo­ba­len Wirt­schaft nicht zu­träg­lich und dämp­fen mit­tel- und län­ger­fris­tig die Wachs­tums­aus­sich­ten. Ei­ne Glo­ba­li­sie­rungs­ab­kehr wür­de wohl auch mit ei­ner hö­he­ren In­fla­ti­on ein­her­ge­hen, was dann auch zu ei­ner re­strik­ti­ve­ren Geld­po­li­tik füh­ren müss­te.

Der schar­fe Ren­di­te­an­stieg der letz­ten Ta­ge weist dar­auf hin, dass ein sol­ches Sze­na­rio durch­aus als rea­lis­tisch an­ge­se­hen wird. Die In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen sind in die Hö­he ge­schos­sen und ha­ben die zehn­jäh­ri­ge Tre­a­su­ry-Ren­di­te auf den höchs­ten Stand seit Ja­nu­ar ge­bracht. Im Schlepp­tau der USRen­di­ten ha­ben sich auch die Ren­di­ten eu­ro­päi­scher Staats­an­lei­hen deut­lich er­höht.

Ak­ti­en blei­ben at­trak­tiv

Un­ter dem Ein­druck des er­bit­ter­ten Wahl­kampfs wur­den die jüngs­ten US-Kon­junk­tur­da­ten kaum be­ach­tet. Sie sind un­spek­ta­ku­lär, aber ins­ge­samt po­si­tiv aus­ge­fal­len. Der Ar­beits­markt ist in gu­ter Ver­fas­sung. Die re­ge Kon­sum­kre­dit­ver­ga­be ist er­freu­lich. Das Stim­mungs­ba­ro­me­ter der US-Klein­un­ter­neh­men mar­kiert ein Jah­res­hoch. Da­ge­gen lie­fer­te der Gross­han­del et­was ent­täu­schen­de La­ger- und Ab­satz­zah­len.

Die Ak­ti­en­ral­ly nach der Trump-Wahl scheint über­trie­ben und birgt Rück­schlags­po­ten­zi­al. Trumps Un­be­re­chen­bar­keit lässt sich nicht mit ei­ner ge­mäs­sig­ten Re­de aus der Welt schaf­fen. Die Po­li­tik der neu­en US-Re­gie­rung wird aber wohl kon­struk­tiv und prag­ma­tisch sein.

Wir be­kräf­ti­gen un­se­re mo­de­rat op­ti­mis­ti­sche Ein­schät­zung der Ak­ti­en­märk­te. Die Un­ter­neh­mens­ge­win­ne dürf­ten vom wachs­tums­freund­li­chen Kurs der neu­en Re­gie­rung pro­fi­tie­ren. Mehr als 71% der Fir­men im S&P 500 ha­ben im drit­ten Quar­tal die Ge­winn­erwar­tun­gen über­trof­fen. Die Quar­tals­ge­win­ne lie­gen 2,7% über Vor­jahr. Die US-Leit­zins­er­hö­hung im De­zem­ber ist so gut wie si­cher. Die Aus­sicht auf stei­gen­de Ge­win­ne dürf­te die re­strik­ti­ve­re Geld­po­li­tik über­kom­pen­sie­ren. Die Er­fah­rung lehrt, dass der Über­gang von ei­ner li­qui­di­täts- zu ei­ner ge­winn­ge­trie­be­nen Ak­ti­en­hausse nicht frik­ti­ons­los ab­läuft. Die Vo­la­ti­li­tät dürf­te noch stei­gen.

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